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Bitcoinisierung: Warum die Kryptowährung Nr. 1 die Wirtschaft Argentiniens retten kann

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Quelle: Shutterstock

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Der bekannte Bitcoin-Investor Tim Draper traf sich kürzlich mit dem argentinischen Präsidenten Mauricio Macri und warb dafür, die Nationalwährung Peso durch Bitcoin zu ersetzen. Warum der Vorschlag alles andere als ein schlechter Scherz ist und insbesondere Argentinien von einer Währungsumstellung profitieren würde.

Tim Draper schlug dem argentinischen Präsidenten vor, die Nationalwährung durch Bitcoin zu ersetzen. Würde Draper vorschlagen, den Euro, US-Dollar oder Yen durch Bitcoin zu ersetzen, dann wäre die Idee zu Recht als absurd und ökonomisch nur bedingt sinnvoll einzuordnen. In seinem Vorschlag geht es jedoch speziell um die Bitcoinisierung des Landes Argentinien. In puncto Währungsstabilität und Rückzahlungsmoral von Staatsanleihe-Schulden ist Argentinien global seit Jahren vollkommen diskreditiert. Das Land befindet sich in einer chronischen Währungskrise und das seit Jahrzehnten. Das Vertrauen in das staatliche Geldmonopol ist nur minimal höher als das gegenüber dem Bolivar in Venezuela. Das Problem beider Währungen: die hohe Inflationsrate. Warum also nicht auf eine weniger volatile Währung ausweichen und Vertrauen durch Outsourcing des Geldmonopols schaffen?

Die Krise als Dauerzustand und Nährboden für Experimente

Natürlich möchte kein Staat die Kontrolle über das Geldmonopol aufgeben. Bei den meisten Staaten ist dies auch nicht nötig. Was ist aber mit den Staaten, die wieder und wieder scheitern? Gerade dann, wenn sich Institutionen als schwach oder ineffizient erweisen, kann Outsourcing durch Privatisierung des Geldes mehr nützen als schaden.

Allein im letzten Jahr betrug die Teuerungsrate des Argentinischen Pesos zum US-Dollar knapp 50 Prozent. Für das Gesamtjahr 2019 rechnet die Regierung mit einer Inflation von rund 23 Prozent. Um schlimmere sozioökonomische Verwerfungen zu vermeiden, räumte der Internationale Währungsfonds (IWF) Argentinien Finanzhilfen in Höhe von 56 Milliarden US-Dollar ein.


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Seit über 60 Jahren ist Argentinien zum Spielball ökonomischer Experimente geworden. Kaum ein anderes Land auf der Welt hat in den letzten Jahrzehnten so viele wirtschaftspolitische Richtungswechsel erlebt wie Argentinien. So hart es klingen mag: Die Fallhöhe Argentiniens ist nicht mehr sonderlich hoch. Die Notwendigkeit, grundlegende ökonomische Strukturen zu hinterfragen, ist hingegen so dringlich wie schon lange nicht mehr.

Eine Historie des Scheiterns

Um die hohen Währungsschwankungen in den Griff zu kriegen, hat Argentinien bereits 1991 den argentinischen Peso an den US-Dollar gekoppelt. Die US-Dollar-Kopplung war allerdings nur eingeschränkt erfolgreich. Die Folge war eine Überbewertung des Peso, sodass es bereits Mitte der 1990er sowie Anfang 2000 zu Problemen bei der Rückzahlung von Staatsschulden kam. Um die Währung vom starken US-Dollar zu lösen und abzuwerten, koppelte man 2001 den Argentinischen Peso kurzerhand zusätzlich an den damals noch schwachen Euro.

Die Konsequenz der willkürlichen Geldpolitik war ein Vertrauensverlust, der zu einer Kapitalfluchtwelle im November 2001 führte. Als letzten Ausweg entschied sich die Regierung für harte Kapitalverkehrskontrollen bzw. Abhebe- und Transaktionslimits. Derartige Währungsmanöver und -krisen gehören bis heute zum Alltag in Argentinien. Die bisherigen Versuche, den Peso zu stabilisieren sind alle mehr oder weniger gescheitert. Die Lösung für dieses Problem könnte man durch Bitcoin finden.

Warum Bitcoin eine Alternative zur Fiat-Kopplung ist

Angenommen Argentinien würde seinen Stolz und staatlich inhärentes Kontrollbedürfnis beiseite legen und sich auf Bitcoin einlassen. Im ersten Schritt müsste Argentinien nicht, wie Draper vorgeschlagen hat, gänzlich auf seine Fiatwährung verzichten. Um die finanzökonomischen Verwerfungen und Probleme, die eine Währungsumstellung mit sich bringt, abzufedern, könnte der Bitcoin parallel zum Peso eingeführt werden. Das würde bedeuten, dass Bitcoin als Zahlungsmittel volle rechtliche Anerkennung erhalten würde. Gehälter und Steuern könnten in Bitcoin gezahlt werden, genauso wie die Benutzung von Bus und Bahn.

Die Folge wäre ein Wettbewerb zwischen Bitcoin und Peso. Es würde jedem freigestellt sein, das Währungsmedium seiner Wahl zu benutzen. Die Risiken wären überschaubar, da man jederzeit zum schlecht funktionierenden Peso wechseln kann. Umgekehrt aber können die Vorteile enorm sein. Schließlich würde ein Wettbewerb zwischen Fiatwährung und Bitcoin entstehen. Der Druck auf die argentinische Notenbank, eine stabile Geldpolitik zu führen, würde steigen und von einem dezentralen System ausgehen.

Missbrauchtes Vertrauen mit Bitcoin neu beleben

Gerade im Außenhandel könnte Argentinien durch eine weniger volatile Währung, die politisch neutral ist, stark profitieren. Insbesondere das mangelnde Vertrauen in die Institutionen könnte durch die national unabhängige Lösung namens Bitcoin in Teilen kompensiert werden. Das Problem, keine Waren importieren zu können, weil die heimische Währung innerhalb kürzester Zeit abgewertet worden ist, könnte eingedämmt werden.

Draper selbst geht einen Schritt weiter und fordert eine komplette Abschaffung des Peso zugunsten des Bitcoin. So äußerte er bei seinem Argentinien-Besuch selbstbewusst:

Wir reden von Bitcoin und der Abwertung des Peso, und da schlage ich eine Wette vor: Wenn der Peso mehr wert ist als der Bitcoin, verdopple ich meine Investitionen im Land. Sollte der Bitcoin mehr wert sein als der Peso, dann muss er zur Landeswährung erklärt werden. Das wäre die perfekte Lösung, da kein Vertrauen in die (aktuelle) Währung besteht.

Eine Argumentation, die durchaus einleuchtet. Die Angst der Menschen vor Kapitalverkehrskontrollen und Schlangen vor den Bankautomaten kann dadurch reduziert werden. Diese neue Sicherheit kann in der Bevölkerung und bei den Unternehmen zu einer höheren Investitionsbereitschaft führen. Auch die dafür notwendige Kreditvergabe könnte durch Bitcoin profitieren. Schließlich führt die hohe Inflation zu hohen Zinsen, die wiederum das Kreditgeschäft für beide Seiten erschwert. Kurzum: Das Klima in Argentinien ist investitionsfeindlich. Die Chancen einer Bitcoinisierung sollten für Argentinien größer sein als die Risiken, die damit verbunden sind.


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