Die geopolitische Unsicherheit ist aktuell größer als je zuvor im 21. Jahrhundert, was eigentlich ein ideales Umfeld für den “sicheren Hafen” Gold bedeutet. Und doch zeigt sich im März 2026 ein unerwartetes Bild: Während Bitcoin die Stellung hält und sogar leicht zulegen kann, korrigiert der Goldpreis deutlich. Eigentlich werden beide Assets als Schutz vor der Kaufkraftentwertung des Fiatgeldes gehandelt, die im Rahmen des “Debasement Trades” gleichermaßen profitieren müssten. Nun fällt ihre Korrelation auf einen so niedrigen Stand wie zuletzt Ende des Jahres 2022 zurück. Warum das ein bullishes Signal für Bitcoin ist und welche Portfolio-Strategie für Anleger immer interessanter wird.
Bitcoin und Gold gehen getrennte Wege
Für den Krypto-Analysten Michaël van de Poppe ist die spannendste Entwicklung derzeit nicht der Bitcoin-Kursanstieg in US-Dollar, sondern das Verhältnis von Bitcoin zu Gold. Dieses zeige traditionell, ob der Markt noch in einer Schwächephase steckt oder bereits einen Boden ausgebildet hat. In einem X-Post fragt der Experte daher: “Was, wenn wir den Bärenmarkt bereits hinter uns gelassen haben und uns gerade nur in einer Konsolidierung befinden?” Das Tief sei nach einem 70-prozentigen Einbruch von Bitcoin gegen Gold vor wenigen Wochen womöglich schon erreicht worden, also in einem Bereich, in dem frühere Bärenmärkte ebenfalls ihr Ende fanden.
Bitcoin korrigierte von 126.000 US-Dollar Anfang Oktober auf zeitweise 60.000 US-Dollar Ende Februar, konnte die Marke von 70.000 US-Dollar im März aber zurückerobern. Seit Monatsanfang befindet sich der BTC-Kurs auf Dollarbasis rund sieben Prozent im Plus, wohingegen Gold im selben Zeitraum 17 Prozent verloren hat. In der Konsequenz fiel der Korrelationsindex zwischen Bitcoin und Gold nach Daten von CryptoQuant auf -0,9, was den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren bedeutet. Damals fiel die Krypto-Leitwährung vor dem Hintergrund des FTX-Kollaps auf rund 16.000 US-Dollar und markierte damit das finale Tief des berüchtigten Krypto-Winterjahres 2022.
Das widerlegt die These vom “Debasement-Trade” allerdings nicht. Es zeigt nur, dass Gold und Bitcoin beide von der kontinuierlichen Fiat-Entwertung profitieren können, ohne dass ihre Bewegungen stets parallel verlaufen. Hedgefonds-Manager Jordi Visser hatte bereits im Februar darauf hingewiesen, dass Bitcoin langfristig zu den größten Gewinnern einer durch KI beschleunigten Produktivität zählen könnte. Der entscheidende Unterschied liegt in der absoluten Knappheit. Während Gold und Silber bei hoher Nachfrage in größerer Menge gefördert werden könnten, ist Bitcoin dauerhaft auf 21 Millionen Einheiten begrenzt, wovon heute mehr als 95 Prozent im Umlauf sind.
Tokenisiertes Gold: Die Neuentdeckung eines “archaischen Relikts” im digitalen Zeitalter?
Der bekennende Edelmetallanhänger und Krypto-Skeptiker Peter Schiff lässt sich von der aktuellen Entwicklung aber nicht einschüchtern. Langfristig würde seiner Einschätzung nach selbst das Ende des Iran-Krieges die positiven Effekte für Gold nicht aufwiegen. Schließlich müsse das Weiße Haus weiterhin dafür aufkommen, die verbrauchten Waffen zu ersetzen und das wieder aufzubauen, was schon zerstört wurde. Die Folge: “Es wird zu höheren Defiziten und stärkerer Inflation kommen, als wenn der Krieg nie geführt worden wäre.”
Wer vor der militärischen Eskalation bei einem Goldpreis oberhalb der 5.000 US-Dollarmarke bullish für das Edelmetall war, sollte nun laut Schiff erst recht nachkaufen. Möglich ist das inzwischen längst nicht mehr nur über physische Barren und Münzen, die oft mit hohen Aufschlägen zum Spot-Preis verkauft werden. Neben den bekannten Gold ETCs wie Xetra Gold oder Euwax Gold II gibt es auch tokenisiertes Gold, das über die Blockchain kostengünstig und ganz ohne Abhängigkeit von traditionellen Börsenöffnungszeiten gehandelt werden kann.
Wenn ihr Bitcoin, Gold, oder beide Assets erwerben möchtet, findet ihr in Bitpanda eine sichere und einsteigerfreundliche Krypto-Plattform. Einfach registrieren und loslegen.
Einem Bitwise-Report zufolge müssen Anleger jedenfalls keine harte Entscheidung zwischen Bitcoin und Gold fällen, sondern können beide Wertspeicher im Rahmen eines diversifizierten Portfolios kombinieren. In der Analyse schnitt vor allem ein Portfolio gut ab, das 15 Prozent in beide Assets investiert, also je 7,5 Prozent in Gold und Bitcoin, während der Rest im klassischen 60/40-Mix bleibt. Gold wirkte dabei eher als ein Stabilisator in schwachen Marktphasen, Bitcoin dafür als ein Renditetreiber in Erholungsbewegungen.
Bitcoin steht in den Startlöchern
Schon nach dem Bärenmarkt von 2018 und dem Covid-Crash 2020 setzte Bitcoin deutlich kräftiger zur Erholung an als klassische Risikoanlagen. Da sie noch immer rund 40 Prozent unter ihrem Allzeithoch handelt, erscheint die Krypto-Leitwährung als Investment nun so attraktiv wie schon lange nicht mehr.
Der eingangs erwähnte Michaël van de Poppe betont zudem: “Wir befinden uns bereits seit 13 bis 14 Monaten in einem Bärenmarkt, und historisch gesehen hat Bitcoin zu diesem Zeitpunkt gegenüber Gold seinen Tiefpunkt erreicht.” Auch Gold wirkt nach dem Rücksetzer zwar attraktiver als noch vor einem Monat, aber die größere Aufholchance dürfte derzeit bei Bitcoin liegen.
Dass der Fear and Greed Index, der als wichtigstes Bitcoin-Stimmungsbarometer gilt, seit rund zwei Monaten im Bereich “extremer Angst” verharrt, könnte sich als weiterer bullisher Indikator erweisen. Neben der Volatilität berücksichtigt der Index auch Handelsvolumen, Markttrends sowie Daten aus sozialen Medien und Suchanfragen. Kurzfristig mögen viele Anleger weiterhin verunsichert bleiben, doch längere Angstperioden deuten oft den Boden eines Bitcoin-Crashs oder -Bärenmarktes an.
Wer sich von der extremen Angst nicht anstecken lässt, sondern einen ruhigen Kopf bewahrt, wird dafür langfristig mit überdurchschnittlichen Renditen belohnt. Am Ende gilt auch bei Bitcoin eine alte Börsenweisheit, die Carl Mayer von Rothschild zugeschrieben wird: “Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Violinen spielen.”

