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Distributed Ledger Technology: Was steckt dahinter?

Wie anderswo schon berichtet und kommentiert hat sich der wissenschaftliche Beirat der britischen Regierung dem Thema distributed Ledger und Blockchain angenommen und hierzu einen Bericht verfasst. Dieser ist offen einsehbar. Hier wird ein grober Überblick über das Dokument präsentiert und einige Punkte, die interessant sind, dargestellt.

Eine Regierung, die sich zu Bitcoin äußert? Viele in der Community waren nach dem Lesen einiger Kommentare zu besagtem Dokument nicht gerade begeistert und erwarteten doch das übliche “Bitcoin ist Schwachsinn, die Blockchain ist grandios”-Gerede. Wenn man sich mit der Primärquelle beschäftigt, ist man durchaus überrascht; Bitcoin wird im Dokument oft als Beispiel für Distributed Ledger-Applikationen (im Artikel wird die Blockchain allgemeiner als distributed Ledger bezeichnet) erwähnt und auch nicht immer negativ bewertet. Es werden jedoch auch weitere Anwendungen (Stichwort smart contracts) erwähnt und natürlich wird die Rolle der Regierung in dieser Technologie betrachtet.

Distributed Ledger Technology – beyond Blockchain ist ein Dokument, was aus sieben Teilen besteht. Dabei werden die Vision und die Technologie hinter Blockchain betrachtet, es wird über Governance diskutiert und Sicherheitsfragen werden betrachtet. Des weiteren wird das disruptive Potential, Anwendungsmöglichkeiten für die Regierung und schließlich mögliche Perspektiven für eine globale Nutzung erwogen. Man sieht: Eine durchaus universelle Betrachtung des Phänomen Blockchain . Zusätzlich werden unter anderem folgende Fallstudien zu schon existierenden Anwendungen (bzw weit fortgeschrittenen Betaversionen) der Blockchain präsentiert:

  • Everledger, ein System, in dem Diamanten ein Zertifikat erhalten – wenn man so will, eine Art onename für Klunker. Damit wäre der Weg eines jeden geschürften Diamanten bis zum Ursprung zurückverfolgbar. Man will hier auch smart contracts nutzen, um die Konditionen eines Diamantentransports und -verkaufs zu automatisieren.
  • SETL will eine Blockchain-basiertes Infrastruktur sein, die den Kredit-, Anlagen- und Wertpapierhandel vereinfacht. SETL verspricht dabei bis zu einer Miliarde Transaktionen pro Tag, was durchaus für Bitcoin interessant wäre. 
  • Estland setzt für verschiedene Projekte (Finanztransaktionen, eine Blockchain-basierte Investing-Plattform zur Unterstützung von Startups und die Verwendung einer Public Key Infrastructure, dh einem public ledger, in dem Daten der Bürger hinterlegt sind und über die diese wählen, ihre Bankgeschäfte erledigen, die Steuererklärung ausfüllen, die Schulleistungen ihrer Kinder betrachten oder ihren letzten Willen ablegen.

Smart contracts und permissioned Ledger stehen im Fokus

Man merkt dem Dokument an, daß ein großer Trend die smart contracts sind. Desweiteren ist der Fokus des Berichtes weniger auf Währungen, sondern auf anderen Anwendungsgebieten, speziell in Bereichen, die für eine Regierung wichtig sind. Es wird dargestellt, daß die Struktur der Blockchain, da sie dezentral abgelegt ist, Datenverlust schier unmöglich macht und auch Attacken auf das System schwierig werden. Dadurch ist laut den Autoren dieses Berichts die Blockchain sehr gut geeignet, um automatisierte Steuerzahlungen, das Verteilen von Geldern, Dokumentensicherung oder eine lückenlose Wertschöpfungskette zu garantieren. Natürlich wird betont, daß für die meisten Anwendungen ein sogenanntes permissioned Ledger (dh eine Blockchain, die zentralisiert gesteuert wird) zu präferieren wäre, damit eine Regierung weiterhin Kontrolle darüber haben würde. Man betont, daß ein Gesetzesapparat und eine algorithmische Steuerung von Prozessen in der Blockchain sich gegenseitig positiv beeinflussen müsse. Diesbezüglich wird auch die schärfste Kritik an Bitcoin laut: Zwar ist Bitcoin ein dezentrales System, die Governance selbst ist jedoch laut den Autoren in den Händen einer kleinen Gruppe von Developern bzw der großen Mining Pools. 

Insgesamt ist das Dokument trotz der Favorisierung einer semi-zentralisierten Blockchain und der oben genannten Kritik überraschend “pro-Bitcoin”. Es wird zwar auch auf die Silk Road und ähnliche illegale Marktplätze hingewiesen, aber man merkt dem Dokument an, daß es noch vor Mike Hearns Artikel verfasst wurde. Der Bericht stellt eine gute Werkschau an Möglichkeiten dar und zeigt auf, was man alles mit der Blockchain erreichen könnte. Es ist weniger ein technisches Dokument für Insider als etwas für Neulinge – oder eine Broschüre, die man Skeptikern in die Hand drücken kann.

BTC-Echo

Image Source: Fotolia

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