“Code is Law”: Gilt die Blockchain Mathematik auch vor Gericht?
Max Kops

von Max Kops

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Lukas Abegg ist Anwalt mit einem Masterabschluss für schweizerisches und US-Recht. Zur Zeit ist er an der Humboldt Universität in Berlin zu Besuch und untersucht mit anderen Forschern im Zuge seiner Promotion, wie Technologie und Rechtsfragen miteinander kombiniert werden können.
“Code is law” – Realität oder Wunschvorstellung?

“Code is law” – Realität oder Wunschvorstellung?

Blockchains basieren auf Mathematik und Vertrauen. Wer selbst Nutzer ist, der legt letztlich das Vertrauen in die Mehrheit der Nutzer, die als Miner agieren und Transaktionen validieren. Alles weitere ist pure Mathematik: Entweder kann eine Transaktion bestätigt werden oder nicht.

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Was in der Welt der Blockchain längst trivial scheint, ist eine sehr neue Fragestellung für Juristen und Anwälte. Schließlich gibt es Technologien dieser Art erst seit wenigen Jahren und so ist noch längst nicht geklärt, wie Informationen aus Blockchains bei Rechtsfragen verwertet werden können.

Wenn ein smart contract vor Gericht steht

smart contracts sind eine der Anwendungsmöglichkeiten von Blockchains, die automatisiert bestimmte Regelmäßigkeiten handeln können. Sie sorgen dafür, dass der Kunde an ein Unternehmen zahlt und anschließend automatisch z.B. eine Dienstleistung freigeschaltet wird. Das scheint technisch gesehen eine kluge und vereinfachende Möglichkeit zu sein, um sich eine Menge Papierkram zu ersparen und viele Dinge zu vereinfachen.

Nehmen wir das Wort contract hingegen wörtlich, stellt sich die Frage, in wie weit es sich hierbei noch um einen wirklichen Vertrag handelt, den wir uns bildlich als gedrucktes Dokument mit einer Unterschrift vorstellen. In der Tat haben beide Arten von “contracts” relativ wenig miteinander zu tun. Ein korrekter rechtlicher Vertrag soll die beidseitige Erfüllung der Leistungen sichern. Ein smart contract hingegen ist eine technologische Erfindung, bei der es gemäß dem Blockchain Prinzip keine menschliche Dritte Partei gibt, die über Recht und Unrecht entscheiden könnte. Das wird nicht zuletzt exemplarisch bei einer Bitcoin Transaktion deutlich, die einmal ausgeführt niemals wieder rückgängig gemacht werden kann.

“Code is law” : Herausforderungen in der Zukunft

Abegg sieht in der Zukunft einige Herausforderungen, wenn es um die Etablierung von smart contracts geht:

Die Natur der Informationen

Informationen bestehen aus einem syntaktischen und einem semantischen Teil. Der syntaktische Teil ist eine Art Struktur, die automatisiert in Prozessen (von Computern) verarbeitet werden kann. Eine Semantik erhalten Daten erst durch die menschliche Interpretation dieser.

Es ist schwierig, in so einem komplexen Feld wie Verträgen aus semantischen Vertragsinformationen die korrekte Syntax zu extrahieren, um einen Vertrag in einen digitalen Prozess zu verwandeln und rückwärts.

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Fehlende “Regierung”

Einer der vielen Vorteile von Blockchains, der sich gewissermaßen aus der Dezentralität ergibt, könnte im Zusammenhang mit smart contracts zum Verhängnis werden. Abegg bemängelt unter dem Stichwort “Missing governance”. Im Fall von Missbrauch, wie bspw. beim DAO Hack, gibt es keine geeigneten Möglichkeiten, die Täter innerhalb dieses Systems zu bestrafen. Auch wenn DAO selbst unter dem Leitmotto “Richte keinen Schaden an” (do no harm) betrieben worden sei, konnte man diese semantische Vorstellung nicht in syntaktischer Form in den Quellcode integrieren.

Mathematik und Unveränderlichkeit

Der Code einer Blockchain darf normalerweise nicht verändert werden, ebenso wenig wie bereits ausgeführte Transaktionen. Das sei ein idealtypisches Konzept, findet Abegg, dass schwer mit der Realität zu vereinbaren sei. Schließlich müsste der Code damit “perfekt” sein. Eine Eigenschaft, die man theoretisch betrachtet nie sicherstellen kann.

Hoffnung: smart contracts könnten Vieles vereinfachen

Obwohl Abegg viele Herausforderungen sieht, blickt er den smart contracts hoffnungsvoll entgegen: Zwar sei nach wie vor eine große Initiave in der Erforschung der künstlichen Intelligenz notwendig, dadurch könne man aber zukünftig Rechtsstreitereien auf einer ganz anderen Ebene lösen. Sich wiederholende und ähnliche Prozesse könnten damit außerhalb von Gerichtsprozessen zwischen den Parteien einfacher geklärt werden und damit die Effizienz stark steigern.

Meinung des Autors (Max):

Wenn es um die semantische Erfassung von Verträgen gilt, darf man durchaus von einer der schwierigsten Hürden bei der automatisierten Verarbeitung von Informationen sprechen. Ganz abseits einer Bitcoin Transaktion, die durch ihren Betrag quantifiziert und durch Sender bzw. Empfänger identifiziert werden kann, stellen Verträge eine schiert unendliche Menge an Ausgestaltungen dar. Das ist letztlich pure künstliche Intelligenz und eine Fragestellung, die es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu entwickeln gilt. Sie könnte im Gegensatz zu bisherigen Blockchain Innovationen auch ganz andere Branchen betreffen und gänzlich “restrukturieren”.

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Originalbeitrag Code is Law? Not Quite Yet via CoinDesk

Es handelt sich bei diesem Beitrag lediglich um eine Kolumne, die die Meinung des Autors und (in Teilen) die Ansätze des Autors im Originalbeitrag wiedergibt und keinesfalls um eine rechtliche Beratung oder Handlungsempfehlungen.

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