Polkadot DOT: Der Brückenbauer für das Internet von morgen
Christopher Klee

von Christopher Klee

Am · Lesezeit: 6 Minuten

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Elf Jahre nach der Genese Bitcoins harrt die Welt noch immer der Blockchain-Revolution: Zwar hat sich seine Qualität als Wertspeicher mittlerweile längst auch in Krypto-fremden Kreisen herumgesprochen. Doch die großen Killer-Apps auf Blockchain-Basis lassen bislang noch auf sich warten. Das liegt zum Teil daran, dass noch immer Ethereum die Basis der meisten dezentralen Anwendungen (dApps) bildet. Das zweitgrößte Krypto-Netzwerk nach Markkapitalisierung ging 2015 als erste Blockchain, die Programme ausführen kann, an den Start. Kann Polkadot (DOT) die Blockchain-Technologie in den Mainstream bringen?

Kinderkrankheiten, an denen Ethereum bis heute nagt, inklusive: Allen voran hat sich die mangelnde Skalierbarkeit immer wieder als Flaschenhals für den Erfolg dezentraler Apps auf Ethereum-Basis erwiesen. Der in diesem Jahr aufblühende Zweig der dezentralen Finanzdienstleistungen (DeFi) führt die Überbeanspruchung von Ethereum drastisch vor Augen. Die Netzwerkgebühren sind wegen der hohen Nachfrage auf ein Rekordniveau angestiegen. Wenn man für den Tausch von Ether gegen einen der aktuell beliebten DeFi-Token bisweilen hohe zweistellige Dollarbeträge an Gas Fees zahlen muss, vergeht gerade Kleininvestoren schnell die Lust an DeFi.


Abhilfe soll Ethereum 2.0 schaffen. Der Startschuss könnte mit Phase 0 noch in diesem Jahr fallen. Doch bis Eth2 in seinen vollen Funktionsumfang verfügbar sein wird, dürften laut Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin noch einige Winter ins Land ziehen. 

Dass es mit Ethereum 2.0 nur schleppend voran geht, hat Gavin Wood, ein weiterer Co-Founder von Ethereum und ehemaliger CTO der Ethereum Foundation, früh erkannt. Und so hat er ein neues Projekt ins Leben gerufen, um die Vision von einem dezentralen „Web 3.0“ in die Tat umzusetzen: Polkadot.

Relay Chain, Parachains und Bridges: So funktioniert Polkadot

Anders als Bitcoin oder Ethereum (1.0) setzt Polkadot nicht auf eine einzige Blockchain, sondern auf mehrere, die hierarchisch über- beziehungsweise nebeneinander laufen: Das Polkadot-Protokoll hat sich ganz der Interoperabilität – dem Blockchain-übergreifenden Zusammenspiel verschiedener Netzwerke – verschrieben.

Das Herzstück von Polkadot bildet die Relay Chain. Sie ist der Kitt, der alle mit Polkadot verbundenen Netzwerke zusammenhält. Die Relay Chain verfügt über Schnittstellen („Slots“), über die andere Netzwerke an Polkadot „andocken“ können. Dabei kommen sogenannte Parachains zum Einsatz. Dabei handelt es sich um spezialisierte Blockchains (oder andere Daten-Infrastrukturen), die sich auf einen einzelnen Anwendungsbereich (beispielsweise IoT, Finanzdienstleistungen, Versicherungen oder Gaming) konzentrieren. 

Die Bridges bilden einen Sonderfall von Parachains. Wie der Name bereits andeutet handelt es sich dabei um Brücken, die das Polkadot-Netzwerk mit anderen großen Blockchains – allen voran Bitcoin und Ethereum – verknüpfen. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten, Bitcoin-Einheiten in tokenisierter Form auf Ethereum zu bringen. Auf diese Weise können Bitcoiner ihre BTC beispielsweise im Ethereum-basierten DeFi-Space „für sich arbeiten“ zu lassen.  

Obwohl Ethereum 2.0 und Polkadot einige flüchtige Ähnlichkeiten aufweisen, sind wir der Meinung, dass sich ihr Endziel grundlegend unterscheidet und dass die beiden Protokolle, anstatt miteinander zu konkurrieren, wahrscheinlich in absehbarer Zukunft im Rahmen einer für beide Seiten vorteilhaften Beziehung nebeneinander existieren werden

Polkadot Whitepaper

Substrate: Der Blockchain-Baukasten

Polkadot bietet Entwicklern überdies mit Substrate eine Art „Blockchain-Baukasten“, der es ermöglicht, eine neue Blockchain aus verschiedenen Modulen zusammen zu basteln und an Polkadot anzuschließen. So liefert Substrate fertige Bausteine, etwa für Node-Implementierungen, Kryptographie, Netzwerkkonsens und Datenspeicherung. Entwickler können somit vergleichsweise einfach eine eigene Blockchain auf die Beine stellen, ohne Konzessionen bei der Netzwerksicherheit machen zu müssen: Alle Parachains – auch jene, die nicht auf Substrate basieren – sind über den Konsensmechanismus der Relay Chain abgesichert.  

TPS, bei denen Visa feuchte Augen bekommt

Was sich Ethereum nun aufwändig im Nachhinein drauf schaffen muss, ist bei Polkadot bereits von Beginn an angelegt: Die Konsensfindung per Proof of Stake. Während bei Bitcoin (und bislang auch noch bei Ethereum) der Prozess zum Bestätigen von Blöcken nicht nur behäbig, sondern auch extrem energiehungrig ist, verspricht Proof of Stake einen deutlich größeren Transaktionsdurchsatz. Und das bei einem ungleich niedrigeren Energieaufwand.

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In Kombination mit den Parachains soll Polkadot dadurch eine Verarbeitung von über 166.000 Transaktionen pro Sekunde (TPS) erzielen können. Chef-Entwickler Gavin Wood geht perspektivisch von bis zu einer Million TPS aus. Zum Vergleich: Bitcoin kommt auf durchschnittlich 3 bis 5 TPS, auch Ethereum kommt lediglich auf 12 bis 15 TPS. Selbst Kreditkartenanbieter sehen im Vergleich alt aus: Visa kann nach Angaben auf der Unternehmenswebsite bis zu 65.000 TPS leisten. Freilich handelt es sich bei den 166.666 TPS um theoretische Höchstwerte, die in der Praxis erst noch erzielt werden wollen.

DOT: Ein Token, drei Aufgaben

Der plattformeigene DOT-Token wird in drei Bereichen eingesetzt. Im Bereich der Netzwerk-Governance können DOT-Besitzer mit ihren Token an Wahlen und Referenden über Protokolländerungen teilnehmen. Jeder DOT-Holder ist zudem berechtigt, eigene Vorschläge einzubringen. 

Ferner wird DOT für den Betrieb des Netzwerks benötigt. Holder können mit DOT-Token die Validatoren von Transaktionsblöcken nominieren, um selbst eine Chance auf einen Anteil der Block-Belohnung zu erhalten. 

Schließlich werden DOT-Token für den Anschluss einer Parachain benötigt. Solange eine Parachain mit der Relay Chain verbunden ist, muss eine bestimmte Menge an DOTs hinterlegt werden.   

Investment Case Polkadot

In einem Meer aus nunmehr zig tausenden Krypto-Projekten gehört Polkadot zu den substanzielleren Kandidaten. Mit dem Mainnet-Launch Ende Mai hat das Netzwerk, das bis dato noch unter Kontrolle der Web3-Foundation stand, einen wichtigen Schritt in Richtung Dezentralisierung getan. Mit seinem Blockchain-agnostischen Ansatz ist Polkadot darüber hinaus bestens positioniert, um zu einem zentralen Player in der aufkeimenden Ökonomie der verteilten Netzwerke zu werden. Direkte Konkurrenten gibt es bislang wenig: Neben WanChain ist hier insbesondere Cosmos zu nennen.

Auch was die Expertise der Entwickler angeht muss sich Polkadot nicht verstecken. Die Web3 Foundation, die Gavin Wood eigens für die Entwicklung von Polkadot gegründet hat, beschäftigt unter anderem Forscher von der ETH Zürich sowie Entwickler von Parity Technologies. 

Die Governance hatte im Juli ihre Nagelprobe: Die DOT-Holder stimmten für eine Änderung der Denomination des DOT. Dieser setzt sich seit dem 23. August (dem „D-Day“) aus 10 Milliarden kleinsten Einheiten („Planck“) zusammen, 100 Mal weniger als zuvor. Aus einem DOT wurden somit 100 DOT (NEW), der Kurs sank entsprechend von 300 auf 3 – 4 US-Dollar. Vom Mitte September einsetzenden Abverkauf blieb auch der neue DOT nicht verschont. Ein kurzlebiger Höhenflug endete bei 6,44 US-Dollar. In den Folgemonaten handelte DOT in der Range von 4 bis 6 US-Dollar. Ende Dezember erfolgte der Ausbruch – und zwar nach Norden. Zu Redaktionsschluss handelt DOT bei 7,26 US-Dollar – und liefert damit ein starkes Signal zum Jahresausklang.

Polkdadot (DOT): Pro und Contra

Das spricht für ein Investment in Polkadot (DOT)Das spricht gegen ein Investment in Polkadot (DOT)
Interoperabilität als zukunftsträchtiger Use Case Proof of Stake kann -trotz entsprechender Vorkehrungen- in Plutokratie enden
Gavin Wood als einer der kompetentesten Blockchain-EntwicklerInflationsrate von 10 Prozent: Hodln weniger rentabel als Staking
Staking als zusätzliche VerdienstmöglichkeitEthereum 2.0 als potenzieller Konkurrent

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Oktober-Ausgabe des Kryptokompass, dem ersten Börsenbrief für digitale Assets.


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