Makroanalyse 

Bitcoin im Wartemodus? Warum es für Entwarnung zu früh ist

Bitcoin hat in den vergangenen Wochen keine neuen Tiefs markiert. Für viele Anleger ist das bereits ein Hinweis auf eine laufende Bodenbildung. Doch steigende Ölpreise, höhere US-Renditen und eine weiterhin bärische Chartstruktur sprechen bislang eher für Vorsicht als für eine bestätigte Trendwende.

Timur Yildiz
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Bitcoin-Kurs vor rotem Chart auf Trading-Screen als Symbol für fragile Marktstruktur und fehlende Entwarnung

Beitragsbild: Shutterstock

| Bitcoin hält sich über den Tiefs, doch der Markt preist eine Entwarnung womöglich zu früh ein

Am Krypto-Markt wächst derzeit die Hoffnung, dass der derzeitige Bitcoin-Kurs sein zyklisches Tief bereits gesehen haben könnte. Schließlich ist die größte Kryptowährung in den vergangenen Wochen nicht mehr unter ihre bisherigen Jahrestiefs gefallen. Gerade diese ausbleibenden neuen Tiefs werden zunehmend als Zeichen einer laufenden Bodenbildung interpretiert.

Bitcoin-Boden erreicht?

Doch genau darin liegt das Problem. Wenn immer mehr Marktteilnehmer überzeugt sind, dass der Boden bereits drin ist, kann das auch ein Warnsignal sein. Bärenmärkte enden selten in einem sauberen Wendepunkt. Häufig ziehen sie sich über Wochen oder Monate, mit mehreren Zwischenanstiegen und Phasen scheinbarer Stabilisierung, die Hoffnung wecken, am Ende aber nur kurze Gegenbewegungen bleiben.

Auch bei Bitcoin passt dieses Muster bislang ins Bild. Der Kurs hat sich zwar von den Tiefs im Bereich der niedrigen 60.000 US-Dollar gelöst, doch von einer bestätigten Trendwende kann bislang keine Rede sein. Der Markt wirkt weniger schwach als noch vor einigen Wochen, aber nicht wirklich stark. Genau das macht die aktuelle Phase so trügerisch.

Das Makroumfeld bleibt ein Gegenwind für Risk Assets

Makroseitig hat sich die Lage zuletzt nicht wirklich entspannt. Im Gegenteil: der Mix aus geopolitischer Unsicherheit, steigenden Energiepreisen und erhöhten Renditen bleibt ein Belastungsfaktor für Risikoanlagen. Vor allem der Blick auf den Ölmarkt ist entscheidend. Bleiben Energiepreise hoch, steigt der Druck auf Transport und Produktion – und damit letztlich auch auf die Verbraucherpreise. Damit wächst auch das Risiko, dass sich Inflationssorgen länger halten als vom Markt erhofft.

Das ist für Bitcoin problematisch. Denn die Kryptowährung profitiert in der Regel von einem Umfeld, in dem Liquidität zunimmt und die Finanzierungsbedingungen lockerer werden. Derzeit ist eher das Gegenteil der Fall. Höhere Renditen auf US-Staatsanleihen belasten kurzfristig sowohl Gold als auch andere Risk Assets und verschärfen die Bedingungen an den Finanzmärkten. Gleichzeitig erhöhen sich damit die Opportunitätskosten für spekulative Anlagen. Auch ein vergleichsweise fester US-Dollar ist in einem solchen Umfeld meist kein Rückenwind für Kryptowährungen.

Hinzu kommt die geopolitische Komponente. Die Spannungen im Nahen Osten und die Unsicherheit rund um Energieflüsse und Handelswege haben das Potenzial, die Märkte noch länger zu beschäftigen. Teile des Marktes könnten eine schnelle Entspannung der Lage womöglich bereits zu früh einpreisen. Sollte sich diese Hoffnung als verfrüht erweisen, dürfte das Risiko neuer Rücksetzer wieder zunehmen. Bitcoin hält sich zwar oberhalb der jüngsten Tiefs, doch das Umfeld spricht weiterhin nicht für eine saubere Rückkehr in einen breiten Risikoappetit.

Auch charttechnisch fehlt weiter die Entwarnung

Seit Anfang Februar bewegt sich Bitcoin in einer Struktur, die an eine klassische Bear Flag erinnert, also an eine bärische Konsolidierungsformation innerhalb eines übergeordnet schwachen Trends. Solche Muster gelten in fragilen Marktphasen häufig als Fortsetzungsformationen, auch wenn sie zwischenzeitlich kleinere Gegenbewegungen zulassen.

Besonders wichtig bleibt der Wochenchart. Dort notiert Bitcoin weiterhin unter dem 21-Wochen-Durchschnitt, den viele Analysten als zentralen Impulsgeber betrachten. Solange diese Marke nicht überzeugend zurückerobert wird, bleibt das Chartbild fragil. Innerhalb der aktuellen Bear Flag bildet der Kurs zwar vorübergehend höhere Hochs und höhere Tiefs aus, doch im übergeordneten Bild bleibt die Struktur weiter anfällig. Die Formation wäre damit eher als Zwischenbewegung innerhalb eines weiterhin schwachen Marktbilds zu lesen. Auch längerfristige Trendumkehrsignale fehlen bislang.

Entscheidend ist nun die große Widerstandszone zwischen 72.000 und 80.000 US-Dollar. Erst wenn Bitcoin diesen Bereich nachhaltig zurückerobert, würde sich das Chartbild spürbar aufhellen. Dann wäre auch ein Anlauf in Richtung 83.000 US-Dollar wieder vorstellbar. Scheitert der Kurs dagegen erneut, dürfte zunächst wieder der Bereich um die 65.000 US-Dollar in den Fokus rücken. Falls sich das Makroumfeld weiter verschlechtert, wären später auch tiefere 60.000er-Regionen bis 57.000 US-Dollar denkbar.

Bitcoin gegen Gold und S&P 500

Auffällig ist zuletzt die relative Entwicklung von Bitcoin gegenüber anderen Märkten. Sowohl im Vergleich zum S&P 500 als auch gegenüber Gold wirkt die Kryptowährung derzeit weniger schwach, als es das schwierige Makroumfeld eigentlich vermuten ließe. Diese relative Stabilität folgt allerdings auf einen zuvor deutlichen Rückgang und ist bislang eher als Gegenbewegung innerhalb eines fragilen Gesamtbilds zu werten.

Doch auch hier gilt, aus relativer Stärke allein lässt sich noch kein nachhaltiger Strukturwechsel ableiten. Im Verhältnis zu Gold nähert sich Bitcoin einer Zone, die auch als Widerstandsbereich gelesen werden kann. Damit bleibt offen, ob die jüngste Outperformance nur eine lokale Gegenbewegung war oder bereits der Beginn einer neuen relativen Stärkephase. Ähnlich verhält es sich im Vergleich zu Aktien. Auch hier fällt Bitcoin derzeit weniger stark als der breite Markt, aber das ist zunächst nur ein relatives Signal und noch keine Bestätigung für einen belastbaren Makro-Boden.

Stabilisierung ist noch nicht gleich Bodenbildung

Bitcoin sendet derzeit gemischte Signale. Positiv ist, dass die Kryptowährung trotz Gegenwind aus Makro, Ölmarkt und Renditeumfeld keine neuen Tiefs markiert hat. Negativ ist jedoch, dass sich daraus bislang noch keine bestätigte Trendwende ableiten lässt. Die übergeordnete Chartstruktur bleibt bärisch, die zentrale Widerstandszone ist weiter intakt und auch makroseitig fehlt bislang die klare Entlastung.

Gerade deshalb könnte sich die aktuelle Marktphase als trügerisch erweisen. Wer die ausbleibenden neuen Tiefs schon als sicheren Beleg für das Ende des Bärenmarktes wertet, greift womöglich zu früh vor. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über die Zone zwischen 72.000 und 80.000 US-Dollar würde das Bild deutlich verbessern.

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