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Rückblick auf ein grandioses Scheitern Mark Zuckerberg und das Metaverse – kann man es noch ernst nehmen?

Zuckerberg träumt, das Internet lacht: 2022 war ein Katastrophenjahr für Meta. Ihr CEO wurde zur Witzfigur. Ein Rückblick.

Giacomo Maihofer
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Mark Zuckerberg

Beitragsbild: Shutterstock

| Mark Zuckerberg als Meta-Metaverse-Avatar.

Würde es nicht um so viel gehen, die Geschichte von Mark Zuckerberg und dem Metaverse wäre die perfekte absurde Komödie. Eine Neuauflage von “Warten auf Godot” – nur warten bei dieser Aufführung alle auf die “Zukunft des Internets” aka das Metaverse. Sein Zeitalter ruft der 38-jährige Techvisionär im Herbst 2021 vor den Augen der Welt aus. Und die verfällt in Goldgräberstimmung. Patentämter quellen über vor Metaverse-Anträgen großer Konzerne, virtuelle Ländereien werden für Millionen verscherbelt, eine Billionen-Dollar-Wirtschaft prognostiziert.

Der Crash des Techmarkts Anfang 2022 vernichtet auch die meisten dieser Luftschlösser. Vorerst. Verwaiste digitale Landschaften, fast wertlose virtuelle Güter, kaum Nutzer: Das ist der Status Quo des Metaverse. Nach großem Hype herrscht tote Hose – auch bei Meta. Hat die “Zukunft des Internets”, wie Mark Zuckerberg sie sich vorstellt, überhaupt noch eine Zukunft?

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Zehn Milliarden verbrennt die Entwicklung von “Horizon Worlds”, dem Metaverse-Prestige-Projekt von Mark Zuckerberg in etwas mehr als einem Jahr. Geliefert hat Zuckerberg bisher: ein skurriles Selfie seines Meta-Alter-Egos vor einem virtuellen Eifelturm. Und Beine, die gibt es jetzt auch. Die Ausbeute für Meta: viel Gespött.

Es beginnt schon bei der Enthüllung der Pläne durch Mark Zuckerberg, am 28. Oktober 2021. Facebook heiße jetzte Meta, erklärt der CEO, und lässt eine Kaskade an Versprechen und Bildern auf die Welt los. Menschen tauchen in einem Video in eine 3D-Welt ein, springen aus ihr heraus, auf Knopfdruck. Sie verbringen Zeit mit Freunden, gehen surfen, arbeiten, leben, lieben. Eine Realität wie aus den Science-Fiction-Filmen wie “Ready Player One” oder “Snow Crash” will Meta erschaffen. Manche Analysten lecken sich schon die Finger. Das Metaverse habe “das Potential das gesamte menschliche Leben zu verändern”, so ein Analyst von Simon Powell, einen Monat später. Bloomberg verspricht sich ebenfalls eine “800 Milliarden-US-Dollar-Marktchance”.

Der Großteil des Medienechos ist kritischer: Das Metaverse, wie es sich Facebook vorstelle, sehe aus wie eine “schlechtere Version der Welt, die wir schon haben”, schreibt Business Insider. Das Spielemagazin PC Gamer bezeichnet es gar als “einen fetten Haufen Milliardärskacke”, desssen Hauptzweck es sei noch einen Weg zu finden, den “Leuten denselben Mist zu verkaufen.” Island lässt sich sogar zu einer Parodie des Meta-Videos hinreißen, in der ein Mark-Zuckerberg-Verschnitt eine ganz neue Welt vorstellt, in der Menschen auf “revolutionäre Weise miteinander in Kontakt treten können” – das Icelandverse. “Manche sagten, es sei unmöglich. Aber es ist schon da. Nein, ernsthaft: schaut.” Gemeint ist Island. Oder einfach: die echte Welt.

Bei vielen Beobachtern lösen die megalomanischen Metaverse-Pläne von Mark Zuckerberg neben Lachreflexen vor allem eins aus: Panik. Denn Metas Geschäftspraktiken sind in diesen Monaten auf dem Prüfstand – sogar vor dem US-Kongress. Der Konzern sammelt aggressiv und rücksichtslos die Daten seiner Nutzer. Das ist lange bekannt.

Doch die Whistleblowerin Frances Haugen wirft dem Unternehmen vor, seine Social-Media-Apps Facebook, Instagram und Twitter mithilfe dieser Datensätze absichtlich so süchtig wie möglich zu gestalten – für maximales Engagement. Schädliche Auswirkungen auf seine Nutzer, vor allem ihre psychische Gesundheit, nimmt man laut Meta-Whistleblowerin wissend in Kauf. Will man die Hoheit über ein digitales Paralleluniversum wirklich diesen Leuten anvertrauen?

Zuckerberg träumt, das Internet lacht

Auch die Entwicklung von “Horizon Worlds” steht unter keinem guten Stern. “Horizon Worlds” sei laut New York Times so “fehlerhaft und unbeliebt”, dass Meta bis 2022 eine “Qualitätssperre” verhängt. Mit mäßigem Erfolg. Heute kommt das hochgepriesene Metaverse nur auf 200.000 Nutzer. Nach Medienberichten von The Verge muss man selbst eigene Mitarbeiter dazu motivieren, es überhaupt zu nutzen.

Vermeintliche “Erfolgsmeldungen” werden regelmäßig mit Gespött quittiert. “So weit ich sehe, ist das Metaverse nur Animal Crossing, aber du wirst von Mark Zuckerberg gejagt”, witzelt der Comedian Andrew Nadeau auf Twitter, nachdem der CEO ein mehr als unglückliches Selfie von sich aus “Horizon Worlds” postet. Es sieht aus, wie aus einem zwanzig Jahre alten Computerspiel. Die Episode wird schnell zum viralen Meme. Zwar gelingt Zuckerberg die Schadensbegrenzung, als er eine zweite Aufnahme mit aufgehübschter Grafik hinterherschickt. Doch wenige Monate später macht Meta sich wieder zur Internet-Lachnummer, als man enthusiastisch verkündet: Man habe nun … Beine im Metaverse.

Der 2022 beginnende Crash des Techmarkts verschont auch Mark Zuckerberg nicht. Die Aktie von Meta rauscht in den Keller. Im August 2022 meldet das Unternehmen das verlustreichste Quartal seit Börsengang vor zehn Jahren. Tausende Mitarbeiter werden später entlassen. Auch verliert man wichtige Architekten, wie den legendären Spielemacher John Carmack, bei Meta einer der Hauptverantwortlichen für Virtual Reality. Er verabschiedet sich im Dezember 2022 von seinem Arbeitgeber u.a. mit den Worten: “so etwas furchtbar ineffizientes zu sehen, tut meiner Seele weh.”

Trotzdem: Es wäre vermessen, Mark Zuckerbergs Ambitionen nach nur einem Katastrophenjahr abzuschreiben. Sein Auftreten mag etwas peinlich sein, seine Visionen teilweise realitätsfremd bis beängstigend, das Image im Keller. Doch der Tech-Pionier sah sein Metaverse von Beginn an als Langzeitprojekt. Zehn Jahre soll es dauern, bis es voll funktionsfähig ist. Vielleicht werden seine Pläne also wirklich noch als größte Erfindung seit dem Internet in die Geschichte eingehen. Oder eben: als furchtbar teurer Memegenerator.

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