Neuer Coin-Metrics-Report Bitcoin (BTC): Ein sicherer Hafen – für die richtige Krise

Christopher Klee

von Christopher Klee

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Christopher Klee

Christopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

Kriegschiff rast dem Horizont entgegen

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Bitcoin, der sichere Hafen, das unzensierbare Gold 2.0, das Punk-Asset, das gegen den Wallstreet-Strich gebürstet ist – all diese Narrative stehen seit dem Corona-Crash unter Beschuss. Die Krypto-Researcher von Coin Metrics analysieren in ihrem aktuellen Netzwerkstatusupdate unter anderem, unter welchen Bedingungen Bitcoin seinen Ruf als sicherem Hafen wieder gerecht werden kann.

Die Corona–Krise hat nicht nur den Bitcoin-Kurs (BTC), sondern auch den Ruf der Kryptowährung als vom klassischen Börsengeschehen entkoppelte Geldanlage ins Wanken gebracht. Der BTC-Kurs krachte am 12. März, dem „Schwarzen Donnerstag“ ebenso in die Tiefe wie die Indizes DAX, S&P500 und Co. Selbst Gold, der klassische „Sichere Hafen“ für turbulente Zeiten an den Finanzmärkten, sah aufgrund der Corona-bedingten Liquiditätsengpässe Abverkäufe. Frei nach dem Motto: Lieber den Euro in der Hand, als den Goldbarren auf dem Dach.


Wie ist es seit dem Crash um die Korrelation von Bitcoin und den traditionellen Märkten bestellt und ist die Rede von BTC als digitales Gold noch gerechtfertigt? Diese und weitere Fragen beleuchteten die Krypto-Daten-Analysten von Coin Metrics in ihrem aktuellen Netzwerkstatus-Report.

Bitcoin-Narrative im Wandel der Zeiten

Während im White Paper von 2008 noch die Funktion von Bitcoin als „Elektronisches Peer-to-Peer-Bezahlsystem“ im Vordergrund (und Titel) steht, gewinnt Bitcoins Funktion als digitaler, nicht-zensierbarer Wertspeicher in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Wie sich die Wahrnehmung von Bitcoin seit seiner Entstehung verändert hat, illustrierten die Krypto-Researcher Nic Carter und Hasu im Juli 2018 in einer Grafik:

Bitcoin-Narrative im Wandel der Zeiten | Quelle: Nic Carter, Hasu

Diese Entwicklung kam indessen nicht von ungefähr. Früh zeichnete sich ab, dass sich BTC in seiner ursprünglichen Form wenig als E-Cash eignet. Mit seinen durchschnittlich 7 Transaktionen pro Sekunde ist BTC weit von Zahlungsdienstleistern wie VISA oder PayPal entfernt. Die Diskussion um größere Blöcke, die diesen Umstand beseitigen sollen, ist übrigens beinahe so alt wie wie Bitcoin selbst. Unterdessen verdichtete sich stetig die Datengrundlage dafür, dass sich der BTC-Kurs weitgehend unabhängig von den traditionellen Märkten entwickelt. Und dann kam Corona.

Coin Metrics: Bitcoin wieder im Gleichschritt mit Gold

Der Corona-Crash an den Aktienmärkten hat Prediger von BTC als unkorrelliertes Asset in Erklärungsnot gebracht. Die Einbrüche an den Krypto-Märkten waren so gravierend wie bei DAX, S&P500 und Co. Auch beim Narrativ von BTC als sicheren Hafen begann der Lack zu splittern. Ein Blick auf den Gold-Kurs offenbart indes, dass auch das vermeintliche Krisen–Asset kurzfristig Federn lassen musste.

Dass BTC und klassische Aktien praktisch im Gleichschritt gefallen sind, hat die Korrelation zwischen dem BTC-Kurs und dem S&P500 auf ein neues Hoch befördert. Die Analysten von Coin Metrics halten diese starke Korrelation zwischen Bitcoin-Kurs jedoch für eine vorübergehende Erscheinung, die maßgeblich der Corona-bedingte Liquiditäts-Krise geschuldet ist.

Auffallend stark korreliert BTC seit dem Corona-Crash mit Gold.

Bitcoin und Gold: seit Corona wieder verstärkt im Gleichschritt

Bitcoin: Nicht in jeder Krise ein sicherer Hafen

Gleichzeitig disqualifiziere das Ausbleiben eines Corona-Bullruns BTC nicht per se als sicheren Hafen in Zeiten der Krise. So könnte es durchaus sein, dass Bitcoin seine Qualitäten als Krisen–Asset erst noch unter Beweis stellen wird. Nämlich dann, wenn die Bedrohung einer Währungsinflation, die von den weltweit geschnürten Corona-Rettungspaketen ausgeht, zur Realität wird.

Auch wenn Bitcoin und Gold während einer globalen Liquiditätskrise nicht als sichere Häfen fungieren, so können sie doch während eines Anstiegs der Währungsinflation und einer quantitativen Lockerung als sicherer Hafen dienen. Angesichts der jüngsten Finanzspritze der US-Notenbank in Höhe von mehr als 2 Billionen US-Dollar und der beispiellosen Ungewissheit der globalen Gesundheits- und Wirtschaftsbedingungen ist es möglich, dass Bitcoin in Reaktion auf einige Ereignisse als sicherer Hafen fungiert, auf andere jedoch nicht, und sich das möglicherweise sogar von Tag zu Tag ändert

Coin Metrics State of the Network (44)

In diesem Zusammenhang haben die Coin-Metrics-Analysten eine interessante Beobachtung gemacht. Die Korrelation zwischen Bitcoin und der prognostizierten Fünfjahres-Inflationstsrate (T5YIFR) des US-Dollar ist am 12. März sprunghaft angestiegen. An diesem Tag hatte die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre billionenschweren Corona-Rettungsmaßnahmen verkündet.

Korrelation von Bitcoin und der prognostizierten Fünfjahres-Inflationstsrate | Quelle: Coin Metrics

Das könnte ein leiser Hinweis dafür sein, dass die deflationäre Angebotsstruktur von Bitcoin vor dem Hintergrund der aktuellen beispiellosen Vermehrung der Geldmenge durch die Notenbanken von Investoren verstärkt wahrgenommen wird.

Indessen macht das anstehende Halving den starken Kontrast zwischen Bitcoin und der Geldpolitik von Fed und Co. besonders anschaulich.

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