Ist Self Custody zu gefährlich? 

1,6 Millionen in Bitcoin verloren: Kanadischer Unternehmer berichtet vom Coldcard-Hack

Der Kanadier Jonathan Goodman hatte 18,25 Bitcoin zusammengespart. Binnen sieben Minuten stahlen ihm die Coldcard-Hacker alles.

Tobias Zander
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Bitcoiner vor entleerter Wallet

Beitragsbild: Shutterstock I Fotomontage

| Einige Bitcoin-Anleger haben durch den Coldcard-Hack alles verloren

Seit Tagen erschüttert der Coldcard-Hack die Bitcoin-Szene in ihren Grundfesten. Bislang betrafen Hacks und Veruntreuungen vor allem zentralisierte Krypto-Börsen wie Mt. Gox oder FTX, doch nun gerät das alte Selbstverwahrungsideal unter Druck. Nach Angaben von Alex Thorn, Forschungsleiter bei Galaxy, läuft aktuell wohl eine vierte Angriffswelle, der weitere 449 Bitcoin zum Opfer fallen könnten. Der Gesamtschaden steige damit auf mehr als 1.600 Bitcoin im Wert von über 100 Millionen US-Dollar. Hinter diesen abstrakten Zahlen verbergen sich viele persönliche Leidensgeschichten. Eine davon erzählt der kanadische Unternehmer Jonathan Goodman.

“Am 29. Juli wurden bei dem Hackerangriff auf die Coldcard-Wallet 1,6 Millionen kanadische Dollar in Bitcoin von meinem Konto abgezogen”, schreibt Goodman in einem X-Post. Hacker hatten zuvor eine Sicherheitslücke in dem Teil des Codes der Hardware-Wallet entdeckt, der zur Erstellung von Seed-Phrasen verwendet wird, und konnten diese mithilfe von KI per Brute-Force-Angriff erraten.

“Ich habe mich bei Wasabi angemeldet – einer Software, mit der ich meine Bitcoin-Wallets online einsehen kann”, schildert der Kanadier sein Schreckenserlebnis. “Sofort sah ich eine Reihe roter Transaktionen – Abhebungen – und da wusste ich Bescheid. Zwischen 21:36 Uhr und 21:43 Uhr am 29. Juli waren alle meine Wallets leergeräumt worden.”

Bitcoin-ETF-Anbieter als Profiteure?

Insgesamt verlor er 18,25 Bitcoin. Dabei hatte sich Goodman strikt an die Self-Custody-Regeln gehalten: “Ich habe meine Seedphrase niemals jemandem mitgeteilt. Meine Geräte hatten nie Zugang zum Internet. Alles wurde in mehreren Tresoren und Schließfächern aufbewahrt.” Letztlich blieb ihm nichts weiter übrig, als Anzeige bei der Polizei in Ontario zu erstatten – mit wenig Aussicht auf Erfolg. “Ein Teil von mir versucht, das Geschehene zu verstehen. Oder darin eine Lehre zu finden. Mir fällt das schwer. 1,6 Millionen kanadische Dollar sind eine unglaubliche Summe.”

Deutsche Bitcoin-Hodler sollten wegen des Coldcard-Hacks nicht in Panik geraten. Die beliebten europäischen Hardware-Wallets von Trezor, Ledger oder BitBox sind nicht betroffen. Dennoch könnte das Image von Selbstverwahrung einen nachhaltigen Schaden durch den Hack erleiden. Bloomberg-Experte Eric Balchunas sieht BlackRock, Fidelity und Co. als Gewinner des Vorfalls: “Mit einem ETF profitiert man sowohl von der Sicherheit eines riesigen, seriösen und professionell geführten, regulierten Unternehmens als auch von spottbilligen Gebühren.”

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