Meinungs-ECHO 

“Eine Krise schlimmer als 2008” – Was die Rezession für Bitcoin bedeutet

Rezessionsängste greifen auf TradFi über. Analysten warnen vor Liquiditätsengpässen. Bitcoin gerät ins Kreuzfeuer. Wie reagiert der Kurs?

Johannes Macswayed
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Ein Mann im Anzug rechts neben einer transparenten Bitcoin-Münze. Im Hintergrund eine Anzeigetafel mit roten Zahlen vom Aktienmarkt

Beitragsbild: Shutterstock / picture alliance / Flickr / KI-Bearbeitung durch die Redaktion

| Stehen die Weltmärkte und Bitcoin vor dem nächsten, historischen Crash?

Gold-Bug Peter Schiff warnt zur Abwechslung mal nicht vor einem bevorstehenden Bitcoin-Kollaps. Dieses Mal stellt “Schiffy” die US-Wirtschaft selbst an den Pranger, die, wie er glaubt, vor einer Krise “schlimmer als 2008” steht. Die Lage im Nahen Osten, steigende Inflation und ein schwächelnder Jobmarkt in den USA scheinen ihm zunächst recht zu geben. Warum Bitcoin kurioserweise das letzte Lachen haben könnte – oder eben auch nicht.

Hochmut …

Erst die “Spitze des Eisbergs” habe sich bisher gezeigt. Der Gold-Perma-Bulle rechnet ab sofort mit dem Beginn der nächsten großen Wirtschaftskrise, ausgelöst durch einen rasanten Inflationsanstieg im Zuge der Iran-Krise.

“Entsprechend beunruhigt” zeigt sich die Social-Media-Community. “Peter Schiff hat 200 der letzten zwei Finanzkrisen zutreffend vorhergesagt. Ich würde mir Sorgen machen”, schreibt “Just a Dude Who Invests” auf X. “Selbst eine kaputte Uhr zeigt zweimal am Tag die richtige Zeit an. Schiff hat einmal im Jahrzehnt recht”, höhnt ein anderer Beobachter.

Schiffs Timing ist tatsächlich Comedy-reif. Seit Dezember dreht der Bitcoin-Skeptiker seine Siegesrunden und spottet Woche für Woche über den vermeintlichen Zusammenbruch des “Safe-Haven-Narrativs” – und über jene, die weiter daran festhalten.

Pünktlich zum Ausbruch einer tatsächlichen Krise aber und dem Beginn des vermutlich größten Bull-Cases für Gold überhaupt, stürzt sein Lieblings-Edelmetall um mehr als 20 Prozent ab.

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… kommt vor dem Fall

Indes hält sich Bitcoin recht wacker, mit einer Performance nahe null. Nicht schlecht für ein vermeintliches “Risiko-Asset”. Die Geschichte liefert sogar weiteren Grund für Optimismus: Einer Auswertung von Cryptorank zufolge schlägt sich das “digitale Gold” in den 60 Tagen nach geopolitischen Ereignissen besser als Gold, Öl und der S&P 500.

Über Hintergründe, Korrelationen und historische Zufälle lässt sich natürlich streiten. Fakt ist: Bitcoin steht aktuell besser da, als viele erwartet hätten. Selbst JPMorgan-Analysten attestieren inzwischen “relative Stärke” und eine wachsende Präferenz als sicherer Hafen. Die Krypto-Aktivität im Iran habe stark zugenommen, was die Rolle von Bitcoin als Schutzwährung in Ländern mit wirtschaftlicher und geopolitischer Instabilität unterstreiche, heißt es in einem aktuellen Bericht des Hauses.

So weit, so gut. Die eigentliche Frage lautet aber: Wie schlimm wird es noch?

Von “TACO” zu “NACHO”

Sorgen um einen globalen Crash sind durchaus begründet. Der Chef der internationalen Energiebehörde nennt die aktuelle Krise den “schlimmsten Energieschock, der je verzeichnet wurde.”

Wenig Beruhigendes kommt ausgerechnet von dem Mann, der das Ganze ins Rollen gebracht hat. “Ich dachte, die Ölpreise würden noch weiter steigen und die Börse noch weiter fallen”, antwortet US-Präsident Donald Trump auf die Frage eines Journalisten zur aktuellen Gemengelage.

Dann können wir ja beruhigt sein, Mr. President. Oder hat sich Trump dieses Mal wirklich verzockt? Seine Rückzieher in brenzligen Momenten sind inzwischen so berühmt, dass die Deutsche Bank einen Index entwickelt hat, der verlässlich vorhersagt, wann der nächste TACO-Moment kommt (“Trump Always Chickens Out”).

Pünktlich zum nächsten Eskalationshöhepunkt kündigte Trump eine vorübergehende Pause der Angriffe auf den Iran an, um die Lage vor Ort und an den Märkten zu beruhigen. Doch ein regionaler Krieg ist kein Zollstreit, wie sich zeigt. Ein scharfsinniger Nutzer auf X erkennt einen Sprung in der Cuisine. Aus “TACO” wird “NACHO” aka. “Not Actually Changing Hormuz Opening”.

Das böse “R-Wort”

Analyst Michael Nadeau von The DeFi-Report glaubt, dass die Märkte sich zu sehr auf eben diesen TACO-Trade verlassen haben. In einer aktuellen Analyse verweist er auf die “Selbstgefälligkeit” von S&P 500, Nasdaq und Co. und prognostiziert eine Entwicklung ähnlich wie 2022. Stichwort: Rezession.

“Krypto-Anleger haben den Bärenmarkt im Dezember/Januar erst spät erkannt. Wir glauben, dass sich nun dasselbe auf den TradFi-Märkten abspielt.” Kommt der erwartete Einbruch, dürften Bitcoin und der breitere Krypto-Markt mitgerissen werden und in ihre finale Bärenmarktphase übergehen, so Nadeau.

Eine ausführliche Analyse von Delphi Digital teilt Nadeaus Einschätzung in puncto Rezessionsängste. Der wirtschaftliche Schaden könnte demnach bereits irreversibel sein und das Schlimmste noch bevorstehen, statt hinter uns liegen.

Für Bitcoin und den Krypto-Markt verweisen die Analysten auf die sich rasant verschlechternde Liquiditätslage, die erfahrungsgemäß ein zentraler Kurstreiber ist. Steigende Leitzinsen und ein begrenzter Fiskalimpuls aufgrund hoher Staatsverschuldung deuten demnach auf eine weitere scharfe Korrektur bei Bitcoin und Co. hin.

Der “seltsamste Bärenmarkt aller Zeiten”

Sowohl Nadeau als auch die Delphi-Analysten geben aber offen zu, keine Geopolitik-Experten zu sein. Was wirklich passiert, steht wie so oft in den Sternen. Sollte Bitcoin erneut fallen, müssen sich Anleger auf einen andauernden Bärenmarkt einstellen. Eine historische Auswertung von Ecoinmetrics zeigt, dass jede weitere Zehn-Prozent-Korrektur den Bärenmarkt um 80 Tage verlängert.

Aber welche Gesetze gelten heutzutage noch? Gold oszilliert so wild wie ein Pump.fun-Memecoin, Aktien reagieren weniger auf Quartalszahlen als auf die bipolaren Truth-Social-Posts von Donald Trump, und am Krypto-Markt klafft eine enorme Lücke zwischen Fundamentaldaten und Kursentwicklung.

“Der Krypto-Winter 2018 war geprägt von Apathie und Verzweiflung. 2022 stand im Zeichen von Wut und Enttäuschung. 2026 ist eine seltsame Mischung aus Angst, Verwirrung und außergewöhnlicher Aufregung”, so Matt Hougan von Bitwise. Die Adoptions-Schlagzeilen mehren sich, die Kurse aber nicht.

Noch steht Bitcoin wohl irgendwo zwischen den Welten. QCP-Capital-Analysten schreiben, BTC sei in einer “heiklen, aber nicht eindeutig bärischen Lage: Er wird nicht mehr wie ein reiner High-Beta-Proxy für Aktien gehandelt, zieht aber auch noch keine beständige Nachfrage als sicherer Hafen auf sich.”

Für Anleger heißt das wohl erstmal seitwärts mit Aussicht auf lokale Tiefgebiete. Die nächsten Wochen dürften mehr Klarheit bringen, in welche Richtung das Narrativ endgültig kippt. Und ob Peter Schiff seinen nächsten Dekaden-Crash bekommt.

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