Bitcoin – das neue Geld? Bitcoin: Die Entmaterialisierung des Geldes
David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Bitcoin Münze liegt auf Euro Scheinen

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“Software is eating the world” – “Software frisst die Welt” hatte bereits 2011 Marc Andreessen geschrieben, einer der es wissen muss. Jeder Lebensbereich wird digitalisiert. Wieso sollte dieser Trend beim Geld enden?

Dieser Artikel erschien zuerst im Kryptokompass 07/2021.


Marc Andreessen ist Tech-Spezialist. Zu den Investments, an denen “a16z”, wie Andreessen Horowitz auch genannt wird, beteiligt war, gehören unter anderem Facebook, Groupon, Skype und Twitter. Der Erfolg spricht für sich: Andreessen hat verstanden, wie Unternehmen im 21. Jahrhundert erfolgreich sein können: indem sie grundlegende Lebensbereiche digitalisieren. Facebook entmaterialisiert das Sozialleben, Google Maps die Straßenkarte und Amazon den Einzelhandel.

“Why Software is eating the world” kann zehn Jahre nach dem Erscheinen als Blaupause über das erfolgreichste Business-Modell im 21. Jahrhundert verstanden werden: Gründe ein Software-Unternehmen und der Expansion sind keine Grenzen mehr gesetzt. Es ist beileibe kein Zufall, dass neun der zehn wertvollsten Unternehmen Technologie-Giganten sind.

Der intrinsische Wert von Software

Für Marc Andreessen ist der Fall klar: Der intrinsische Wert von Softwareunternehmen liegt darin, dass Geschäftsmodelle nicht mehr örtlich begrenzt sind, sondern in Windeseile eine globale Zielgruppe erreichen können. Die einzige Variable von digitaler Distribution ist somit der Grad der Verbreitung von Internet-Anschlüssen und Endgeräten, die darauf zugreifen können. Und der steigt beständig: Laut Statista verfügten im Januar dieses Jahres 4,66 Milliarden Menschen weltweit über einen Zugang zum Internet, also knapp 70 Prozent.

Gegen einen “Total Addressable Market”, der potenziell jeden Menschen erreichen kann, hat der lokale Einzelhandel nicht den Hauch einer Chance. Folgerichtig ist Amazon – ein Softwareunternehmen – der größte Buchhändler der Welt. Und nicht nur das physische Buchgeschäft hat der Konzern entmaterialisiert. Auch das Buch selbst wird digital verfasst und in vielen Fällen nicht einmal mehr gedruckt. Landet es am Ende der Wertschöpfungskette auf dem Kindl, bleibt es gänzlich im digitalen Raum.

Eine besondere Bedeutung in Sachen Digitalisierung kommen Smartphones zu. Schließlich haben mobile Endgeräte gleich mehrere Gegenstände auf einmal entmaterialisiert: Kameras, Walkmans, Straßenkarten, Taschenrechner, Wecker und Co. gibt es nun als App auf dem Smartphone. Und dafür gibt es gute Gründe.

Denn dass Software immer weiter in jeden Lebensbereich vordringt, liegt nicht zuletzt an den massiven Effizienzvorteilen, die digitale Anwendungen gegenüber ihren physischen Pendants haben. Software muss nur einmal entwickelt werden; das Kopieren von Daten ist im Nachgang quasi umsonst und kann so an eine globale Zielgruppe ausgeliefert werden. So sinken auch die Kosten für die Anwenderinnen und Anwender. Marc Andreessen hatte recht: Software frisst die Welt.

Finanzsektor hinkt hinterher

Doch ein Sektor will sein anachronistisches Image nicht so recht loswerden: Die Rede ist von der Finanzwelt. Zwar wird hierzulande bereits heute ein Großteil der Finanztransaktionen elektronisch abgewickelt. Blickt man aber über den Tellerrand des globalen Nordens, etwa in Richtung Subsahara oder Lateinamerika, sieht es weniger rosig aus. Bargeld ist in großen Teilen der Welt immer noch Zahlungsmittel Nr. 1, die Rate an Bankkonten hingegen erschreckend gering. So schätzt die Weltbank, dass etwa 1,7 Milliarden Menschen weltweit zur “Unbanked Population” gehören, also nicht über ein Bankkonto verfügen.

Wer kein Bankkonto hat, muss Bargeld über Dienste wie Western Union und Co. in Empfang nehmen. Das ist aufwändig, unsicher und vor allem teuer. 

Dass das Versenden von Geld im 21. Jahrhundert nicht längst so einfach ist, wie das Verschicken von E-Mails, ist ein Armutszeugnis und geht nicht zuletzt auf fehlenden Wettbewerb zurück.


Konkurrenz zum traditionellen Geld

Doch Konkurrenz macht sich breit: Sie nennt sich Bitcoin. Die Kryptowährung Nr. 1 bringt alle Vorteile mit, die Software gegenüber der physischen Entsprechung hat: Sie ist schneller und sicherer als Bargelddienste – aber vor allem offen und dezentral. Alle können freiwillig am Bitcoin-Netzwerk teilnehmen; je mehr Anwendungen es gibt und je leichter der Einstieg ist, desto mehr werden Bitcoin nutzen.

Neben dem Effizienz- und Kostenvorteil, den das digitale Geld gegenüber physischen Geldscheinen hat, hat BTC ein ganz entscheidendes Marketingargument auf seiner Seite: Das Kurswachstum, auch bekannt als “Number go Up Technology” (NgU Technology). Denn selbst wenn es zu Währung noch nicht ganz reicht, als digitaler Wertspeicher ist BTC bereits heute bestens geeignet.

Gerade in Ländern wie Argentinien, Venezuela, der Türkei und dem Libanon ist das ein entscheidender Aspekt. Denn während Bitcoin gemessen in US-Dollar im Jahresvergleich schon rund 264 Prozent Wachstum hingelegt hat, sind es gemessen in Argentinischem Peso immerhin 393 Prozent.

In elfjährigem Bestehen stehen im Schnitt rund 200 Prozent Wachstum pro Jahr zu Buche. Mit einer gesamten Wertzunahme von mehreren Millionen Prozent seit seiner Genese ist Bitcoin damit das am besten performende Asset in der Geschichte der Menschheit.

Die Entmaterialisierung von Gold?

Die Entmaterialisierung von Gold ist aus Sicht von permabullishen Bitcoinern wie Michael Saylor also nur eine  Frage der Zeit. Im Podcast mit Stephan Livera sagt der MicroStrategy CEO:

“Ich komme zu dem Schluss, dass Kryptowährungen etwa 10 bis 100 Mal besser sind als Gold. […] Es ergibt einfach keinen Sinn, in Gold zu investieren. Gold als Wertaufbewahrungsmittel wird rational gesehen von Bitcoin aufgefressen werden.”

Was Michael Saylor hier mit “besser” umreißt lässt sich noch weiter konkretisieren. So lassen sich die Eigenschaften, die einen guten Wertspeicher ausmachen, auf einige Kernaspekte wie Knappheit, Übertragbarkeit, Teilbarkeit, Haltbarkeit, Erkennbarkeit herunterbrechen. In so gut wie allen Aspekten schlägt Bitcoin Gold um Längen. So ist BTC beispielsweise deutlich besser teilbar als Gold (wer will denn schon einen Kaffee mit Goldkrümeln bezahlen), es ist fälschungssicher – jeder mit einem Full Node kann Transaktionen und damit die “Echtheit” verifizieren. Auch ist es deutlich besser übertragbar, weil es sich eben um Daten handelt, die in Lichtgeschwindigkeit verschickt werden können. 

Bitcoin-Transaktion effizienter als die von Gold

Wer physisches Gold in großen Mengen über den Atlantik schicken will, muss dafür enorme Kosten in Kauf nehmen. Eine BTC-Transaktion ist indes nach nur einer Stunde in den digitalen Stein gemeißelt.

Einzig die Historie als etablierter Wertspeicher fehlt dem digitalen Gold; Bitcoin kann nicht auf eine Jahrtausende währende Geschichte als Geldform zurückblicken. Dass sich ein neues Geld nicht innerhalb von wenigen Jahren global durchsetzen kann, ist aber klar.

Ob und wann Bitcoin Gold vollständig vom Thron stoßen kann, ist nicht seriös abzuschätzen. Doch wenn jeder Lebensbereich im digitalen Raum abgebildet wird, wieso nicht auch das Geld?


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