Meinungs-ECHO 

Trump wütet: US-Banken nehmen Krypto “in Geiselhaft”

Trump legt sich mit der Wall Street an. Im Streit um Stablecoin-Renditen und Krypto-Gesetze wächst der Druck – auch wegen der Midterms.

Daniel Hoppmann
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Donald Trump sitzt im Oval Office und hebt den linken Zeigefinger.

Beitragsbild: picture alliance

| Den Zeigefinger erhoben, tadelt Donald Trump die Wall Street

Donald Trump sendet dieser Tage eine eindeutige Botschaft: Wer seine Interessen missachtet, der bekommt den gewaltigen Zorn des US-Präsidenten zu spüren. Der Iran lernt diese Lektion gerade auf die harte Tour. Jetzt nimmt Trump die nächsten Krawallmacher im Inneren ins Visier – die US-Banken-Lobby.

Noch sind es nur Worte, mit denen der Commander-in-Chief gegen die Mächtigen der Wall Street schießt. “Die Banken sollen aufhören, den Genius Act zu untergraben, oder den Clarity Act in Geiselhaft zu nehmen”, funkte Trump am Dienstag über Truth Social. Damit schlägt sich der US-Präsident nun höchstpersönlich auf die Seite der Krypto-Industrie, die seit Monaten mit der Banken-Lobby um die Ausarbeitung mehrerer Krypto-Gesetze ringt. Zentrales Thema dabei: Renditen auf Stablecoins.

Banken argumentieren schon länger gegen die Verzinsung der an den US-Dollar gekoppelten Kryptowährungen. Durch den deutlich höheren Zinssatz würden Nutzer incentiviert, ihr Geld in Stablecoins umzuschichten, was zu Liquiditätsproblemen vor allem bei Regionalbanken führen könnte. Diese könnten dann beispielsweise keine Kredite mehr an Unternehmen vergeben, so die Befürchtung.

Standard Chartered lieferte kürzlich erste Zahlen. Bis 2028 könnte eine halbe Billion US-Dollar aus Banken in Stablecoins abwandern. Die Kreditinstitute fordern deshalb Lizenzpflichten. “Wenn Sie Guthaben halten und darauf Zinsen zahlen, sind Sie eine Bank. Dann sollten Sie auch wie eine Bank reguliert werden”, sagte JPMorgan-Boss Jamie Dimon kürzlich.

“Banken sind die größten Heuchler”

Dass die Wall Street eines ihrer Kerngeschäfte nicht einfach kampflos an die Emporkömmlinge der Krypto-Industrie abtritt, ist für jemanden wie Trump, der sonst nur blinden Gehorsam kennt, offenbar ein Affront. Entsprechend wütet er: “Die Banken fahren Rekord-Gewinne ein, wir werden ihnen nicht erlauben unsere Krypto-Agenda zu gefährden”.

Zur Seite springt ihm dabei auch Sohn Eric. Die Banken seien “die größten Heuchler”. Sie hätten ihre Kunde jahrelang “über den Tisch gezogen” und täten nun alles, um die Krypto-Industrie daran zu hindern, “echte Vorteile, Vergünstigungen und Belohnungen” auf ihren Plattformen anzubieten.

Donald Trump: “Schließt einen Deal”

Donald Trump wünscht sich nichts sehnlicher als einen Deal. Das sei “im besten Interesse des amerikanischen Volkes” – und auch in seinem eigenen? Schließlich vertreibt seine Familie mit USD1 einen eigenen Stablecoin, den die Krypto-Börse Binance immer prominenter auf ihrer Plattform positioniert. Böse Zungen würden behaupten, er sei bei dem Thema befangen.

Denn je stärker der Stablecoin wächst, desto größer werden auch die Dollar-Reserven im Hintergrund – Gelder, die typischerweise in kurzlaufende US-Staatsanleihen oder Geldmarktfonds investiert werden und dort Zinsen abwerfen. Ein lukratives Geschäftsmodell, das bereits Tether und Circle Milliardengewinne beschert hat.

Und auch politisch drängt die Zeit. Im November stehen schließlich die Midterms an. Die Republikaner müssen ihre Mehrheit im Kongress verteidigen, angesichts der derzeitigen Beliebtheitswerte des Präsidenten ein äußerst schwieriges Unterfangen. Sollte die Wahl verloren gehen, dürften die Krypto-Gesetze in ihrer jetzigen Form kaum durchsetzbar sein.

Trump verliert seit seinem Amtsantritt kontinuierlich an Beliebtheit I Quelle: Economist

Kein Wunder also, dass Trump jetzt den Druck auf die Banken erhöht. Wenn die Krypto-Gesetze noch durch den Kongress kommen sollen, bleibt dafür nicht mehr viel Zeit.

Fraglich ist nur, was passiert, wenn die Banken sich seinem Willen nicht beugen. Wie der Präsident zumindest in seiner Fantasie mit politischen Gegnern umgeht, zeigte er schon während der “No Kings”-Proteste im Oktober letzten Jahres. Damals verbreitete Trump ein KI-generiertes Video, in dem er im Kampfjet sitzend Demonstranten aus der Luft bombardierte – allerdings mit einer eher unkonventionellen Munition.

Ob die Streithähne am Ende zusammenkommen, oder aber die Wall Street ihr “braunes Wunder” erlebt – die kommenden Wochen werden es zeigen.

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