Ein Blick hinter die Kulissen 

Mehr Trades als an der NYSE: Warum Solana kaum daran verdient

Rekord bei den Trades, kräftig steigende Gebühren in der letzten Woche: Solana wirkt so lebendig wie lange nicht. Ein Blick auf die Einnahmen des Netzwerks relativiert das Bild. Wo liegt der Haken?

Philipp Baumgartner
Teilen
Solana-Logo neben einem Börsenhändler an einem Arbeitsplatz mit mehreren Handelsbildschirmen
| Solanas dezentrale Börsen kamen in der Woche vom 14. bis 20. September auf 208 Millionen Trades | Quelle: Shutterstock / Picture Alliance, KI-bearbeitet

Über die dezentralen Börsen von Solana liefen in der Woche vom 14. bis 20. September rund 208 Millionen Trades, an der NYSE waren es im selben Zeitraum lediglich 189 Millionen. Auch die übrigen Onchaindaten des DeFi Giganten zeigen eine starke Woche: Die Transaktionsgebühren stiegen vom 15. auf den 22. September um gut die Hälfte auf rund 1,1 Millionen US-Dollar pro Tag, die Zahl der aktiven Adressen wuchs um mehr als ein Drittel auf 3,44 Millionen.

Einen nüchterneren Blick liefert jedoch der Real Economic Value, kurz REV. Diese Kennzahl misst, was Nutzer tatsächlich an die Validatoren zahlen, also an die Betreiber der Rechner, die Transaktionen prüfen und Blöcke erzeugen. Dazu zählen die Transaktionsgebühren und die Trinkgelder, mit denen sich Händler eine bevorzugte Position im Block erkaufen.

Viele Trades, kleine Beträge

In der Rekordwoche setzten die Solana DEXs laut Blockworks Research rund 17,3 Milliarden US-Dollar um, im Schnitt also rund 83 US-Dollar pro Trade. Viele davon sind kleine Swaps oder Aufträge von Bots, möglich gemacht durch Gebühren, die kaum ins Gewicht fallen: Die Median-Gebühr lag laut Messari im ersten Quartal 2026 bei 0,0007 US-Dollar.

Die günstige Nutzung hat eine Kehrseite, die erst im langfristigen Verlauf sichtbar wird. Im ersten Quartal 2025, als die Memecoins TRUMP und MELANIA die Spekulation anheizten, kam Solana laut Messari auf einen REV von 816 Millionen US-Dollar. Wie steil es seitdem bergab ging, zeigen die Transaktionsgebühren, die heute gut 80 Prozent des REV ausmachen.

Solana Chain Fees in US-Dollar pro Tag von Januar 2024 bis September 2026
Tägliche Transaktionsgebühren im Solana-Netzwerk ohne MEV-Trinkgelder | Quelle: DefiLlama

Ein Jahr nach dem Rekordquartal lag der REV bei 89,5 Millionen US-Dollar und damit rund 89 Prozent niedriger. Daran ändert die starke Woche wenig, denn in den 30 Tagen bis zum 22. September kam Solana laut DefiLlama im Schnitt auf gut 950.000 US-Dollar REV am Tag.

Jito-Trinkgelder verlieren an Gewicht

Auch die Zusammensetzung der Einnahmen hat sich verschoben. Lange stammte ein großer Teil aus den Trinkgeldern, die Händler über die Infrastruktur von Jito zahlen, damit ihre Transaktionen in einer bestimmten Reihenfolge landen. Fachleute sprechen vom Maximal Extractable Value, kurz MEV. Diese Jito Tips machten einst mehr als die Hälfte des REV aus.

Solana Real Economic Value nach Anteilen von Priority Fees, Jito Tips, Vote Fees und Base Fees von Januar 2024 bis September 2026
Anteile der Gebührenarten am täglichen Real Economic Value seit Januar 2024 | Quelle: Dune / @the_defi_report

Am 19. September kamen sie nur noch auf 15 Prozent. Knapp 63 Prozent stellten die Priority Fees, also Aufschläge, die Nutzer für eine schnellere Verarbeitung zahlen.

Staking-Rendite kommt fast nur aus neuen Token

Für Anleger, die ihre SOL staken, ist diese Verschiebung keine gute Nachricht. Seit dem Upgrade SIMD-0096 fließen die Priority Fees vollständig an den Validator, der den Block erzeugt. Die Staker, die ihm ihre SOL anvertrauen, erhalten davon nur etwas, wenn er freiwillig teilt.

Die Rendite speist sich deshalb vor allem aus neu ausgegebenen Token. Laut Solana Compass sind 439,66 Millionen SOL und damit 69,3 Prozent des Gesamtangebots gestakt, die Inflationsrate liegt bei 3,636 Prozent. Weil sich die neuen Token nur auf den gestakten Anteil verteilen, fällt die Rendite höher aus als die Inflation.

Solana Staking Yield vor Kommission, aufgeteilt in Emission, MEV und Gebühren von Mitte 2024 bis September 2026
Rendite der Validatoren vor Kommission, zerlegt nach Herkunft | Quelle: Dune / @the_defi_report

Am 16. September lag sie laut Dune vor Abzug der Validator-Kommission bei 5,64 Prozent, wovon 4,96 Prozentpunkte aus der Emission stammten. Gebühren und MEV kamen zusammen auf 0,68 Prozentpunkte und damit auf rund 12 Prozent der Gesamtrendite. Die Emission ist allerdings keine echte Einnahme, denn faktisch bezahlen Nicht-Staker über die Verwässerung ihrer Bestände die Rendite der Staker. Darin steckt der Zielkonflikt, den die Rekordwoche überdeckt: Die niedrigen Gebühren ziehen Nutzer an, finanzieren aber kaum etwas.

Die Gebühren müssen bald mehr Rendite tragen

Mit der geplanten Änderung SIMD-0550 soll Solana deutlich schneller weniger neue Token ausgeben, die Inflation würde jedes Jahr doppelt so stark sinken wie bisher. Freigeschaltet war die Änderung Mitte September noch nicht. Für Staker hieße das: Der größte Teil ihrer Rendite schrumpft spürbar. Um das auszugleichen, müssten die Gebühren ihren Beitrag mehr als verdreifachen.

Dazu kommt das Upgrade namens Alpenglow welches Ende 2026 starten soll. Bisher zahlen die Validatoren selbst Gebühren, um über neue Blöcke abzustimmen, und diese Gebühren zählen zum REV. Mit Alpenglow fallen sie weg. Die Kennzahl wird dadurch um rund ein Achtel kleiner, ohne dass die Nutzer weniger zahlen.

In den kommenden Monaten kommt es deshalb auf zwei Dinge an. Die starke Woche muss sich zu einem längeren Aufwärtstrend bei den Gebühren entwickeln, und mehr Validatoren müssen die Priority Fees mit ihren Stakern teilen. Erst dann kommt die Aktivität auf Solana auch bei den Anlegern an.

Das könnte dich auch interessieren