Distribute 2017: Einblicke vom Hamburger Blockchain-Event

Quelle: http://www.distribute-conference.com

Distribute 2017: Einblicke vom Hamburger Blockchain-Event

Am Freitag fand die Distribute 2017 in Hamburg statt. Wir von BTC-ECHO waren vor Ort und geben euch einige Einblicke über die Veranstaltung.

Auf der Distribute wurden Kurzvorträge im Rahmen von 30 Minuten zu Blockchain-Themen gehalten. Neben der Vorstellung neuer technischer Herausforderungen ging es ebenso um regulatorische Fragestellungen und weiterhin sogar um die globale Standardisierung von Blockchains. Dazu folgen hier einige Beispiele von Vorträgen, die wir persönlich auf der Distribute interessant fanden:

Blockchain für den 3D-Druck

Der 3D-Druck ist eines der aufstrebenden Themen im produzierenden Sektor und verändert viele organisatorische Strukturen der Branche, die bis vor kurzem von wenigen, großen Konzernen dominiert wurde. Hier kommt nun das SAMPL-Projekt ins Spiel, welches von Chainstep vorgestellt wurde und als Konsortial- sowie Förderträger die Prostep AG hat. Dieses Projekt hat zum Ziel eine neue Blockchain-Lösung zu entwickeln, die den sicheren Austausch von Produktionsdaten ermöglicht. Das bedeutet, dass Produzenten sich dezentral über die gesamte Welt verteilen können. Wird an einem bestimmten Standort ein Produkt nachgefragt, ist es möglich, dem in der Nähe befindlichen Produzenten eine Produktionsdatei zukommen zu lassen, die ihm die Produktion genau dieses originalen Produkts ermöglicht. Durch die Blockchain soll zusätzlich durch die dezentrale Eigenschaft eine besondere Sicherheitsstufe gewährleistet werden, die für die Druckdaten notwendig ist. Entscheidend an der Technologie sei, dass man die Druckdaten über die Blockchain übertrage und damit eine besondere Datensicherheit garantiere. Mit diesem Projekt konnte das Konsortium sogar eine Förderung des Bundes erlangen. Das Projekt läuft bis Ende 2019 und soll auf Ethereum-Basis das Ziel der Losgröße 1, also der individuellen, exakt bedarfsgerechten Fertigung, erreichen.

Blockchain für Submetering

Eine weitere Branche, bei der über eine Blockchain-Kompatibilität nachgedacht wurde, ist die der Strommesser. Das sogenannte Submetering bezeichnet die Messung des Energieverbrauchs von Wohneinheiten. Mit bereits existierenden Smartmetern versuchen Startups, unter Einsatz der Blockchain, faire Abrechnungsmodelle zu erstellen. Da Wohneinheiten in der Regel gemeinsamen abgerechnet und die Kosten unter den Mietparteien aufgeteilt werden, versuchen Startups, anhand eines Smart Contracts faire Beträge für jede Mietpartei zu ermitteln. Das alles soll auf der Ethereum-Blockchain basieren, sodass sich entsprechende Daten öffentlich einsehbar nachvollziehen lassen. Dies war jedoch auch der größte Kritikpunkt während der Diskussion – schließlich berührt man damit auch viele Fragestellungen des Datenschutzes, äußerten viele Besucher im Anschluss an die Präsentation.

Blockchain für die Revolutionierung des internationalen Zahlungsverkehrs

Die Blockchain scheint geradezu wie gemacht für Use-Cases aus der Finanzbranche. Durch die Ausschaltung von Drittparteien bietet sie enorme Einsparungspotenziale, die sich auch Bitwala zu Nutze machen möchte. Das in Berlin ansässige Unternehmen möchte unter anderem globale Geldtransfers revolutionieren. Statt lange Wartezeiten von mehr als einer Woche für Geldtransfers hinzunehmen, ermöglicht Bitwala durch die Nutzung digitaler Währungen Geldtransfers in wenigen Minuten. Das geschieht, indem der Kunde den Betrag in seinem Herkunftsland einzahlt, der entsprechende Betrag in Bitcoin getauscht wird, in das Zielland transferiert und dort wiederum in die lokale Fiatwährung umgetauscht wird. Dadurch, dass Bitwala zentrale Schnittstellen wie das SWIFT-Netzwerk aus dem Prozess des internationalen Geldtransfers ausschließt, kann eine geringe Gebühr von 0,5% ermöglicht werden. Die technologische Innovation beschert dem mittlerweile 15 Mitarbeiter starkem Team aus Berlin große Wachstumspotenziale: Im Jahr 2018 rechnet Bitwala mit einem Volumen von 500 Millionen Euro für internationale Geldtransfers. Damit aber nicht genug: Das Startup legt sich mittlerweile sogar mit der Deutschen Bank an. Während letztere 38 Währungen für den internationalen Geldtransfer unterstützt, ist bei Bitwala bereits jetzt ein Geldtransfer in 30 verschiedenen Währungen möglich. Bis Ende des Jahres möchte man die Deutsche Bank jedoch einholen.

Wo steht die Blockchain in Deutschland?

Eine Frage, die sich auch BTC-ECHO immer wieder stellt, ist die nach der Frage des Fortschritts von Blockchain-Technologien im deutschen Raum. Auf der Distribute 2017 widmete man dieser Frage eine eigene Diskussionsrunde, zu der einige der Speaker eingeladen waren. In der Vergangenheit wurde immer wieder kritisiert, dass die deutsche Regulierung Innovationen verhindere. Die Diskussionspartner auf der Distribute waren hingegen der Meinung, dass vor allem die folgenden drei Herausforderungen der Blockchain-Verbreitung im deutschen Raum Schwierigkeiten bereiteten:

  1. Regulierung
  2. Komplexität
  3. Infrastrukturrelevanz

Andererseits solle man von der bekannten Skepsis auch auf tatsächliche Umsetzungen blicken – genannt wurde beispielsweise, dass die Deutsche Bahn allein bereits sechs bis sieben Mitarbeiter beschäftigt, die sich einzig und allein mit der Blockchain-Technologie auseinandersetzen.
Ist die Blockchain also im Unternehmenskontext angekommen? Jein, meinen die Teilnehmer. Nach wie vor sei die Blockchain eine Technologie, die viele Dinge ermögliche, allerdings wenige Use-Cases anbiete, die sich praktisch bereits nutzen ließen. Dadurch sei vor allem ein organisatorisches Problem gegeben – Auf Senior-Ebene von Unternehmen sei es für Manager nur schwer zu rechtfertigen, sich mit der Blockchain-Technologie auseinanderzusetzen. Eng zusammen hängt dies mit der “Kannibalisierung des Geschäfts”, wie sie in der Diskussion angesprochen wurde. Da die Blockchain durch ihre disruptive Kraft viele Aufgaben eliminiert, entledigt sie bestimmte Prozesse auch von gewissen Dienstleistungen. Unternehmen hätten demnach nicht immer ein Interesse, Blockchains einzusetzen, weil diese bestehende Business-Modelle ersetzen und vielen Parteien ihre Daseinsberechtigung nehmen würde.

Datenschutz

Eine wohl zentrale Schwierigkeit – so identifizierten es die Diskussionsteilnehmer – sei auch der Datenschutz. Da deutsche Bürger prinzipiell das Recht auf Löschung ihrer Daten haben, sei es schwierig, Blockchain-Technologien einzusetzen, bestehen diese geradezu aus ihrer Unveränderbarkeit und öffentlichen Zugänglichkeit.

Abschließend hat die Distribute 2017 in Hamburg gezeigt, dass es durchaus regulatorische Hürden gibt, die einen schnellen, flächendeckenden Einsatz der Blockchain-Technologie verhindern. Auf der anderen Seite haben Startups wie Bitwala bewiesen, dass man auch als in Berlin ansässiges Startup eine weite Adaption erreichen und mit einem klar definierten Business-Case entsprechende Ideen umsetzen kann. Wir freuen uns auf die Zukunft und werden die vorgestellten Projekte weiter verfolgen.

BTC-ECHO

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