New Coins on the Block – Agoras Tokens (AGRS)

Seit 2015 existiert das Agoras Token und führt bezüglich Marktkapital ein Schattendasein. Doch Agoras will nicht für immer ein OMNI bleiben, sondern eine eigene Distributed-Ledger-Lösung namens Tau-Chain implementieren. Lohnt es sich, diese Datenbanklösung weiter zu verfolgen?



Wie vor zwei Wochen angekündigt, möchten wir in der Reihe New Coins on the Block auch auf Zweitligisten und gegebenenfalls die Amateur- und Kreisligen der Kryptowährungen schauen. Schließlich könnte es sein, dass man unter diesen eher unbekannten Systemen Interessantes und Vielversprechendes findet. Wie auch schon im Fall von Bitcore geht es weder um Shilling noch um Kaufempfehlungen, sondern um einen im besten Sinne kritischen Blick auf die unterschiedlichen Technologien.

Agoras ist ein auf den ersten Blick recht unscheinbarer Token: Platz 138 auf Coinmarketcap liegt auf einer Seite, die ähnlich unbeachtet ist wie die zweite Seite von Google Suchergebnissen. Was als erstes auffällt ist, dass der Token auf der OMNÌ-Plattform läuft. OMNI ist an sich eine Plattform, welche für Token mit Handelszwecken wie Tether genutzt wird. Der eigentliche Crowdsale fand zuvor auf Counterparty statt, jedoch wurde im Februar 2015 eine Kooperation mit der Omni Foundation bekannt gegeben und die Token zogen auf die neue Plattform um.

Agoras Token fristete lange Zeit ein Schattendasein und konnte bis April 2017 ein Marktkapital von ungefähr vier Millionen Euro beanspruchen. Der Bull Run, der dann einsetzte, ging natürlich auch an Agoras Token nicht spurlos vorbei: Bis Ende November konnte ein Marktkapital von 12 Milliarden Euro erreicht werden, welches im Laufe der Jahresendrally verzehnfacht werden konnte. Aktuell bewegt es sich bei 80 Millionen Euro.

Agoras – ein intelligenter Marktplatz auf einer neuen Blockchain

Agoras selbst ist ein erstes Projekt, welches auf der noch in Entwicklung befindlichen Tau-Chain realisiert werden und die erste, zentrale Anwendung darstellen soll. Agoras soll zwar eine Kryptowährung sein, doch das System will deutlich mehr: Agoras hat zum Ziel, ein intelligenter Markt auf der Tau-Chain zu sein, über welche Rechenkapazitäten, programmiertechnische Dienstleistungen, aber auch Wissen beziehungsweise Consulting-Dienstleistungen erwerblich sein soll.

Weiterhin soll mithilfe von Agoras eine Internet Search Engine entwickelt werden, mit der man nicht nur Webinhalte ergoogeln, sondern auch komplexere Anfragen erstellen kann. Die Computational Knowledge Engine Wolfram Alpha kommt einem da in Erinnerung. Jedoch hat Agoras natürlich den Anspruch, ein entsprechendes Modell dezentral auf einer Blockchain zu realisieren.

Weitere Märkte sind geplant, so soll auch ein Derivatives Market auf Agoras-Basis entwickelt werden, mit dem gemäß dem Black-Scholes-Modell ein Hedge gegen Kursfluktuationen aufgebaut werden soll, sodass die Volatilität von Agora geringer ist.

Doch damit nicht genug: Innerhalb von Agoras sollen Algorithmen überprüfen können, ob beispielsweise eine Dienstleistung den angefragten Spezifikationen entspricht. Der Kunde braucht also nicht dem Developer zu trauen und umgekehrt – es existiert ein Beweis dafür, dass die Entwicklungsdienstleistung der Anfrage entspricht.

Diese Eigenschaften sollen insgesamt dazu führen, dass mit Agoras eine intelligente Economy geschaffen wird. Damit ist nicht einfach die Entwicklung von Trading-Algorithmen gemeint, sondern streng genommen ein komplett automatisiertes Business.

Tau-Chain – the Decentralized Knowledge Engine

Das sind eine Menge Ziele – da fragt man sich, wie diese erreicht werden sollen. Der Weg dorthin soll durch Tau-Chain beschritten werden. Tau-Chain ist deutlich mehr als eine Blockchain. Es soll eine Programmiersprache sein, dessen Ziel das formelle Speichern von Wissen ist. Die Blockchain ist ein zentraler Baustein im Gesamtkonzept: In einer dezentralen Umgebung wird erst durch die Blockchain, welche unter anderem synchronisierte Zeitstempel enthält, eine über ein dezentrales Netzwerk gültige Zeitabhängigkeit und Kausalität gewährleistet.

Ein wichtiges Ziel der zu entwickelnden Programmiersprache ist die Decidability – also der Gedanke, dass der Formalismus hinter Tau-Chain jede spezifische Frage auf Basis des in der Sprache zuvor formalisierten Wissens beantworten kann.

Die Blöcke der Tau-Chain enthalten dabei keine Transaktionen, sondern quasi das Netzwerk selbst beziehungsweise einen aktuellen Status desselben. Mit jedem Block kann deshalb die Definition des Netzwerks selbst geändert werden – ohne eine Hard Fork oder ähnlichem.

Neben der Blockchain ist der bewusste Ausschluss einer Turing-Vollständigkeit in Tau-Chain interessant. Laut dem Satz von Rice ist jede nicht-triviale Eigenschaft eines Computerprogramms nicht berechenbar. Demnach wird gefolgert, dass Turing-vollständige Sprachen logisch unvollständig seien.

Durch Verzicht auf Turing-Vollständigkeit und mit Inspiration vom Semantic Web sollen deutlich komplexere Smart Contracts nicht nur realisiert, sondern durch einen formellen Test auch bezüglich ihrer Form überprüft werden.

Ohad Asor – der Kopf hinter der Tau-Chain

Prinzipiell wurde die Tau-Chain von zwei Personen entwickelt. Während eine der Personen im White Paper jedoch nur unter dem Pseudonym HunterMinerCrafter bekannt ist, kann über den wichtigsten Kopf hinter dem Projekt mehr gesagt werden: Ohad Asor kommt aus Israel, hat einen Background in Informatik und Mathematik und kann auf Berufserfahrung bei Unternehmen wie GE Healthcare und HP zurückgreifen. Zusätzlich ist er einer der Peer Reviewer für Veröffentlichungen des IEEE im Bereich Machine Learning.

Vor Tau-Chain hat er ein weiteres Projekt namens Zennet gestartet, was einen Public Supercomputer zum Ziel hatte. Gewisse Parallelen zu Tau-Chain lassen sich nicht bestreiten, sodass man sagen kann, dass Tau-Chain die Zennet zugrunde liegende Plattform ist.

Insgesamt ist das Projekt interessant und weist genug Alleinstellungsmerkmale auf, dass man es nicht als ein Ethereum in Grün abkanzeln kann. Einige Punkte fallen negativ auf: Da ist zum einen die unansehnliche Webseite. Ein zweiter Punkt ist die recht unregelmäßige Aktivität beziehungsweise die Intransparenz: Der letzte Blogpost stammt vom 31. Dezember letzten Jahres und das letzte Update auf dem github von vor einem Monat. Ebenso ist nicht ersichtlich, wo sich das Projekt mit Bezug auf die 2016 veröffentlichte Roadmap genau befindet. Hier wären regelmäßige Updates, wie es sie bei anderen Projekten gibt, sinnvoll. Desweiteren gab es im Development Team zwischen Ohad und HunterMinerCrafter einen ziemlichen Streit, sodass es hier anscheinend zwei Projekte gibt, die beide Agoras Token unterstützen. Schließlich und vor allem stören die etwas übertrieben anspruchsvolle Claims. „Wir zielen darauf ab, Google zu ersetzen“ und „Sobald Tau-Chain am Start ist wird jede Firma, Nation oder Organisation, die nicht kooperiert, obsolet werden“ sind etwas gewagt, to say the very least.

Die Vision ist also sehr spannend, was die Umsetzung betrifft wird man das Projekt verfolgen müssen. Wer mehr erfahren will, sei auf die Webseite, auf ihren Telegram-Channel und das White Paper hingewiesen.

BTC-ECHO

Über Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp GieseDr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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