Metcalfe und die Zukunft von Bitcoin

Mit Hilfe einer Formel von Robert Metcalfe will Tom Lee eine Möglichkeit gefunden haben, um die Preisschwankungen von Bitcoin zu erklären. Er vergleicht Bitcoin mit einem sozialen Netzwerk, dessen Wert mit der Anzahl der Nutzer steigt.

Die Rechenmethode basiert auf der Formel von Metcalfe, die besagt, dass der Nutzen eines Kommunikationsnetzwerkes proportional zur Wurzel der Anzahl der Teilnehmer eines Netzwerkes bzw. der Anzahl der möglichen Verbindungen zwischen den Teilnehmern wächst.

Bisher wurde Bitcoin mit einem Preis oberhalb der Formel gehandelt. FundStrat ist in seinen Analysen optimistisch, hielt aber eine Kurskorrektur, wie sie derzeit stattzufinden scheint, für realistisch.

“Wenn man eine sehr einfache Formel anwendet, mit der man den Nutzen von Bitcoin als Quadratfunktion der Anzahl der Teilnemer und dem durchschnittlichen Transaktionswert errechnet, kann man 94 % der Bewegungen bei Bitcoin innerhalb der letzten 4 Jahre erklären”,

Tom Lee, der Mitbegründer von FundStrat, ein Forschungsintitut in Finanzfragen in einem Interview mit Businessinsider.

Mit Metcalfe zu 94 % Genauigkeit

Als Anwendungsbeispiel für Metcalfes Gesetz lässt sich ein Faxgerät nehmen. Wenn nur ein Mensch auf der Erde eines besitzen würde, wäre es recht wert- und vor allem nutzlos. Die Faxe, die dieser Mensch an sich schicken würde, hätten vermutlich selbst für ihn nur bedingten Wert. Je mehr Menschen jedoch ein Faxgerät besitzen, desto wertvoller werden diese.

Dieses Gesetz lässt sich hervorragend auf soziale Netzwerke übertragen. Facebook ist nicht unbedingt so wertvoll, weil es technisch herausragend oder innovativ ist. Der Hauptwert und -Nutzen von Facebook liegt darin, dass es so viele Menschen verwenden. Es gilt also Metcalfes Gesetz: Der Nutzen eines Netzwerkes ist proportional zur Wurzel der Anzahl seiner Teilnehmer. Der Wert in Bezug auf den Nutzen steigt also mit der Anzahl der Teilnehmer an:

“Wenn man die Anzahl der Teilnehmer verdoppelt, erhöht man den Nutzen um ein Vielfaches, nicht nur um die Hälfte.”

Lee sagt, das Gesetz ließe sich auch auf Bitcoin anwenden. FundStrat hat sich das Netzwerk näher angeschaut und herausgefunden, dass die Wurzelfunktion der eindeutig zuweisbaren Adressen als Indikator für Nutzer 63 % der Schwankungen des Bitcoinpreises seit 2013 erklären können.

“Aus bisheriger Sicht spricht alles dafür, dass Bitcoin sehr einem sozialen Netzwerk gleicht. Je mehr Aktivität stattfindet, desto mehr steigt der Wert. Und auf kurze Sicht denken wir, dass Bitcoin wenigstens die 6.000-Dollar-Marke Mitte 2018 knackt.”

Danach sollte eine Kurskorrektur stattfinden. Das sagte er im Oktober.

Nachdem Metcalfes Gesetz nur 63 % der Schwankungen erklären konnte, haben sie das bereits beschriebene Modell um das Transaktionsvolumen als Faktor ergänzt. Die Genauigkeit stieg auf 83%

Schließlich hat FundStrat eine Formel entwickelt, indem sie den Bitcoinpreis sowohl mit der Wurzel der eindeutigen Adressen als auch dem Transaktionvolumen pro User gegenrechnet. Dieses Modell erklärt tatsächlich 94 % der Preisschwankungen seit 2013.

Das Metcalfesche Gesetz und die Zukunft von Bitcoin

FundStrat kann diese Formel schließlich verwenden, um den zukünftigen Wert von Bitcoin zu schätzen. Man benötigt eine Schätzung der Anzahl an eindeutigen Adressen (bzw. deren Wurzel) und eine Schätzung der Transaktionen pro Tag. Lee kommt zu dem Schluss:

“Der Trend von Bitcoin ist auf lange Sicht positiv. Aber auf kurze Sicht scheint der Kurs limitiert zu sein, das Risiko einer Kurskorrektur scheint zu wachsen.”

Die aktuellen Kursschwankungen scheinen Lee bisher recht zu geben.

Wie geht es weiter?

Nach diesem Gesetz müssten also mehr und mehr Teilnehmer die Kryptowährung für sich entdecken, um den Preis weiter ansteigen zu lassen. Lee zeigt Parallelen zwischen Bitcoin und Gold auf. Er geht davon aus, dass Bitcoin das digitale Gold der künftigen Generation sein wird. Mit vorsichtigsten Schätzungen prophezeit er dahingehend einen Preis von 25.000 US-Dollar pro Bitcoin.

Der Preis könne letztlich auch extremen Schwankungen unterliegen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Investoren die Kryptowährung für sich entdecken. Da sie auf einmal eine große Menge Geld in den Kreislauf pumpen können, kann der insgesamte Wert kurzzeitig stark anschwellen. Das liegt daran, dass sie in diesem Sinne trotzdem als ein einziger Nutzer gelten, obwohl sie eine große Menge an Menschen repräsentieren. Deshalb kann es nach einem hohen Preisanstieg immer wieder zu Korrekturen kommen. Ob die Zukunft Tom Lee recht geben wird, wird sich zeigen. Es bleibt spannend.

BTC-ECHO

Über Phillip Horch

Phillip HorchPhillip Horch hat im Oktober 2017 sein Masterstudium in Literatur-Kunst-Medien an der Uni Konstanz abgeschlossen und arbeitet seitdem als freier Journalist. Bereits während seinem Studium hat er für verschiedene Magazine geschrieben und fasst nun in Berlin Fuß. Im Fokus seines journalistischen Schaffens stehen vor allem die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung, sodass er sich seit einiger Zeit auch mit dem Themenkomplex Blockchain und Kryptowährungen befasst.

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