Der Krypto-Markt steht womöglich vor einem fundamentalen Paradigmenwechsel. Jahrelang bewerteten Investoren die Altcoin-Projekte primär nach Spekulationswert und Nutzerzahlen, aber laut dem Bitwise-CIO rückt nun die tatsächliche Ertragskraft in den Vordergrund. “Wir befinden uns jetzt in einer Phase, in der der Wert von Krypto-Assets außerhalb von Bitcoin zunehmend durch dieselbe Metrik definiert wird, die auch Aktien und Anleihen bestimmt: Einnahmen”, erklärt Hougan in seinem jüngsten Memo.
Lange Zeit hätten regulatorische Repressalien der US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) unter Jay Clayton und Gary Gensler direkte Ertragsmodelle verhindert. Projekte mussten als reine Governance-Token ohne Anspruch auf Protokoll-Einnahmen starten. Nach dem Ende langwieriger Gerichtsverfahren wie gegen Ripple sowie dem SEC-Führungswechsel zu Paul Atkins sei der Weg aber frei geworden: “Plötzlich waren Einnahmen wieder ein Thema”.
Buybacks und Token-Burns als Krypto-Preistreiber
Als Pionier dieser Transformation nennt Hougan die dezentrale Börse Hyperliquid, die rund 99 Prozent ihrer Gebühreneinnahmen für den Rückkauf und die Vernichtung des HYPE-Tokens nutzt. Seit dem Start wurden bereits Token im Wert von 1,3 Milliarden US-Dollar dem Wirtschaftskreislauf entzogen. Dem Beispiel folgten Krypto-Branchengrößen wie Uniswap, Aave und Plattformen wie Pump.fun. Sogar Layer-1-Netzwerke wie Solana oder Aptos zogen nach und passten ihre Gebührenstrukturen an.
Hougan erinnert diese Entwicklung an große Tech-Konzerne vor der Einführung funktionierender Werbemodelle. Über die nächsten 12 bis 24 Monate erwartet er, dass diese Plattformen immer mehr Einnahmen verzeichnen. Falls sich die Verbindung zwischen Protokoll-Einnahmen und Token-Wert weiter verfestige, könnten sich die entsprechenden Krypto-Bewertungen schlagartig verdoppeln oder gar vervielfachen. Jahrelang seien die Einnahmen also das beste Argument gegen Krypto gewesen seien. Nun werden sie nach Einschätzung des Bitwise-Profis gerade zum stärksten Argument für die Anlageklasse.
