Clarity Act  

US-Banken in Sorge: Schaffen Stablecoins unser Girokonto ab?

Noch sind Stablecoins im Alltag kaum relevant. Doch mit inkludierter Zinsausschüttung würde sich das schlagartig ändern. Der aktuelle Streit in den USA zeigt: Es geht nicht um Payments, sondern um Kontrolle über Einlagen, Kreditvergabe und Finanzinfrastruktur. Ein Kommentar.

Sven Wagenknecht
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Coinbase CEO Brian Armstrong auf dem World Economic Forum

Beitragsbild: picture alliance / Photoshot

| Stablecoins sind das große Streitthema im Clarity Act. Coinbase CEO Brian Armstrong gibt sich kämpferisch

Zu gut, um wahr zu sein: Stablecoins, die ihren Haltern Zinsen auszahlen, ohne dass diese etwas dafür tun müssen. Sollte dies im sogenannten Clarity Act – der amerikanischen Krypto-Regulierung, um die aktuell gerungen wird – erlaubt werden, käme das einem direkten Angriff auf das Einlagengeschäft der Banken gleich. Während Stablecoins für inländische Zahlungen bislang kaum Mehrwert bieten und sich entsprechend schwer in der Payment-Adoption tun, wäre eine lukrative Verzinsung eine völlig andere Story.

Stablecoins: Der Eintritt ins Bankengeschäft

Wächst die Stablecoin-Infrastruktur weiter, könnten Verbraucher ihr Kapital zunehmend vom klassischen Girokonto abziehen und in Stablecoin Wallets transferieren. Für Coinbase CEO Brian Armstrong ist dieser Passus daher von zentraler Bedeutung, würde er Krypto-Unternehmen doch den Zugang zur gesamten Bankenbranche öffnen.

Entsprechend alarmiert sind die Banken. Anscheinend haben sie sogar Donald Trump davon überzeugt, Druck auf Armstrong auszuüben, von dieser Forderung abzurücken. Wenig überraschend werden nun Szenarien wie ein Austrocknen der Kreditvergabe infolge sinkender Sichteinlagen bemüht.

Stablecoins: Das sicherere Geld

Dabei sind Stablecoins strukturell – nicht regulatorisch – sicherer als unser Bankguthaben. Giroguthaben sind letztlich ungedeckte Forderungen gegen eine Bank. Stablecoins wie Tether oder Circle hingegen sind durch Vermögenswerte höchster Bonität, vor allem US-Staatsanleihen, gedeckt. Dass Bankeinlagen als sicherer gelten, liegt vor allem an Einlagensicherungssystemen und der impliziten Erwartung staatlicher Rettung, die bei Krypto-Unternehmen bislang fehlt.

Clarity Act: Banken dürften sich durchsetzen

Dass sich die Krypto-Industrie kurzfristig gegen die Bankenlobby durchsetzt, erscheint dennoch unwahrscheinlich. Die Machtverhältnisse sprechen für TradFi. Wahrscheinlicher ist ein Stablecoin-Zinsverbot im Clarity Act – nicht zuletzt, um Banken Zeit zu verschaffen, eigene Stablecoin-Angebote und Infrastruktur aufzubauen.

Aufgeschoben ist diese Entwicklung jedoch nicht aufgehoben. Stablecoins mit Zinsausschüttung werden kommen. Die Frage ist nur wann. Und dann wird man zu Recht von einer neuen Phase der Krypto-Mainstream-Adoption sprechen können.

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