Hacktivismus “Erwarte uns”: Anonymous droht Elon Musk wegen Bitcoin-Kritik
David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Anonymous

Quelle: Shutterstock

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Anonymous hat es auf Elon Musk abgesehen. Zum ersten Mal seit sechs Monaten postet das Kollektiv ein Video auf YouTube – und nimmt den reichsten Mann der Welt ins Fadenkreuz.

Elon Musk, ein Scheinheiliger? Diesen Vorwurf zumindest erhebt das Hacker-Kollektiv Anonymous in einem viralen YouTube-Video, das sich gegen den Tesla-CEO richtet. Das Video, zum Zeitpunkt des Schreibens bereit knapp zwei Millionen mal geklickt, hält dem Milliardär vermeintliche Heuchelei in Bezug auf seine Bitcoin-Kritik vor. So sagt der Protagonist des etwa 4-minütigen Videos in gewohnter Anonymous-Manier:


Während der letzten Jahre hast du die wohl wohlwollendste Reputation in der Klasse der Milliardäre genossen. Aber dein Image hat sich gewandelt. Die Menschen sehen mittlerweile, dass auch du ein weiterer narzisstischer, reicher Dude mit Aufmerksamkeitsbedürfnis bist.

Anonymous

Die drastische Wortwahl des Kollektivs stammt allem Anschein nach aus Frustration über Musks Gebaren in Hinblick auf Bitcoin. So wirft der “Anon”, dessen Stimme verzerrt ist, Musk vor, seine Kritik an Bitcoins Energieverbrauch sei einseitig.

Das Argument des Energieverbrauchs beim Proof-of-Work-Mining ist eine sehr nuancierte Diskussion, die ein ziemlich komplexes Verständnis dafür erfordert, wie Stromnetze funktionieren.

Anonymous

Bitcoin-Stop stößt Anonymous übel auf

Tesla hatte die Annahme von BTC am 13. Mai dieses Jahres ausgesetzt. Wie wir bereits an dieser Stelle berichtet hatten, begründete Musk den Schritt mit den vermeintlichen Umweltschäden aus dem Proof-of-Work-Mining. Ein aus Sicht vieler Kritiker:innen, zu denen nun auch Anonymous gehört, wenig glaubhafter Vorwand. Schließlich ist die tatsächliche CO2-Bilanz von Bitcoin erstens unklar, und zweitens müssen Diskussionen in ein nuanciertes Geflecht aus abgewogenen Argumenten über den Nutzen der Kryptowährung eingebettet werden. Eine solche Abwägung fand beim reichsten Mann der Welt indes nie statt.

Vielmehr reproduziert das Hacker-Kollektiv in dem neuesten Video eine Theorie, die bereits seit geraumer Zeit im Bitcoin Space die Runde macht. Musk wettere vor allem deshalb gegen BTC, da der Großteil der Tesla-Einnahmen aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten sowie sogenannten “Government Subsidies”, also Regierungsgeldern stammt. Diese seien insbesondere deshalb ausgezahlt worden, da Tesla als Hersteller von Elektroautos dem Klimawandel entgegenwirkt.

Tesla: Großteil des Umsatzes stammt aus Zertifikate-Handel

Eine Unterstützung von Proof-of-Work-Kryptowährungen ist aus Sicht von Tesla ein Widerspruch. Tatsächlich stammt ein Großteil von Teslas Gewinn nicht aus dem Verkauf von E-Autos, sondern aus dem Handel mit CO2-Zertifikaten. Im ersten Quartal 2021 nahm der kalifornische Autobauer 518 Millionen Dollar aus dem Verkauf von CO2-Zertifikate ein. Zusätzlich stammten 100 Millionen US-Dollar aus dem Handel mit Bitcoin, so der Geschäftsbericht für Q1 2021. Der Verkauf von Autos ist unterdessen immer noch ein Verlustgeschäft für Tesla.


Dazu Anonymous:

Tatsächlich verstehen die Leute nun, dass Teslas Einkommen nicht aus dem Verkauf von Autos stammt, sondern aus Regierungsgeldern.

Anonymous

Aus dem daraus eingenommen Geld könnte auch das Funding für den Milliarden-Einkauf von BTC stammen. Ein Schachzug, der Musk nun auf die Füße zu fallen scheint. Doch anstatt seine Entscheidung zu erklären, feuert der Tesla-CEO seit geraumer Zeit gegen Bitcoins Proof-of-Work-Algorithmus. Sehr zum Unmut der Krypto-Community und neuerdings auch Anonymous.

Millionen von Kleinanlegern zählten auf ihre Krypto-Gewinne, um ihr Leben zu verbessern. Mit deinen Wutanfällen hast du hart arbeitenden Menschen ihre Träume genommen. Trotzdem postest du weiterhin Memes aus deinen Millionen-Villen,

Anonymous

sagt der Anon im Video.

Maßnahmen unklar

Ob Anonymous etwas gegen Musk ausrichten kann, ist allerdings unklar. Schließlich hatte das Kollektiv seinen Zenit bereits 2008 erreicht, als es mittels DDoS-Attacken Webseiten von Scientology lahmlegen konnte. Das als Project Chanology bekannte Unterfangen hatte das erklärte Ziel “Scientology aus dem Internet zu verbannen.” Das gelang zwar nicht, seitdem sind die Hacktivisten mit den Plastikmasken aber in aller Munde.

Zurückliegende Projekte wie Angriffe auf Cyber-Infrastruktur von Nigeria oder dem Minneapolis Police Department blieben aber weitestgehend folgenlos.


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