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Bukele bei Erdogan Wird die Türkei zur nächsten Bitcoin-Nation?

El Salvadors Präsident Nayib Bukele tritt zum Staatsbesuch in der Türkei an. Bei dem Treffen dürfte auch über Bitcoin gesprochen worden sein. Doch was hätte die Türkei von einer Bitcoin-Adoption?

David Scheider
 |  Lesezeit: 3 Minuten
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Erdogan Bukele

Beitragsbild: picture alliance / AA | Halil Sagirkaya

| Bukele und Erdogan bei ihrem Treffen in Ankara.

In der Türkei liegt so einiges im Argen. Die Inflation des Landes liegt nach Daten des nationalen Statistikamtes bei rund 36 Prozent, die Umfragewerte von Präsident Erdogan taumeln – die Zustimmung für den Kurs der Regierungspartei AKP liegt nur noch bei  24 Prozent Stimmenanteil und damit erstmals seit langem hinter denen der Oppositionspartei CHP.

Gegensätzlicher könnte es um seinen jüngsten Staatsgast nicht bestellt sein. Die Rede ist natürlich von Nayib Bukele. Der Präsident der Republik El Salvador erreicht Zustimmungswerte, von denen Erdogan selbst in Hochzeiten nur träumen konnte. Bei der Präsidentschaftswahl 2019 erreichte Bukele 53 Prozent und gewann die Wahlen aus dem Stand.

Auch in Sachen Währungsregime könnten die beiden Länder nicht weiter auseinanderliegen. Während die Türkei wohl der Inbegriff eines fehlgeleiteten Fiatgeldsystems ist, hat man in El Salvador 2021 das härteste Geld der Menschheitsgeschichte zur Staatswährung erklärt.

Am gestrigen Donnerstag, dem 20. Januar, stattete Bukele der Türkei einen Besuch ab. Dabei soll es nach Angabe seines Präsidialamtes vordergründig um die bilaterale Zusammenarbeit der beiden Nationen gegangen sein. Zum einen hat Bukele die auswärtige Vertretung El Salvadors in Ankara eröffnet. Zum anderen gingt es in den Gesprächen mit der türkischen Regierung um gemeinsame Handelsinteressen, saubere Energiequellen sowie eine stärkere militärische Zusammenarbeit.

Da Präsident Bukele wie kein Zweiter für die staatliche Akzeptanz eines Bitcoin-Standards steht, drängte sich auf sozialen Netzwerken wie Twitter schnell die Frage auf, ob Bukele Erdogan die Adoption von Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel nahelegt. Angesicht der galoppierenden Inflation ein durchaus denkbares Szenario.

Dass es bei den Gesprächen zwischen den beiden Staatenlenkern auch um Bitcoin gegangen ist, liegt nahe. Erwartungen hatte Bukele selbst genährt, indem er entsprechende Teaser auf Twitter gepostet hatte.

Doch was hätte die Türkei von einer Staatswährung Bitcoin?

Die Türkei ist nicht El Salvador

Dass El Salvador so bereitwillig auf den Bitcoin-Zug aufgesprungen ist, hat in erster Linie zwei Gründe: Das Land hat einen starken bis autoritär agierenden Präsidenten, der die Entscheidung de facto im Alleingang durchsetzen konnte. Zum anderen ist das Währungsregime ein besonderes. El Salvador hat seit 2001 keine eigene Währung mehr, sondern setzt auf den US-Dollar als Zahlungsmittel Nr. 1. Während ersteres durchaus Ähnlichkeiten zum Regierungsstil des türkischen Präsidenten aufweist, ist zweiteres wohl der plausibelste Grund, weshalb die Türkei vorerst nicht diesen Weg gehen wird.

Die türkische Führung hat die Lira immer wieder patriotisch verklärt. So sollten die Bürgerinnen und Bürger ihre Devisen- und Goldbestände in Lira umtauschen, der Staat komme dann für den Kaufkraftverlust auf.

Auch symbolpolitisches Geplänkel wie Preiskontrollen in Supermärkten steht mittlerweile auf der Tagesordnung. Schuld am Verfall der Währung sei nicht etwas das Festhalten am Leitzins, gegen dessen Erhöhung sich Erdogan eisern wehrt, sondern ausländische Finanzmächte und “ungerechte Preiserhöhungen” des Einzelhandels. Leitzinserhöhungen kommen der türkischen Regierung auch deshalb nicht eben gelegen, da die schuldenbasierte Refinanzierung des Staatshaushalts dann zusehends schwieriger wird.

Dass bei der gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Landeschefs kein Wort zu Bitcoin gefallen ist, legt die nahe, dass Erdogan (aus genannten Gründen) kein Interesse daran hat, Bitcoin als Landeswährung zu etablieren. Kein Wunder: Zuletzt hatte Erdogan Kryptowährungen noch den Krieg erklärt. Es mag Gespräche über Bitcoin gegeben haben. Überzeugen konnte Bukele Erdogan jedoch offenbar nicht.

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