Die John-McAfee-Story: Wie man durch Paranoia zum Millionär wird

Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Phillip Horch

Phillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er ist Diplom-Journalist und hat einen Master-Abschluss in Literatur-Kunst-Medien.

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Quelle: Shutterstock

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John McAfee sagte voraus, dass der Bitcoin-Kurs im Jahr 2020 bei einer Million US-Dollar liegen wird. Auf Twitter wettert er unentwegt gegen HitBTC und hört selbst im Krankenhaus nicht auf, ausgewählte ICOs zu bewerben. Doch wer ist er, dieser selbst ernannte „Gott der Cybersecurity“? Ein kleiner Blick in das wundersame Leben des John McAfee: Wie man durch Paranoia zum Millionär wird.

Im Jahr 1987, kurz nachdem sich der vermeintlich erste Computervirus „Brain“ verbreitet hatte, fuhr ein selbsternannter „Computer-Doktor“ in einem Wohnwagen durch die USA. Er reparierte infizierte PCs, sein Unternehmen hieß „McAfee Anti-Virus Paramedic Unit“. Auf Abruf konnte man den Computer-Sanitäter bestellen und sich obendrein ein Programm installieren lassen – es nannte sich VirusScan. Der Mann, der den Wohnwagen fuhr und für die Sicherheit der Menschen sorgte, sagte einst:

„Man kann niemandem trauen. Das hat nichts mit Zynismus zu tun. Ich vertraue darauf, dass Menschen Menschen sind und eigennützig handeln. Wenn man das versteht, kann man es nutzen.“

Und das tat John McAfee in allen erdenklichen Varianten. Noch bevor er zum fahrenden Computer-Doktor wurde, verdiente er sein Geld mit falschen Zeitschriftenabos. Danach bewarb er sich mit gefälschten Zeugnissen bei Missouri Pacific Railroad. Dort war er dann für die Optimierung von Zuglinien zuständig. Und experimentierte nebenbei – weniger erfolgreich – mit LSD und DMT. So lange, bis er flüchten musste:

„Die Menschen stellten ihm Fragen, aber er verstand nicht, was sie sagten. Der Computer spuckte Zugfahrpläne ohne Ende aus, für ihn machte das alles keinen Sinn. Er endete dann hinter einer Mülltone in Downtown St. Louis, hörte Stimmen und hoffte, dass ihn keiner ansieht. Er ging nie zurück zu Missouri Pacific. Ein Teil von ihm denkt, dass er immer noch auf diesem Trip ist. Dass alles seitdem eine riesige Halluzination ist und er eines Tages aufwacht. Immer noch auf seiner Couch in St. Louis mit Pink Floyds Dark Side of the Moon im Ohr.“

Durch Paranoia zum Millionär

Es war der blanke Verfolgungswahn, der ihn aus St. Louis ins Silicon Valley trieb. Doch das Misstrauen, das irgendwann in Paranoia umschlug, war in McAfee tief verankert. Bereits zum Elternhaus fehlte dem jungen John Vertrauen: Sein Vater war Alkoholiker, der sich das Leben nahm, als John 15 Jahre alt war – eine Story, die McAfee immer wieder erwähnt. Sein Misstrauen war es aber auch, das ihm Reichtum bescherte – denn mit der Computer-Revolution in den 80er-Jahren kamen auch die Viren. Und damit auch McAfees Erfolg. Das AntiViren-Programm, das er nach eigenen Aussagen in 1,5 Stunden programmiert haben soll, machte ihn zum Millionär. Die dazugehörige Firma soll er für 100 Millionen US-Dollar verkauft haben. In einem Interview mit ABC-News sagte er, dass die 100 Millionen US-Dollar noch untertrieben waren:

„Wie viel hast du denn wirklich verdient?“ – „Sehr viel mehr.“ – „Was hast du mit dem Geld gemacht?“ „Ich habe es verschwendet. So wie es jeder tut.“


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Neun Häuser hat er mit dem Geld gebaut, mit Kunstwerken angefüllt, einen Fuhrpark antiker Autos angehäuft und als „New-Age-Guru“ ein Yoga-Retreat in Colorado geführt. Im Zuge der Finanzkrise soll er jedoch einen Großteil seines Vermögens verloren haben.

Die Flucht nach Belize

Danach zog es ihn nach Belize – einem Staat in Zentralamerika, der bekannt dafür ist, dass Verbrechen selten bis nie aufgeklärt werden. Stimmt alles, was in der Netflix-Produktion „Gringo“ erzählt wird, wurde McAfees Leben dort noch turbulenter. Offiziell baute er dort ein Labor, um ein natürliches Antibiotikum herzustellen. Inoffiziell ist das Bild sehr viel düsterer, das „Gringo“ von ihm zeichnet. Eine Crystal-Meth-Küche soll er dort betrieben haben und Hitmen beschäftigt haben, um diese zu schützen. Die Mikrobiologin, die dort kurzzeitig angestellt war, soll er vergewaltigt haben. Obendrein soll er noch für den Tod seines Nachbarn verantwortlich sein. Weil dieser seine Hunde vergiftet haben soll.

Als er später in eine Polizeikontrolle geriet (weil er unter sichtbarem Einfluss von Xanax Auto fuhr), sagte er sinngemäß:

„Ich bin der Typ, der in Belize wegen Mordes angeklagt wurde. Dann bin ich nach Guatemala abgehauen und nach Amerika geflüchtet, wo ich drei Jahre gelebt habe. Das FBI sucht nach mir. […] Ich bin so etwas wie der Gott der Cybersecurity.“

Dieser paranoide Gott der Cybersecurity lag im Juni 2018 für einige Zeit im Krankenhaus. Offenbar wurde auf ihn ein Giftanschlag verübt – seine Gegner waren aber „zu inkompetent“:

Vom Security-Gott zum US-Präsident?

Diese Gelegenheit nutzte McAfee umgehend, um sein aktuelles Projekt zu bewerben – nur dank Docademic hätte er rechtzeitig medizinische Versorgung erhalten. Doch das ist nicht das einzige Projekt, mit dem sich der Gott der Cybersecurity momentan befasst. Mit Cryptoslate kämpft er für eine bessere Welt und gibt an, die sicherste Wallet der Welt entwickelt zu haben. Außerdem hat John McAfee vor, eine eigene Fiatwährung herauszugeben. Obendrein will er im Jahr 2020 Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Bis dahin sollte der Bitcoin-Kurs auch bei 1.000.000 US-Dollar stehen. Sonst wird die erste Amtshandlung als Präsident eher unappetitlich.

BTC-ECHO


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