Chia: Neuer Ökocoin als Bitcoinersatz

Chia: Neuer Ökocoin als Bitcoinersatz

Der Entwickler von BitTorrent will eine umweltfreundliche Kryptowährung namens Chia entwickeln. Damit will er dem steigenden Stromverbrauch beim Minen von Bitcoins mit einer Mischung aus Proof of Time and Proof of Space entgegentreten.



Das Minen von Kryptowährungen, insbesondere Bitcoin, wird immer wieder für seinen hohen Energieverbrauch kritisiert. Die Rechnung ist einfach herunterzubrechen: Mehr Energie, mehr Rechenleistung, mehr Bitcoin. Das führt zu einer erhöhten Umweltbelastung. Chia soll dem Ganzen als Ersatz für Bitcoin & Co. entgegenwirken.

Bitcoin, der Stromfresser

Bitcoin ist nicht gerade der Star am Öko-Himmel. Schätzungen zufolge sei es beim aktuellen Kurs für Miner profitabel, über 24 Terrawatt Stunden an Elektrizität im Jahr zu verbrauchen – ungefähr so viel wie Nigeria in einem Jahr mit seinen 186 Millionen Einwohnern im Jahr verbraucht.

Die aktuellen Strompreise bringen es dahingehend auch mit sich, dass das Minen verständlicherweise in Regionen stattfindet, in denen die Kosten gering sind. So gibt es zum Beispiel eine auf Kohlekraft beruhende Mine in der Mongolei, die sehr viel Strom frisst.

Zusätzlich produziert sie mindestens bis zu 24.000 Kilogramm CO2 pro Stunde. Das ist ungefähr so viel, wie 203.000 Kilometer mit dem Auto zu fahren. Rechnet man all das schließlich auf das „Endprodukt“, die tatsächliche Transaktion von Bitcoins, herunter, landet man bei 215 Kilowattstunden Strom pro Transaktion.

Das ist in etwa so viel, wie man in einem Jahr verbraucht, wenn pro Tag für vier Stunden ein Flachbildfernseher läuft, oder man sich die Haare mit 3,7 Föns für jeweils 5 Minuten am Tag trocknet.

Chia soll der bessere Bitcoin werden

Nun hat der Erfinder von BitTorrent, Bram Cohen, ein Unternehmen gegründet, das sich diesem Problem nähern will, das Chia Network.

Statt dem bei Bitcoin bewährten Proof-of-Work-Verfahren zur Validierung der Rechenblöcke wendet man beim Minen (das jetzt Farmen heißt!) von Chia die Methoden des Proof of Time und Proof of Space an. Beim Farmen werden dann Daten auf die Computer der Miner ausgelagert.

Der unbenutzte Speicherplatz auf den Rechnern der Farmer macht es dann möglich, die jeweiligen Prozesse zu verifizieren. Die Farmer der neuen Kryptowährung müssen dann beweisen, dass sie den Speicherplatz genutzt haben, um neue Blöcke zu prägen.

Im Austausch bekommen die Farmer dann Belohnungen und Transaktionsgebühren für alle Transaktionen, an denen sie teilhaben. Durch die Verwendung von Speicherplatz statt Rechenleistung zur Validierung wird massiv Strom gespart – ein unbestreitbarer Vorteil gegenüber Bitcoin.

Chia lost in Time & Space

Der Proof of Space ist dem Proof of Work sehr ähnlich. Lediglich wird beim Proof-of-Space-Verfahren nicht die CPU-Leistung, sondern die Speicherkapazitäten der Nutzer in Anspruch genommen.

Der Proof-of-Time-Beweis, oder auch „Verifiable Delay Algorithm“, ist eine Abwandlung des Proof of Work, bei dem eine bestimmte Anzahl an Durchläufen von vornherein feststeht. Die Verifikation läuft schließlich darüber, dass jeweils zwei Farmer, die die Kalkulation durchführen, zum selben Ergebnis kommen. Der Verifikationsprozess versichert schließlich, dass der Output nicht modifiziert worden ist.

Die Zusammenführung der beiden Verfahren soll bei Chia zum Einsatz kommen. Bei jedem neuen Block verteilen Full Nodes die drei gewichtigsten Datenblöcke an die Farmer, bei denen sogleich das Proof-of-Space-Verfahren einsetzt. Danach beginnen die Server mit der Validierung und der Erstellung des neuen Blocks. Jeder dieser Blocks beginnt mit einem Proof of Space und endet mit einem Proof of Time. Die Speicherkapazitäten werden nach der Erstellung des Blocks dann wieder frei, können formatiert und wieder benutzt werden. Diese Tatsache gestaltet das Ganze ökonomischer und ökologischer.

Die ersten Probecoins von Chia kann man im zweiten Viertel 2018 erwerben. Der endültige Launch der Öko-Coins ist für Ende 2018 geplant.

Nachtrag vom 13.11.2017: Wie sich herausstellte, ist Chia keinesfalls der erste Öko-Coin auf dem Markt, Burstcoin ist bereits aktiv. Danke an unsere Community für den Hinweis!

BTC-ECHO

 

Über Phillip Horch

Phillip HorchPhillip Horch hat im Oktober 2017 sein Masterstudium in Literatur-Kunst-Medien an der Uni Konstanz abgeschlossen. Bereits während des Studiums arbeitete er bei diversen Redaktionen und ist nun Redakteur bei BTC-ECHO. Im Fokus seiner Arbeit steht das disruptive sozio-ökonomische Potenzial der Blockchain-Technologie.

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