Der Mai hat begonnen und Deutschland genießt das erste sommerliche Wochenende des Jahres. Passenderweise blühte der Bitcoin-Kurs zuletzt wieder auf und steht nun bei 78.600 US-Dollar, was einem Kursanstieg von 18 Prozent auf Monatssicht entspricht. Doch auch in diesem Jahr stellt eine alte Börsenweisheit sowohl Bitcoin-Investoren als auch Aktionäre vor die Frage, ob sie ihre Gewinne nicht besser realisieren und nach dem Sommerloch wieder einsteigen sollten. “Sell in May and go away, but remember to come back in September” heißt die Empfehlung, die eine höhere Rendite ermöglichen soll.
Die Geschichte hinter der populären Mai-Verkaufsempfehlung
Die Ursprünge der Börsenweisheit reichen weit zurück: Bereits im 19. Jahrhundert galt es in London als ratsam, sich im Mai aus dem Markt zurückzuziehen. Der Grund war weniger ökonomischer als vielmehr gesellschaftlicher Natur, denn wohlhabende Investoren verließen damals im Sommer die Stadt und zogen sich auf ihre komfortablen Landsitze zurück, wodurch Liquidität fehlte und die Märkte an Dynamik verloren. Erst im Herbst kehrten sie zurück – und mit ihnen auch neue Impulse für die Börsen.
Tatsächlich lässt sich der Effekt historisch auch mit statistischen Daten belegen. Für den US-Aktienindex S&P 500 war der Zeitraum von Mai bis Oktober seit 1950 im Schnitt schwächer als die Monate von November bis April. Doch dieser Zusammenhang könnte zumindest teilweise selbstverstärkend sein: Weil Anleger an das Muster glauben, handeln sie entsprechend und tragen so dazu bei, dass es sich scheinbar bestätigt. Eine ähnliche Situation wie bei den berüchtigten vierjährigen Bitcoin-Zyklen. Fraglich ist allerdings, ob diese Logik im heutigen Marktumfeld noch immer greift.
Eine Analyse der Aktienmarktentwicklung der letzten Jahrzehnte spricht tendenziell dagegen. Spätestens seit der Digitalisierung und dem Aufstieg algorithmischer Handelssysteme sind viele einfache Marktanomalien verschwunden. Wer seine Aktien regelmäßig im Mai verkauft hat, musste daher häufig Renditeeinbußen hinnehmen. Selbst ohne Steuern und Gebühren schnitt eine durchgehende Buy-and-Hold-Strategie deutlich besser ab, da auch die Sommermonate oftmals weiterhin positive Renditen liefern.
Bitcoin zeigt sich von “Sell in May” unbeeindruckt
Für Bitcoin gilt die Skepsis an der Börsenweisheit erst recht. Historische Daten der Krypto-Leitwährung belegen, dass der Mai im Durchschnitt eine solide Rendite in Höhe von 7,8 Prozent liefert. Deutlich schlechter schneidet ausgerechnet der September mit einem Minus von 3,1 ab – eben jener Monat, in dem Anleger laut dem klassischen Ratschlag wieder einsteigen sollten. Auffällig ist darüber hinaus, dass Bitcoin dazu tendiert, Trends aus dem Frühjahr im Mai fortzusetzen. Nach zwei positiven Vormonaten wie in diesem Jahr kann das also durchaus ein bullishes Signal sein.
Bitcoin kaufen und den 40-Prozent-Abschlag zum Allzeithoch effektiv nutzen könnt ihr unter anderem auf Coinbase. Die Krypto-Plattform bietet derzeit einen 30 Euro in BTC Bonus.
Neben der Bitcoin-Marktdynamik also solcher spricht auch die steuerliche Situation gegen ein hektisches Umschichten. In Deutschland sind Krypto-Gewinne nach einem Jahr Haltedauer (noch) steuerfrei, wohingegen kurzfristig orientierte Trade auf Basis des persönlichen Einkommensteuersatzes bis zu 42 Prozent ihrer Rendite an den Fiskus verlieren.
Bloomberg-ETF-Experte Eric Balchunas bringt es auf den Punkt: Es könnte an Zeit sein, “Sell in May” endgültig zu beerdigen. Was im 19. Jahrhundert hervorragend funktionierte, sei in “algo-getriebenen 24/7-Märkten” schlichtweg überholt, lag der S&P 500 ETF doch in 25 der letzten 33 Sommerperioden im Plus.
Warum die beliebte Bitcoin-Jahreshaltefrist derzeit auf der Kippe steht und ein Blockchain-Professor die Krypto-Steuereinnahmen der Bundesregierung steigern will, lest ihr im neuen Meinungs-ECHO: “Die Krypto-Haltefrist wird nicht halten”.

