Bitcoin und der Lindy-Effekt: Was lange währt, wird endlich gut

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

Bitcoin-Münze, darunter ein Gummiband, das in Form des Undendlichkeitzeichens gelegt ist

Quelle: Shutterstock

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Die Lebenserwartung einer Technologie steigt proportional mit ihrer Lebensdauer. Das besagt der unter Bitcoinern beliebte Lindy-Effekt. Was von dem Konzept zu halten ist.

Die Konzepte und Ideen, die Bitcoins Akzeptanzkurve prägen, sind nicht immer einfach zu verstehen. Bitcoin ist eine neuartige Technologie, für die es keine Analoga aus der Vergangenheit gibt. Entsprechend unverständlich wirkt der Aufstieg des ersten dezentralen, voll digitalen Geldes in der Geschichte der Menschheit auf Zuschauer am Seitenrand.

Was ist der Lindy-Effekt?


Eines dieser Konzepte ist der Lindy-Effekt. Im Kern ist die Idee recht simpel. Demnach steigt die Lebenserwartung nicht verderblicher Dinge wie Technologien mit der Dauer ihrer Existenz. Jede zusätzliche Zeitperiode, die eine Technologie meistert, impliziert eine längere Lebenserwartung.

Die Idee stammt ursprünglich von US-Autor Albert Goldman, der in den 1960er die Wahrscheinlichkeit von Comedy-Auftritten im New Yorker Restaurant Lindy’s (daher der Name) an die Häufigkeit vorangegangener Gigs geknüpft hatte. Je häufiger die Auftritte, desto wahrscheinlicher ein Fortlaufen der Komikerkarriere in der Zukunft.

So richtig in Schwung kam das Konzept aber erst, als Mathematiker Benoit Mandelbrot den „Lindy-Effekt“ in seinem 1982 erschienenen Buch  The Fractal Geometry of Nature beschrieb. Demnach ist die zukünftige Lebenserwartung proportional zu seiner Vergangenheit. Wenn ein bestimmtes Buch also 40 Jahre lang gedruckt wird, kann man davon ausgehen, dass es noch weitere 40 Jahre in Umflauf sein wird. Überlebt es jedoch zusätzliche zehn Jahre, darf man damit rechnen, dass es auch noch in 50 Jahren vertrieben wird. Das ultimative Beispiel für den Bestand von Literatur, den man durch den Lindy-Effekt erklären kann, ist die Bibel. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Heilige Schrift in den nächsten Jahren durch ein Update abgelöst wird.

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Wie Nassim Taleb in seinem Buch Antifragil ausführt, altern bestimmte Dinge also „rückwärts“. Das Automobil gibt es seit ungefähr 120 Jahren. Man kann also davon ausgehen, dass die Erfindung weitere 120 Jahre Relevanz haben wird. Natürlich, so Taleb, handle es sich bei dem Lindy-Effekt nur um eine statistische Wahrscheinlichkeitsverteilung. Für viele Technologien gibt es also dennoch ein jähes Ende. Das Faxgerät oder Festnetz-Telefonverbindungen gehören weitestgehend der Vergangenheit an, da effizientere Technologien wie E-Mails bzw. Mobiltelefone sie abgelöst haben.

Wenn ein Buch seit vierzig Jahren im Druck ist, kann ich davon ausgehen, dass es noch weitere vierzig Jahre im Druck sein wird. Wenn es aber ein weiteres Jahrzehnt überlebt, dann wird es voraussichtlich noch weitere fünfzig Jahre im Druck sein. Das sagt Ihnen in der Regel einfach, warum Dinge umgekehrt altern. Jedes Jahr, das ohne Aussterben vergeht, verdoppelt die zusätzliche Lebenserwartung.

Nassim Nicholas Taleb in Antifragil.

Und was ist mit Bitcoin?

Schön und gut. Aber was hat das ganze mit Bitcoin zu tun? Nun ja, überträgt man das Konzept auf die Kryptowährung Nr. 1 dürfte mit jedem Tag, an dem BTC reibungslos funktioniert, die allgemeine Zuversicht steigen, dass „Orange Coin“ für die Dauer seiner bisherigen Existenz weiter bestehen bleibt. In anderen Worten: Je länger Bitcoin bereits existiert, desto länger dürfte die Kryptowährung überdauern.

Zudem lässt der Lindy-Effekt einen weiteren Schluss zu. Wenn es um das Fortbestehen konkurrierender Kryptowährungen geht, dürfte nach Maßgabe des Effekts Bitcoin die Nase vorn haben. Schließlich ist es die erste wirklich funktionierende Kryptowährung.

Natürlich ist der Lindy-Effekt eine stark vereinfachte Sichtweise auf Technologische Fortschritte. Selbst Taleb gibt zu, dass sich das Phänomen eigentlich nicht dazu eignet, die Lebenserwartung einzelner Technologien vorherzusagen. Am Ende ist es aber ein durchaus sinnvolles Werkzeug, um die Robustheit von technologischen Errungenschaften zu überprüfen. Und Bitcoin wird tatsächlich mit jedem Tag beliebter.


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