Bitcoin-ETF: Der Forderungskatalog der SEC

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Bitcoin-ETF: Der Forderungskatalog der SEC

Der Bitcoin-Kurs hat sich sehr reaktionsfreudig gezeigt, als es um Ankündigungen eines börsengehandelten Bitcoin-Fonds (Exchange Traded Fund, ETF) ging. Die Erwartungen an einen solchen Bitcoin-ETF sind bei vielen Krypto-Investoren hoch – zu hoch, wie manche meinen.

 

Nichtsdestotrotz erwarten viele die anstehenden Entscheidungen der US-amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC (Securities and Exchange Commission) über diverse Vorschläge für einen durch Bitcoin gedeckten Fonds mit Spannung. Zuletzt hat die SEC ihre Entscheidung über einen gemeinsamen Vorstoß der Chicagoer Optionsbörse CBOE (Chicago Board Options Exchange), der Investmentfirma VanEck und dem Blockchainunternehmen SolidX auf den 30. September vertagt. Die Kommission könnte sich eine weitere Fristverlängerung bis zum 27. Februar 2019 einräumen. Befürworter eines Bitcoin-ETF sollten sich also prophylaktisch auf ein Andauern der Hängepartie einstellen.

 

Was ist ein ETF?

Exchange Traded Funds (börsengehandelte Fonds, kurz: ETF) sind Investmendfonds, die direkt über die Börse ge- bzw. verkauft werden. Sie bilden Indizes nach und haben denselben Kursverlauf wie der zugrunde gelegte Index. Ein solcher Index kann beispielsweise der deutsche Aktienindex DAX sein. In diesem Fall würde die Fondsgesellschaft Aktien von allen 30 DAX-Unternehmen kaufen und dadurch den DAX praktisch „nachbauen“. So kann der Anleger von der Wertentwicklung der Unternehmen profitieren, ohne sich selbst um den Kauf- bzw. Verkauf einzelner Aktien kümmern zu müssen.

Genauso ist es möglich, einen ETF zu kreieren, der zum Beispiel den Ölpreis abbildet. Folglich würde ein Bitcoin-ETF darauf abzielen, den Bitcoin-Markt abzubilden. So heißt es im ETF-Antrag der CBOE:

„[…] Das Anlageziel des Trusts besteht darin, dass die Anteile die Wertentwicklung des Preises von Bitcoin abzüglich der Betriebskosten des Trusts widerspiegeln.“

ETFs sind in der Regel passiv verwaltet. Das betont die CBOE auch in ihrem Vorschlag:

„Der Trust wird nicht aktiv verwaltet. Er betreibt keine Aktivitäten, die darauf abzielen, einen Gewinn aus den Preisänderungen von Bitcoin zu erzielen oder Verluste zu mindern.“

Daraus ergibt sich für Anleger ein Kostenvorteil gegenüber aktiv verwalteten Fonds, also jenen, bei denen ein Fondsmanager Vermögenswerte individuell gewichtet bzw. aktiv in die Zusammensetzung des Portfolios eingreift. Die Gebühren fallen entsprechend deutlich niedriger aus.

Ein weiterer Bonus eines Bitcoin-ETF wäre der Umstand, dass dort angelegtes Geld als Sondervermögen zählt und dadurch vor einem etwaigen Bankrott des Fondsverwalters geschützt ist.

Der Forderungskatalog der SEC

Bislang gelang es jedoch noch keinem der bei der SEC eingereichten Vorschläge für Bitcoin-ETFs, die Bedenken der Börsenaufsicht gänzlich zu zerstreuen. Zuletzt ist ein zweiter Anlauf der Winklevoss-Brüder auf Ablehung gestoßen. Welche Bedingungen für eine Zulassung eines Bitcoin-ETF erfüllt sein müssen, definierte die SEC im Januar in einem Brief an Paul Stevens (Investment Company Institute) und Timothy W. Cameron (Securities Industry and Financial Markets Association).

Die Kommission stellt in dem Brief fünf zentrale Problembereiche fest, für die noch keiner der bis dato eingereichten Bitcoin-ETF-Vorschläge befriedigende Lösungen liefern konnte.

  1. Bewertung: ETFs müssen ihr Vermögen an jedem Geschäftstag bewerten, um einen Nettoinventarwert (Net Asset Value, NAV) zu erzielen. Kann dies angesichts der Volatilität der Kryptowährungen, der Fragmentierung und der fehlenden Regulierung der zugrunde liegenden Märkte erreicht werden?
  2. Liquidität: ETFs müssen über ausreichend liquide Mittel verfügen, um täglich Rückkäufe tätigen zu können. Welche Maßnahmen würden die Fonds ergreifen, um sicherzustellen, dass sie über ausreichend liquide Mittel verfügen, um Rücknahmen zu tätigen?
  3. Verwahrung: Die Fonds müssen die Aufbewahrung der Vermögenswerte sicherstellen. Wie würde ein Fonds die Verwahrungsvorschriften erfüllen? Wie würde ein Fonds die Existenz, das Alleinbesitzrecht und die Funkionalität von Private Keys absichern? Inwieweit würden Cybersicherheitsbedrohungen die Verwahrung von Vermögenswerten beeinträchtigen?
  4. Arbitrage: Ein ETF muss einen Marktpreis haben, der nicht wesentlich von seinem NAV abweicht. Wie würden ETFs angesichts der Fragmentierung, Volatilität und des Handelsvolumens des Kryptowährungsmarktes reagieren? Wie würde der volatilitätsbasierte Handel an einem Terminmarkt die Arbitrage beeinflussen? Und wie würde sich die Schließung einer Kryptobörse auf ihn auswirken?
  5. Manipulation: Kryptowährungsmärkte weisen einen wesentlich geringeren Anlegerschutz auf als Wertpapiermärkte, mit größeren Möglichkeiten für Betrug und Manipulation. Ist der ETF für ein breites Spektrum von Anlegern, einschließlich Privatanlegern, geeignet? Würden die Anleger über ausreichende Informationen verfügen, um die Risiken zu verstehen?

Auslaufende Deadlines

Über das Scheitern des Winklevoss’schen ETF-Vorschlags wurde bereits hinlänglich berichtet. ETF-Befürworter legen nun ihre Hoffnungen in die noch ausstehenden ETF-Vorschläge. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Vorschlag der CBOE, SolidX und VanEck. Der CBOE-Vorschlag ist indes der einzige, bei dem der Fonds auch durch Bitcoins „physisch“ gedeckt sein muss. Die kleinstmögliche Investition soll dabei 25 Bitcoin betragen, nach aktuellem Bitcoin-Kurs etwa 140.350 Euro. Damit liegt der Fokus eindeutig auf institutionellen Investoren. Das hat durchaus Kalkül: SolidX-Chef Daniel Gallacy begründete die verhältnismäßig hohe Eintrittsschwelle mit aktuell noch anhaltenden Bedenken der SEC, ETFs für Privatanleger zugänglich zu machen: 

„Basierend auf verschiedenen Kommentaren scheint es, dass die Aufsichtsbehörden derzeit Bedenken bezüglich eines ETF haben, der Privatanlegern zur Verfügung steht. Wir denken, dass sich das im Laufe der Zeit ändern wird, doch ist die momentane Lage ein guter Ausgangspunkt für ein Produkt, das sich ausschließlich an institutionelle Anleger richtet”,

so Gallacy gegenüber Bloomberg.

Neben dem CBOE-ETF wird die SEC über die Ersuche dreier weiterer Antragssteller entscheiden. So ist schon am 23. August das Urteil zum ETF-Vorschlag von ProShares fällig. Da es sich bei diesem nicht um einen physischen ETF handelt, die Investments also nicht direkt in Bitcoin angelegt werden, ist davon auszugehen, dass sich die SEC-Entscheidung weniger stark auf den Bitcoin-Kurs auswirken wird. Darüber hinaus stehen im September auch die ETF-Vorschläge von GraniteShare und Direxion zur Disposition. Spätestens dann wird sich zeigen, ob der Krypto-Enthusiasmus von Kommissarin Hester M. Pierce bereits auf ihre Kollegen abgefärbt hat.

Mehr über die im September fälligen ETF-Vorschläge und wie diese den Forderungen der SEC gerecht werden wollen, erfahrt ihr im kommenden Kryptokompass von BTC-ECHO.

BTC-ECHO

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