Viele Anleger machen beim Krypto-Staking denselben Fehler. Sie schauen zuerst auf die Rendite und erst danach auf den Coin, doch das kann teuer werden. Denn hohe Ausschüttungen auf schwache oder hochspekulative Token bringen Anlegern wenig, wenn Kursverluste, Inflation oder eine fragwürdige Token-Ökonomie den Ertrag wieder auffressen. Deshalb lohnt sich Staking meist nur bei großen, etablierten Layer-1-Coins, bei denen der laufende Ertrag auch mit einem fundamentalen Investment Case verbunden ist. Wer Staking seriös bewerten will, muss also immer beides zusammen betrachten, die Rendite und die Qualität des Tokens. Für diesen Überblick geht es deshalb nur um solide Kryptowährungen.
Was ist Staking überhaupt?
Bevor Anleger auf konkrete Renditen schauen, lohnt sich zudem eine alte Krypto-Weisheit: “If you don’t know where the yield is coming from, you are the yield.” Dies trifft insbesondere auf Staking zu. Wie kommt also diese Rendite zustande und was heißt Staking überhaupt genau?
Staking bedeutet, dass Anleger ihre Coins in einem Proof-of-Stake-Netzwerk hinterlegen oder delegieren, um bei der Absicherung des Netzwerks und der Validierung von Transaktionen mitzuwirken. Als Gegenleistung erhalten sie laufende Erträge in Form zusätzlicher Coins, tragen dabei aber je nach Netzwerk auch Risiken wie Kursverluste, Sperrfristen oder Verwässerung durch Inflation.
Woher kommt die Rendite?
Die Staking-Rendite entsteht in der Regel aus drei Quellen. Erstens aus der Ausgabe neuer Tokens durch das Protokoll. Zweitens aus Netzwerkgebühren, die an Validatoren und Delegierende verteilt werden. Drittens aus zusätzlichen Einnahmen wie MEV (Maximum Extractable Value). Dieser bezeichnet den zusätzlichen Gewinn, den Validatoren erzielen können, indem sie die Reihenfolge von Transaktionen innerhalb eines Blocks strategisch festlegen, um zum Beispiel Arbitrage-Möglichkeiten oder Liquidationsvorteile vor anderen Marktteilnehmern auszunutzen.
Je nachdem, welche dieser Quellen dominiert, fällt auch die Qualität der Rendite unterschiedlich aus. Wenn der Ertrag wie bei Solana vor allem aus hoher Token-Inflation stammt, sieht die Ausschüttung zwar attraktiv aus, zugleich wird jedoch der Bestand verwässert, sodass die nominale Rendite ebenfalls weniger wert ist. Kommt ein größerer Anteil aus echter Netzwerknutzung und Gebühren, ist die Rendite wirtschaftlich lukrativer. Aus diesem Grund sollten Anleger immer zuerst prüfen, woher der Ertrag kommt und ob das zugrunde liegende Netzwerk diese Ausschüttung nachhaltig tragen kann.
Inflation bei ETH, SOL und Co.
Wie hoch ist nun also die Inflation bei den großen Layer-1-Coins? Solana liegt derzeit bei grob 4 Prozent jährlicher Inflation. Gestartet ist die Blockchain mit 8 Prozent. Seitdem geht sie jedes Jahr um 15 Prozent zurück bis 1,5 Prozent erreicht sind.
Ethereum ist aktuell mit rund 0,8 Prozent nur leicht inflationär. Die Netto-Inflation ist die Ausgabe neuer ETH minus das durch Aktivität getriebene Verbrennen von Coins. Die ursprünglich anvisierte Deflation des “Ultrasound Money” ist nach dem Dencun-Upgrade trotz starker Adoption dahin. Nichtsdestotrotz ist die Inflation auf einem niedrigen Niveau.
Quelle: ultrasound.money
Cardano liegt aktuell bei rund 2 Prozent jährlicher Inflation. Bei Hyperliquid, der beliebten Plattform für Perpetual Futures, kommt die Verwässerung nicht aus Token-Inflation, sondern aus Unlocks. Den aktuell zirkulierenden 256,86 Millionen HYPE steht ein Total Supply von 956,88 Millionen HYPE gegenüber. Das Team um Gründer Jeff Yan hat jedoch bereits in der Vergangenheit seine Willigkeit zum HODLn nachgewiesen. Im Januar 2026 kündigte es an, die monatlichen Token-Freigaben für die Core Contributors um fast 90 Prozent zu kürzen. Statt der ursprünglich erwarteten 1,2 Millionen HYPE-Token wurden für den Monat Februar so nur 140.000 Token freigegeben.
Layer-1-Urgesteine: Ethereum und Cardano
Nachdem die zugrundeliegende Ausweitung der Token-Menge geklärt ist, lohnt sich der Blick auf die Staking-Renditen. Bei Cardano liegt diese aktuell bei rund 2 Prozent. Das wirkt unspektakulär, steht aber für ein vergleichsweise stabiles und operativ einfaches Staking-Modell. Laut offizieller Dokumentation bleiben delegierte ADA in der Kontrolle des Nutzers und werden nicht an einen Stake Pool übertragen. Zudem gibt es keine klassische Sperrfrist wie bei anderen Netzwerken.
Bei Ethereum sind derzeit rund 3 Prozent realistisch. Auch das ist kein spektakulärer Wert, spiegelt aber die Reife des Netzwerks und das damit einhergehende geringe Risiko wider. Besonders in Anbetracht der geringen Inflation ist Staking für ETH-Bullen daher attraktiv.
Solana und Hyperliquid als hippe Alternative
Bei Hyperliquid bewegt sich die Rendite derzeit ebenfalls bei rund zwei Prozent. Durch einen Buyback-Mechanismus in Höhe von rund 97 Prozent der Einnahmen wird das Token-Angebot hier durch den Business Case jedoch zusätzlich stark verknappt. Bei Solana liegen realistische Erträge aktuell bei rund 6 Prozent. Die tatsächliche Rendite hängt neben der Inflation auch vom Anteil der insgesamt gestakten SOL und von der Kommission des Validators ab.
Bei Cosmos beispielsweise sind rund 21 Prozent nominale Rendite möglich. Hier zeigt sich aber besonders deutlich, warum hohe Zahlen allein nicht reichen. Denn je höher die Inflation und je schlechter der Bull Case für das zugrundeliegende Asset, desto kleiner fällt die tatsächliche Rendite aus. ATOM bleibt mit seiner Kursentwicklung ein gutes Beispiel dafür, dass hohe Staking-Renditen nicht automatisch gleichbedeutend mit einer guten Geldanlage sind.
“There is no free lunch”
Selbst bei großen Coins ist Staking kein risikofreier Ertrag. Die tatsächliche Nettorendite hängt von Gebühren für Validatoren, technischer Zuverlässigkeit, möglicher Sperrfrist, Slashing-Risiken und – wie eben gesehen – vom Kurs des Coins ab. Wer nach realistischen Staking-Renditen sucht, sollte daher zuerst die Qualität des Coins prüfen und erst danach auf die Ausschüttung schauen. Bei großen Proof of Stake Assets sind im Frühjahr 2026 grob 2 Prozent bei Cardano und Hyperliquid, rund 3 Prozent bei Ethereum und rund 6 Prozent bei Solana realistisch. Alles darüber sollte Anleger eher misstrauisch als euphorisch machen. Denn im Krypto-Space gilt wie auf dem traditionellen Finanzmarkt: “There is no free lunch”.
