Interview mit Bitbond-CEO Radoslav Albrecht: “Wir streben an unser Darlehensvolumen in 2018 zu verzehnfachen.”

Interview mit Bitbond-CEO Radoslav Albrecht: “Wir streben an unser Darlehensvolumen in 2018 zu verzehnfachen.”

Die meisten Blockchain-Unternehmen sind erst in den letzten Monaten gegründet worden und stecken nun in ICO-Vorbereitungen – nicht so Bitbond. Das Berliner Bitcoin-Startup gibt es bereits seit 2013 und auch ohne ICO befindet sich die globale Darlehensvermittlung auf Wachstumskurs. Bitbond verfügt über eine BaFin-Lizenz und kann somit vollumfänglich ein globales Kreditgeschäft betreiben. Das Peer-to-Peer-Lending-Network ermöglicht eine direkte Transaktionsabwicklung zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber via Bitcoin. Insbesondere Kleinunternehmer in Schwellenländern können, auch ohne ein reguläres Bankkonto, Kredite in Anspruch nehmen – ganz dem übergeordneten Blockchain-Narrativ banking the unbanked. Was sich alles in letzter Zeit bei Bitbond getan hat und wie die Zukunft von Bitcoin aussieht haben wir den CEO Radoslav Albrecht im persönlichen Interview gefragt:

Was hat sich seit unserem letzten Interview (2016) bei Bitbond alles getan?

Es gab zwei wesentliche Veränderungen: Wir haben Ende 2016 unsere BaFin-Lizenz als Anlagevermittler erhalten und daraus resultierend konnten wir im ersten Quartal 2017 institutionelle Anleger als Kreditgeber gewinnen. Dies ist eine signifikante Veränderung, da wir dadurch eine schnellere Finanzierung der Kreditanfragen gewährleisten können. Die Finanzierung der Kredite durch die eben genannten institutionellen Anleger, machen mittlerweile 80 % der gesamten Finanzierungen auf Bitbond aus. Zusammenfassend kann man sagen, dass uns die Zusammenarbeit mit institutionellen Anlegern seit 2017 ein enormes Wachstum verschafft hat.

Die Krypto-Märkte sind aktuell extrem volatil. Wie wirkt sich das Marktumfeld respektive der Bitcoin-Kurs auf euer Geschäftsmodell aus?

Es gibt keine unmittelbare Auswirkung, da wir Bitcoin lediglich zum Zahlungstransfer nutzen. Bitcoins werden nur für einen sehr kurzen Zeitraum gehalten, womit wir das Wechselkursrisiko mehr oder weniger eliminieren können. Es gibt aber eine indirekte Auswirkung, nämlich die Erhöhung der Transaktionsgebühren. Diese macht uns zu schaffen, hält sich allerdings noch in Grenzen. Wir schauen uns dennoch nach Alternativen um, wie wir Bitcoin effizienter nutzen können, um die Kosten überschaubar zu halten.

Ihr seid in Besitz einer BaFin-Lizenz. Hat sich die Einstellung der BaFin und anderer Regulierungsbehörden eurer Meinung nach gegenüber Krypto-Finanzdienstleistern in den letzten Jahren geändert? Was glaubt ihr, können wir von der BaFin in 2018 noch erwarten?

Eine Entwicklung ist, dass die BaFin zunehmend professioneller wird und sich mehr Wissen angeeignet hat. Inzwischen verfügt die BaFin über mehrere Mitarbeiter, die sich mit Blockchain und FinTech beschäftigen. Ich vermute, dass dies für zukünftige Lizenzanträge aus dem Blockchain-Bereich eine kürzere Bearbeitungszeit zur Folge haben wird. Unser Lizenzantrag hat damals drei Jahre gedauert. Ich glaube, wenn wir heute am selben Punkt wären wie 2013, dann würden wir nur ein Jahr brauchen. Von dem, was ich mitbekomme, verhält es sich bei anderen Regulierungsbehörden ähnlich, dass sie mehr Wissen ansammeln und professioneller im Umgang mit Blockchain-Unternehmen werden. Dies hat sich auch in der Anhörung vor dem US-Kongress gezeigt, wo es durchaus wohlwollende Stimmen hinsichtlich Blockchain und Krytptowährungen gab. In 2018 erwarten wir, ohne zu starke Mutmaßungen anstellen zu wollen, dass sich die BaFin mehr auf die Bedürfnisse der kleineren und agileren Unternehmen einstellen wird.

Was macht euch gegenwärtig am meisten zu schaffen? Was sind die größten Herausforderungen für euch?

Unser wichtigstes Ziel ist es, zu wachsen, dementsprechend macht uns alles zu schaffen, was dieses Ziel verlangsamt. Es gibt keine ernsthaften Probleme, allerdings ist es stets ein Dreiklang aus Fundraising, um unsere Kapazitäten erweitern zu können, Fundraising auf der Fremdkapitalseite, um mehr Kredite finanzieren zu können und das Recruiting bzw. die Suche nach den richtigen Leuten. Das sind ganz normale operative Prozesse. Ich sehe sehr positiv in die Zukunft. Es freut mich, dass sich immer mehr Menschen für die Thematik Kryptowährungen und Blockchain interessieren und sich die Technologien auf dem Gebiet weiterentwickeln und verlässlicher werden. Insgesamt finde ich, ist die Industrie auf einen guten Weg.

Aus welchen drei Ländern stammen die meisten Kunden von Bitbond und in welcher Branche sind diese beheimatet?

Im Moment sind die drei größten Länder für uns Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Die Darlehensnehmer stammen in erster Linie aus dem E-Commerce-Bereich, also vor allem Ebay- oder Amazon-Händler. Eine andere große Zielgruppe von uns sind Restaurants, die eine Finanzierung brauchen. Wir wachsen allerdings auch sehr stark in Kenia, weshalb dieser Markt bald zum dritt-oder viertstärksten Markt für uns werden könnte.

Welche Erwartungshaltung habt ihr an die Bitcoin-Skalierung durch das Lightning Network?

Wir haben Lightning noch nicht selber getestet, hoffen aber, dass es funktionieren wird. Es wäre zum Beispiel vorteilhaft, wenn wir einen Lightning-Channel mit Börsenpartnern aufsetzen könnten, um somit unsere Transaktionen schneller und günstiger abzuwickeln.

Welche Ziele habt ihr für 2018? 

Wir haben 2017 unser monatliches Darlehensvolumen verzehnfacht, dies möchten wir auch dieses Jahr schaffen. Ein komplementäres Ziel, um dahin zu kommen, ist es weitere Partnerschaften einzugehen. In Afrika haben wir eine Partnerschaft mit Jumia erreicht, dies ist der Größte E-Commerce Marktplatz Afrikas, quasi das Amazon Afrikas. Wir möchten gerne weitere, solcher Partnerschaften aufsetzen.

Danke für das Interview!

BTC-ECHO

Über Sven Wagenknecht

Sven WagenknechtSven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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