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Sonderwirtschaftszone Madeira Platzt der Traum vom Bitcoin-Steuerparadies?

Madeira gilt innerhalb der EU als Steuerhafen. Damit sich die autonome Region aber als Bitcoin-Paradies etablieren kann, muss sich Präsident Miguel Albuquerque noch gegen die Zentralregierung in Lissabon durchsetzen. Denn die hat andere Pläne.

David Scheider
 |  Lesezeit: 3 Minuten
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Beitragsbild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Rebecca Blackwell

| Madeiras Präsident Miguel Albuquerque mit Samson Mow auf der Bitcoin 2022 Konferenz.

“Ich glaube an die Zukunft, ich glaube an Bitcoin.” Mit diesen Worten verkündete Miguel Albuquerque, seines Zeichens Präsident von Madeira, den Einstieg der portugiesischen Insel in den Bitcoin Standard. Doch kurz nach dem Announcement wurde es um die 250.000 Einwohner:innen fassende Insel wieder ruhig. BTC-ECHO schaut genauer hin: Wie könnte eine Bitcoin-Zukunft für Madeira aussehen und stehen die jüngst angekündigten Steuererhöhungen für Kryptowährungen in Portugal dazu nicht im Widerspruch?

Miguel Albuquerque will Madeira zu einem “fantastischen Umfeld für Bitcoin” machen. Seit 2015 ist er Präsident der autonomen Insel, die als Sonderwirtschaftszone zwar zu Portugal gehört, zum Teil jedoch eigene Steuergesetze genießt. Bitcoin etwa will die Regierung nicht mit Steuern belegen. Das heißt, wer Spekulationsgewinne mit Kryptowährungen realisiert oder diese ausgibt, zahlt keine Kapitalertragsteuern. Gesetzliches Zahlungsmittel wird Bitcoin aber nicht, sagt der madeirische Unternehmer André Loja gegenüber Cointelegraph.

Wir “adoptieren” Bitcoin nicht, weil das so aussehen würde, als würden wir ihn zum gesetzlichen Zahlungsmittel machen, obwohl er de facto bereits legal ist.

André Loja

Soll heißen: Auf Madeira gibt es – wenn überhaupt – eine Bitcoin-Adoption light. Gesetzliches Zahlungsmittel, für das Annahmezwang besteht und mit dem man auch Steuern bezahlen kann, wird die Kryptowährung nicht. Trotzdem hat Albuquerque mit seiner Ankündigung auf der Bitcoin 2022 für Aufsehen und Applaus gesorgt. Zurecht: Denn selbst ohne den Status als gesetzliches Zahlungsmittel könnte sich die Insel vor der Küste Marokkos zu einem Bitcoin Hotspot entwickeln. Mit der Sound Money Foundation unterhält Loja bereits seit geraumer Zeit ein Bitcoin Education Center, bei dem auch namhafte Bitcoiner wie Knut Svanholm mitwirken, so der Entrepreneur.

Reizvoll für Bitcoin-Unternehmen dürfte vor allem die geringe Steuerlast sein. Mit einer Körperschaftssteuer von nur 5 Prozent gibt es in der Europäischen Union kaum Orte mit attraktiveren Unternehmenssteuern als Madeira. Unternehmen wie der Uhrenhersteller Swatch sind dem Lockruf bereits gefolgt.

Macht Madeira sein eigenes Ding?

Der liberale Kurs steht indes im Gegensatz zu Bestrebungen der Zentralregierung in Lissabon, die in Sachen Bitcoin-Besteuerung wieder härtere Bandagen aufziehen möchte. Denn wie BTC-ECHO am 17. Mai berichtete, will Finanzminister Fernando Medina Kapitalertragssteuern auf BTC-Veräußerungen erheben. Bisher ordnet die Gesetzgebung Bitcoin und Co. als Währungen ein, weshalb Veräußerungsgewinne steuerfrei sind. Das könnte sich jedoch bald ändern – auch auf Madeira.

Denn fraglich ist, wo die Kompetenz der Festlegung der Kapitalertragsteuer in Portugal liegt. Zwar hat Albuquerque versprochen, dass “Individuen, die Bitcoin kaufen und verkaufen, keine Steuern zahlen”. Das galt bisher aber für ganz Portugal und war keine Besonderheit der Sonderwirtschaftszone. Hat sich Albuquerque also zu viel versprochen? Hat er seine Rechnung ohne Lissabon gemacht?

Eine Nachfrage bei der Regionalregierung auf Madeira blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

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