Wo Nachbesserungsbedarf besteht 

MiCA und die Folgen: Das ehrliche Urteil von 44 Krypto-Insidern

Das hat die EU-weite Krypto-Regulierung MiCA wirklich gebracht. Wir haben 44 Brancheninsider nach ihrem Urteil gefragt und erfahren, wo sie noch Nachbesserungsbedarf sehen.

Sven Wagenknecht
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Man sieht die Karte Europas mit Hervorhebung der EU-Länder. Auf der Karte liegt eine Bitcoin-Münze und zwei andere Krypto-Coin-Münzen ab.

Beitragsbild: Shutterstock

| War die MiCA-Regulierung ein Erfolg für den europäischen Krypto-Sektor? Das sagen 44 Insider

Die EU-weite Krypto-Regulierung, Markets in Crypto Assets Regulation, ist nun seit dem 1. Juli 2026 endgültig angekommen. Denn mit diesem Stichtag endete die letzte Übergangsfrist für Krypto-Dienstleister. Ohne MiCA-Lizenz dürfen Krypto-Plattformen keine EU-Kunden mehr bedienen. Ein harter Einschnitt, doch hat es sich auch gelohnt? Was war bislang gut und wo besteht bei der MiCA-Verordnung Nachbesserungsbedarf? Wir haben dazu gemeinsam mit Prof. Dr. David Florysiak von der IU Internationale Hochschule 44 Krypto-Insider im Rahmen der Krypto-Expertenumfrage befragt.

MiCA im Praxistest: So bewerten Insider

Als Erstes haben wir unsere Insider gebeten, ein Gesamturteil zur MiCA abzugeben. Das Ergebnis ist zwar tendenziell positiv, aber insgesamt doch sehr verhalten.

43,2 Prozent der 44 Befragten bewerten die bisherigen Auswirkungen der MiCA auf den EU-Krypto-Sektor als eher positiv, 2,3 Prozent sogar als sehr positiv. Dem stehen 25 Prozent gegenüber, die eher negativ urteilen, sowie weitere 25 Prozent, die die Wirkung als teils positiv, teils negativ einordnen. Dass nur einer von 44 Insidern die Auswirkung von MiCA als sehr positiv bewertet, zeigt, dass die Regulierung keine reine Erfolgsstory ist.

MiCA: Die Schwächen und Stärken im Detail

Noch aufschlussreicher wird das Bild bei den sieben Einzelzielen. Am stärksten wirkt MiCA dort, wo sie Ordnung schafft: Die Schaffung von Rechtssicherheit bewerten 79,6 Prozent positiv (59,1 Prozent eher positiv, 20,5 Prozent sehr positiv), einheitlichere Regeln im EU-Binnenmarkt kommen auf 75 Prozent Zustimmung. Auch bei der Marktintegrität (61,4 Prozent positiv) und Verbraucherschutz (56,8 Prozent positiv) fällt die Bilanz freundlich aus.

Umso deutlicher der Bruch beim Thema Innovation: Die Unterstützung von Innovation im Krypto-Sektor bewerten nur 18,2 Prozent positiv, während 45,5 Prozent negativ urteilen – 31,8 Prozent eher negativ, 13,6 Prozent sogar sehr negativ. Kein anderes Ziel schneidet so schlecht ab. Das ist der wunde Punkt der europäischen Krypto-Politik, auf eine einzige Zahl verdichtet. Rechtssicherheit allein schafft noch keinen wettbewerbsfähigen Standort.

Krypto-Regulierung in der EU: Bei diesen Punkten besteht Verbesserungsbedarf

Entsprechend klar fallen die Nachbesserungswünsche aus. Auf die Frage, wo die EU bei der Weiterentwicklung der MiCA am dringendsten ansetzen sollte, kamen durch die Möglichkeit der Mehrfachnennung 104 Antworten zusammen.

An der Spitze stehen schnellere und besser planbare Lizenz- und Zulassungsverfahren (43,2 Prozent der Befragten), gefolgt von einer einheitlicheren Auslegung in allen EU-Mitgliedstaaten und einer stärkeren Berücksichtigung kleinerer Anbieter und Start-ups (jeweils 38,6 Prozent). Auch weniger aufwendige Berichts- und Compliance-Vorgaben werden häufig genannt (36,4 Prozent). Der viel diskutierte Bereich Stablecoins landet dagegen mit 15,9 Prozent eher am unteren Ende der Prioritätenliste.

Die Stimmen der Krypto-Insider

Einige der teilgenommenen Branchenexperten haben uns auch Statements zukommen lassen, um die Lage rund um MiCA besser einordnen zu können. Dietmar Schantl-Ransdorf von Bitpanda Wealth bringt das Grundproblem auf den Punkt: “MiCAR hat der EU die ersehnte Rechtssicherheit gebracht, aber Regulierung darf kein statisches Konstrukt sein.” Bleibe man bei DeFi und Staking im Ungewissen, “wandert das Kapital und die technologische Speerspitze schlicht in Krypto-Hubs wie Dubai oder die Schweiz ab.

Andreas Lipkow, Chefmarktanalyst bei CMC Markets, begrüßt die Verordnung als “wichtigen Meilenstein”, benennt aber die Kehrseite: Sie “erhöht die Compliance-Kosten erheblich und vergrößert die Gefahr einer Marktkonsolidierung zulasten kleinerer innovativer Unternehmen”. Und Armin Schmid, CEO von Copper Markets (Liechtenstein), fasst das Kosten-Nutzen-Verhältnis trocken zusammen: MiCA habe die Grundlagen für einen professionellen Markt geschaffen, “jedoch mit sehr viel Aufwand und somit Kosten für die Unternehmen”.

Für die Regulierten ist die Verordnung dagegen eine Chance. Nils von Schoenaich-Carolath von der Wertpapierhandelsbank tradias nennt MiCA “einen strukturellen Wachstumstreiber”, weil sich das Geschäftsmodell ohne 27 nationale Lizenzstrukturen ausrollen lasse. Für weniger regulierte Wettbewerber werde es hingegen enger. Ein zweigeteilter Markt also: gut für die Großen und Etablierten, hart für die Kleinen und Neuen.

Wer wissen möchte, was andere Insider über die MiCA-Verordnung denken, welchen Bitcoin-Kurs sie bis Januar 2027 erwarten und wie sie das aktuelle Krypto-Sentiment bewerten, der kann dies im kostenlosen BTC-ECHO Insider Report nachlesen.

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