Die britische Monument Bank will gemeinsam mit der Midnight Foundation als erste regulierte Bank im Vereinigten Königreich Retail-Einlagen auf eine öffentliche Blockchain bringen. In einer ersten Phase sollen zunächst bis zu 250 Millionen Pfund an verzinsten Kundeneinlagen als Token auf dem Midnight-Netzwerk abgebildet werden, einem im Cardano-Ökosystem entwickelten Blockchain-Projekt. Die Einlagen sollen dabei weiter vollständig gedeckt, in Pfund Sterling rücktauschbar und durch das britische Einlagensicherungssystem FSCS geschützt bleiben.
Retail-Einlagen als Token auf einer öffentlichen Blockchain
Laut der Ankündigung verwaltet Monument derzeit rund sieben Milliarden Pfund an Einlagen. Die tokenisierten Einlagen sollen für Kunden keine eigenständige neue Anlageklasse darstellen, sondern eine digitale Eins-zu-eins-Abbildung klassischer Bankeinlagen. In einem späteren zweiten Schritt plant Monument nach eigenen Angaben zudem den Zugang zu tokenisierten Anlageprodukten wie Private Equity und Rohstofffonds direkt über die eigene App. In einer dritten Phase plant Monument sogenannte Lombardkredite, also Kredite gegen hinterlegte Wertanlagen.
Warum Midnight für Banken interessant ist
Für Midnight ist der Deal ein Prestigeprojekt in einer besonders sensiblen Nische der regulierten Finanzinfrastruktur. Die Blockchain setzt auf datenschutzfreundliche Architektur mit Zero-Knowledge-Technologie, bei der Transaktionsdaten nur für die Bank und deren Kunden sichtbar bleiben sollen. Genau dieser Punkt ist für klassische Finanzhäuser entscheidend, die zwar die Effizienzvorteile öffentlicher Blockchains nutzen wollen, dabei aber regulatorische Anforderungen an Vertraulichkeit und Compliance erfüllen müssen.
Charles Hoskinson: “Das ist einer der größten Blockchain-Deals aller Zeiten”
Cardano-Gründer Charles Hoskinson bezeichnete die Kooperation als “einer der größten Blockchain-Deals aller Zeiten”. Monument sei eine große Bank in einem stark regulierten Umfeld. Für Hoskinson markiert der Schritt den Beginn dessen, was er “Web 2.5” nennt.
Gemeint ist damit eine Mischform aus klassischem Finanzgeschäft und Blockchain-Infrastruktur. Hoskinson unterscheidet dabei zwischen Web-2-Unternehmen wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley und Web-3-Protokollen wie Uniswap oder SundaeSwap. “Web 2.5” beschreibt für ihn Geschäftsmodelle, die beide Welten miteinander verknüpfen. Als Beispiele nannte er Unternehmen wie Tether und Circle, die Elemente klassischer Finanzinfrastruktur mit Krypto-Technologie verbinden.
Laut Hoskinson sind genau solche Hybridmodelle besonders relevant, weil sie regulatorische Anforderungen, Kundenschutz und einfache Nutzerführung mit den Möglichkeiten öffentlicher Blockchains zusammenbringen. Das Problem sei bislang gewesen, dass es “kein Zuhause für Web 2.5” gegeben habe. Solche Modelle bräuchten Compliance, Privatsphäre und die Fähigkeit, sowohl mit klassischen Bankensystemen als auch mit Blockchain-Infrastruktur zu arbeiten.
Hoskinson zufolge wurde Midnight als offene Privacy-Blockchain genau für solche Brückenmodelle zwischen regulierter Finanzwelt und Krypto-Infrastruktur entwickelt. Anders als klassische Krypto-Narrative, die auf maximale Transparenz setzen, positioniert sich Midnight damit als Infrastruktur für programmierbare Finanzprodukte mit eingebautem Datenschutz. Genau darin könnte für Banken und andere regulierte Unternehmen der entscheidende Vorteil liegen.
Mainnet-Start und neue Partnerschaften für Midnight
Die Ankündigung fällt zudem in eine wichtige Phase für das Projekt. Midnight will noch im März ins Mainnet starten und hatte in den vergangenen Monaten bereits eine Reihe namhafter Partnerschaften bekanntgegeben. Dazu zählen unter anderem Google Cloud, Vodafone, MoneyGram, eToro und Bullish. Der Monument-Deal reiht sich damit in eine Serie von Partnerschaften ein, mit denen Midnight seine Infrastruktur rund um den Mainnet-Start mit institutioneller Glaubwürdigkeit auflädt.
Was der Deal für Cardano bedeutet
Für Cardano ist das nicht automatisch ein kurzfristiger Kurstreiber, wohl aber ein potenziell wichtiger Adoptionsfall. Hoskinson sprach in diesem Zusammenhang von einem “Flaggschiff-Deal” und betonte, Midnight zeige damit, wie sich Blockchain-Technologie kommerzialisieren lasse und wie Real World Assets in den Kryptosektor gebracht werden könnten.
Zugleich verwies er auf die technische und strategische Verbindung zu Cardano. Midnight sei als Multi-Chain-Modell aufgebaut und greife in Teilen auf Cardano zurück. Deshalb hätten Deals wie die Partnerschaft mit Monument aus seiner Sicht auch einen “Halo-Effekt” für das Cardano-Ökosystem. Sollte Monument den Rollout wie geplant umsetzen, könnte Midnight damit früh einen realen Use Case liefern.
