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Bitcoin aktuell Alles auf Anfang

Der Kryptosektor hat durch das FTX-Fiasko einen herben Tiefschlag zur Unzeit einstecken müssen. Langfristig gefährdet ist Bitcoin deshalb jedoch nicht.

David Scheider
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Bitcoin

Beitragsbild: Shutterstock

| Scherben zusammenfegen und weitermachen: Bitcoin.

Der Untergang der vormals viertgrößten Bitcoin-Börse FTX war ein Schock. Die unlautere – und wohl illegale – Geschäftspraktik ihres Gründers Sam Bankman-Fried, Kund:innengelder an das Schwesterunternehmen Alameda Research zu verleihen, hat einen tiefen Riss in die Vertrauensbasis der gesamten Branche gerissen.

Der Schaden, den die mutmaßliche Betrügerbande FTX hinterlassen hat, ist gewaltig. Er wird das Bild der Industrie für Jahre prägen. Blickt man indes ganz nüchtern auf die ganz direkten Auswirkungen des Fiaskos, kann man sagen: Bitcoin ist nochmal mit einem blauen Auge davongekommen.

Zwar ist der Kurs im Zuge des Skandals um mehr als 24 Prozent eingebrochen. Bei 15.792 US-Dollar fand das digitale Gold indes seinen vorläufigen Boden. Seither oszilliert BTC in der engen Range zwischen 16.000 und 18.000 USD.

Die geringe Volatilität überrascht auch Prof. Hermann Elendner, seines Zeichens Director of Research & Development bei F5 Crypto:

Die Woche nach der Insolvenz von FTX war von weniger Turbulenzen geprägt, als viele befürchtet hatten: Bitcoin und Ethereum, wie die meisten Kryptowerte, konnten keinerlei Erholung verzeichnen, gaben aber auch nicht weiter nach. Die Volatilität der letzten Tage lag überraschend niedrig.

Prof. Hermann Elendner gegenüber BTC-ECHO.

Diagnose: Überverkauft

Tatsächlich ist Bitcoin so überverkauft wie nie zuvor in seiner 13-jährigen Bestehensgeschichte. Dies lässt sich etwa am MVRV-Indikator ableiten. Gemeint ist das Verhältnis des Marktpreises zum sogenannten Realized Price, der den Wert aller Coins zum Zeitpunkt ihres Kaufs analysiert. Im Juni dieses Jahres taucht der Wert erstmals unter 1. Damit ist die Mehrheit der in BTC investierten Personen unter Wasser. Mit kurzen Unterbrechungen ist der MVRV seither auch unter 1 geblieben. In anderen Worten: Bitcoiner:innen hatten nun wirklich genug Zeit, ihre Coins abzustoßen; die Weak Hands haben dem Markt längst den Rücken zugekehrt.

Der MVRV ist seit geraumer Zeit unter 1. Mehrheitlich sind BTC-Anleger:innen damit im Verlustterritorium. Quelle: Glassnode.

Weitere Contagion-Effekte zu erwarten?

Trotzdem: Mit steigenden Kursen ist ohne einen stark positiven Impuls von außen erstmal nicht zu rechnen. Fraglich ist eher, ob es zu weiteren Downturns aufgrund von Contagion-Effekten kommen kann. So hatte beispielsweise Genesis vermeldet, rund 175 Millionen USD durch FTX verloren zu haben und im Zuge dessen sein Earn-Programm hat einstellen müssen. Das ist insofern pikant, als dessen Dachkonzern, der Digital Currency Group (DGC), unter anderem auch der Grayscale Bitcoin Trust gehört. Zwar distanziert sich Grayscale von Genesis. Die geringe Chance auf den Bankrott des größten institutionellen Bitcoin-Fonds der Welt sorgt aber nicht gerade für Euphorie am Markt.

Das sieht auch Prof. Elendner ähnlich. Im Gespräch mit BTC-ECHO mahnt der Analyst, dass sich Ansteckungen teils auch erst deutlich später manifestieren können:

Eine entscheidende Frage beschäftigt die Märkte: kommt es noch zu kritischen Ausfällen als Folge der FTX-bedingten Abschreibungen? Wie bereits in Folge von Terra/Luna gesehen, kann es durchaus länger dauern, bis Ansteckungseffekte wirksam werden.

Wenn dem FTX-Desaster etwas Positives abzugewinnen ist, dann, dass augenscheinlich immer mehr Menschen ihre Coins selbst verwahren. Denn die Hybris an dem ganzen Schlammassel ist ja folgende: Eigentlich war Bitcoin als Alternative zum korrumpierten Finanzsystem angetreten. Orange Coin ist ein Konstrukt, das ohne sogenannte Trusted Third Parties auskommt. Wer seine BTC jedoch einer eben solchen anvertraut, riskiert – wie im Falle von FTX – alles.

Mit Blick auf einen rapiden Anstieg der Wallet-Adressen, die 10.000 BTC oder mehr halten, kann man sagen, dass zumindest die Bitcoin-Wale Self Custody verstanden haben.

Bitcoin-Wale ziehen Coins von Exchanges ab. Quelle: Glassnode.

Die Volatilität im Kryptomarkt war immer schon hoch; der langfristige Trend jedoch wird weiterbestehen, solange die Technologie, die stärker dezentrale System ermöglicht, sich immer weiter durchsetzt

, resümiert auch Prof. Elendner die Resilienz wirklich dezentraler Systeme wie Bitcoin.

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