Venture Investor im Interview 

Krypto-Standorte: Das sind die 3 besten Länder für schnelles Wachstum

Wer heute ein Krypto-Startup gründet und schnell wachsen will, sitzt nicht in Berlin oder Wien. Wo der erfahrene Venture-Investor Berthold Baurek-Karlic, CEO von Venionaire Capital, jetzt hinschaut.

Sven Wagenknecht
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Man sieht einen Globus auf dem eine Bitcoin-Münze steht vor blauem Hintergrund.

Beitragsbild: Shutterstock

| Im Gespräch mit BTC-ECHO nennt der Venionaire CEO Berthold Baurek-Karlic drei Länder, die optimale Skalierungsbedingungen für Krypto-Unternehmen bieten

Berthold Baurek-Karlic gehört zu den bekanntesten Venture-Investoren im DACH-Raum. Als CEO von Venionaire Capital begleitet er seit Jahren Technologie- und Krypto-Gründungen und prägt die Standortdebatte im deutschsprachigen Raum mit. Am Rande des World Venture Forums 2026 in Kitzbühel haben wir mit ihm darüber gesprochen, wo er das beste Umfeld für Krypto-Unternehmen sieht, die schnell wachsen wollen. Er nennt dabei drei Länder, die kaum einer auf dem Schirm haben dürfte.

Wenn Europa, dann Schweiz, aber…

Vor einem Jahr sprach Berthold Baurek-Karlic mit BTC-ECHO über den Krypto-Standort Österreich im Vergleich zu Deutschland. Die Debatte drehte sich um MiCA, Bitpanda und den Umgang der FMA mit dem Krypto-Sektor. Zwölf Monate später geht der Blick weiter.

Zur Einordnung startet Baurek-Karlic mit dem europäischen Sonderfall Schweiz: “Ich bin ein großer Europa-Fan und würde sagen: Der Goldstandard für eine Krypto-Foundation ist und bleibt die Schweiz”, so Baurek-Karlic. “Dort finden wir die professionellste Infrastruktur.”

Nur: Wer eine Foundation in Zug aufsetzt, hat noch keinen Nutzer. Und um Nutzer geht es in dieser Frage. Die Schweiz ist die Rechtsform, nicht der Markt. Die drei Länder, über die der Venture-Investor danach spricht, stellen hingegen einen spannenden Markt dar, der sehr aufgeschlossen gegenüber Investoren aus dem Euro-Raum ist.

Brasilien: 220 Millionen Menschen, wenig Wettbewerb, viel Kapital

Baurek-Karlics erstes Beispiel ist Brasilien. “Es gibt Märkte, wo du sehr, sehr viele Endkunden findest, wo du weniger Wettbewerb hast, wo du gut Kapital im Markt hast und wo du schneller und besser durchstarten kannst. Brasilien finde ich in diesem Kontext extrem spannend. Wenn ich es richtig im Kopf habe: rund 220 Millionen Einwohner, Riesenmarkt, jede Menge Unicorns, die wir hier nicht kennen, weil Südamerika groß genug ist, dass die im eigenen Kontinent bleiben. Wenn du eine brillante Idee hast, dann findest du dort ein ideales Marktumfeld vor – allein wegen der Marktgröße und der Nachbarnationen.”

Talente kosten weniger, die Regeln sind klar, die Zeitzonennähe zu den USA hilft beim Skalieren. “Du hast Top-Talente zu einem fairen Preis, du hast ein ganz gutes regulatorisches Umfeld, du darfst dort noch relativ viel, hast aber klare Regeln. Und von Südamerika nach Nordamerika zu springen, ist noch einmal leichter, als aus Europa da rüber zu gehen.”

Ägypten: 110 Millionen Einwohner, hungrige Entwickler, das Tor in den Middle East

Auch hat es Ägypten Baurek-Karlic angetan. “Was mich jüngst wirklich beeindruckt hat, ist Ägypten. Ägypten ist riesengroß, 110 Millionen Einwohner. Großer Markt, wieder top ausgebildete junge Talente, alle hungrig, alle wollen etwas bewegen.”

Die Region hat sich sortiert. Nach den Verwerfungen im Nahen Osten sind die UAE nicht mehr das automatische erste Ziel. Ägypten und der Oman haben sich als Zugänge herauskristallisiert – Länder, in denen Krypto-Regulierung und Krypto-Enthusiasmus im gleichen Raum stattfinden. “Ägypten bietet einen großen Heimatmarkt und es ist das Tor zum Middle East hinein”, so Baurek-Karlic.

Auch die Entwicklerszene hat es dem Venture-Investor angetan. Ägyptische Coder arbeiten nicht am Rand von Web3, sondern mittendrin. “Die Entwickler in Ägypten arbeiten an allerlei Dingen, eben auch am Blockchain-basierten. Und du hast dort richtig starke Fonds.”

Ein Name fällt konkret. Der Investor Valide veranstalte jedes Jahr im Dezember einen Hackathon, sammle ein paar hundert Entwickler ein und ziehe die besten fünfzig in seine Portfoliocompanies. “Wenn du dir das Portfolio anschaust, die Returns, die der macht, die würde ich in Europa gerne sehen.”

Georgien: günstige Coder, niedrige Steuern, Gateway nach Zentralasien

Der dritte Standort liegt näher, ist aber auf keinem europäischen Investor-Radar. “Genauso Georgien, die sind ebenfalls hochmotiviert und wollen etwas bewegen. Zudem ist Georgien ein richtig gutes Gateway nach Zentralasien.”

Die harten Standortfaktoren passen auch. “Die Entwicklerkosten sind niedrig, Steuern ebenfalls, und sicher ist es auch. Insgesamt also eine ganz gute Mischung ” Für ein Krypto-Startup in der Frühphase heißt das eine geringere Burn Rate, hohe Entwicklungsqualität, geografische Nähe zu einem Markt, den westeuropäische Investoren strukturell unterschätzen.

Krypto-Standort Europa hinkt bei Wachstum hinterher

Wer heute ein Krypto-Startup baut und maximale Wachstumsdynamik will, sitzt wahrscheinlich nicht in Berlin oder Wien. Die MiCA-Regulierung ermöglicht zwar eine EU-weite Distribution von Krypto-Dienstleistungen und Assets, allerdings ist sie keine Unterstützung für schnelles Wachstum. Entsprechend sinnvoll ist es, auch hierzulande über den eigenen Tellerrand zu blicken. So betont der Venture-Investor, dass er nach wie vor klar pro Europa ist und an den Standort glaubt, allerdings auch Chancen außerhalb Europas wahrnehmen möchte. “Wir Europäer sind da oft ein bisschen zu gemütlich”, so Baurek-Karlic. “Wir schauen uns diese Ecken nicht an und vergessen, dass der Rest der Welt schon noch wahnsinnig groß ist.”

Die Frage nach dem Krypto-Standort war auch Teil der BTC-ECHO Expertenumfrage. Blickt man auf die Umfrageergebnisse von 44 Brancheninsidern, dann fällt das Urteil zur Europäischen Union eher nüchtern aus.

Nach der Attraktivität einzelner Krypto-Standorte gefragt, bewerten nur 29,6 Prozent der Insider die Europäische Union als attraktiv. Die USA kommen auf 84,1 Prozent, die Schweiz auf 75 Prozent, die Vereinigten Arabischen Emirate und Golfstaaten auf 68,2 Prozent und der asiatische Raum auf 70,4 Prozent. Die EU rangiert damit abgeschlagen mit Großbritannien und Lateinamerika am unteren Ende der Auswertung. Die Zahlen untermauern, was viele Insider in ihren Kommentaren befürchten: Rechtssicherheit allein macht noch keinen Leitmarkt.

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