Benjamin Rickenbacher von Alethena: „Die ICO-Welt ist immer noch zu klein“

Benjamin Rickenbacher von Alethena: „Die ICO-Welt ist immer noch zu klein“

In den letzten Monaten sind ICO-Ratingagenturen wie Pilze aus dem Boden geschossen, ihre Vertrauenswürdigkeit ist allerdings alles andere als hoch. Zu sehr stehen ICO-Ratingagenturen im Verdacht, für entsprechend positive Ratings bezahlt worden zu sein. Die inflationäre Vergabe von 5-Sterne-Bewertungen für Projekte, die kaum Substanz bieten, schlägt sich negativ auf die Ratingbranche aus. Schade, denn glaubwürdige, objektive ICO-Ratings wären dringend nötig.

Um mehr über die Branche zu erfahren, haben wir uns mit Benjamin Rickenbacher, Chief Scientific Officer bei Alethena, getroffen. Alethena ist eine neue schweizerische ICO-Ratingagentur, die vorgibt, anders zu sein als ihre Konkurrenz. Wie es um ICO-Ratingagenturen bestellt ist und was dafür spricht, dass Alethena vertrauenswürdig ist, haben wir im Interview versucht, herauszufinden.

Warum sollte ich euren ICO-Ratings vertrauen? Durch welche Maßnahmen bringt ihr Glaubwürdigkeit in eure Ratings?

Alethena bietet ausschließlich Ratings an. Das heißt: Kein Consulting, kein Trading, kein Advisory, kein ICO as a Service. Zudem ist die Ratinggebühr vonseiten des Unternehmens fix festgelegt und öffentlich bekannt. Des Weiteren führen wir ein „fundamentals-based“ Rating durch. Das bedeutet, wir analysieren anhand einer sehr strikten Methodologie alle Aspekte, die unserer Ansicht nach für den Erfolg eines ICOs wichtig sind. Dabei verlassen wir uns nicht auf zufällige Meinungen aus der Crowd oder Follower-Zahlen, sondern auf Fakten wie White Paper, Businessplan, Produktspezifikation sowie vorhandene Prototypen und Code.

Macht das alles Sinn?

Nun fehlen oft die Daten, um eine ausführliche Analyse des jeweiligen Blockchain-Startups zu machen, sind daher ICO-Ratings gegenwärtig überhaupt sinnvoll?


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Wir basieren unsere Ratings auf Informationen, die wir direkt von den ICOs erhalten. Diese Informationen sind teilweise nicht zwingend öffentlich (z. B. Verträge, Patente etc.). Ein Startup wird selbstverständlich nicht dieselben Dokumente liefern können wie ein bestehendes Unternehmen. Fehlen allerdings aus unserer Sicht essentielle Informationen (z. B. Unklarheit im Bereich der Tokenverteilung, Verwendung der Mittel, technische Dokumentation), so wird dies vermerkt und führt relativ rasch zu einem tieferen Rating.

Welche Kriterien gewichtet ihr am stärksten, um Blockchain-Startups zu bewerten?

Das hängt ganz vom Typ des Projektes ab. Bei einem Token Offering kommt es vor allem auf den Business Case an. Wird eine vollständige neue Chain entwickelt, so liegt das Hauptaugenmerk auf dem Netzwerk selbst, also in der technischen Dimension. In beiden Fällen kommt hinzu, dass das rechtliche Setup angemessen transparent sein muss.

Nun hat China eine staatliche Ratingagentur für Kryptowährungen ins Leben gerufen. Was ist deine Meinung dazu?

Dass der chinesische Staat auf diesen Zug aufspringt, zeigt, welch enormes Marktpotenzial wie auch Notwendigkeit für Ratings besteht. Basierend auf dem Mitte Mai veröffentlichten Report wurden insgesamt 28 Kryptowährungen durch Experten hinsichtlich Technologie, Anwendung und Innovation beurteilt. Unsere Methodologie hebt sich insofern ab, dass wir nicht nur Kryptowährungen sondern ganzheitlich Unternehmen bewerten können, die Blockchain-Assets wie Equity Tokens, Bond Tokens etc. emittieren. Zusätzlich stellt sich bei Ratings durch Experten natürlich auch immer die Frage, ob ein Rating wirklich objektiv, unabhängig und transparent durchgeführt wurde.

Was ist mit den etablierten Ratingagenturen?

Könntest du dir vorstellen, dass zukünftig auch die drei großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings ICOs und Kryptowährungen bewerten werden?

Auszuschließen ist dies natürlich nicht. Zurzeit ist ein Markteintritt einer akkreditierten Ratingagentur allerdings sehr unwahrscheinlich. Dies hat zwei Gründe. Erstens basieren diese Ratings zum überwiegenden Teil auf Finanzdaten; ohne durchgehende Finanzzahlen über mehrere Jahre hinweg lässt sich der typische Credit-Rating-Ansatz nicht anwenden. Für Startups ist dies natürlich so gut wie nie der Fall. Zweitens ist die ICO-Welt zurzeit immer noch zu klein, sodass sich das Risiko für eine etablierte Ratingagentur noch nicht auszahlen würde.

BTC-ECHO

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