Coinbase, Gab und die libertäre Bitcoin-Szene

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

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Quelle: Shutterstock

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Coinbase schließt das Geschäftskonto der Social-Media-Plattform Gab sowie den privaten Account ihres Gründers Andrew Torba. Die Hintergründe führen uns in die rechtsextreme Troll- und libertäre Bitcoin-Szene. Die Grenzen verlaufen nicht immer starr.

Den Umgang mit Hass-Postings haben Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter bekanntermaßen eher mittelgut im Griff. Zwar gibt es auf beiden Netzwerken jeweils die Möglichkeit, strafbewehrte oder diffamierende Postings zu melden, ob der Beitrag dann entfernt wird, obliegt aber den Betreibern des Netzwerks selbst. Man bekommt aber immerhin den Eindruck, dass die Plattformen zumindest strafbare Einlassungen mittlerweile relativ zuverlässig unterbinden.

Obwohl so mancher immer noch der Meinung ist, das reiche nicht, zieht sich auf den großen Plattformen damit die Grenze des Sagbaren enger. „Zensur!“ schreien die einen, „notwendige Maßnahmen für ein erträgliches Miteinander“ nennen es die anderen.

Gab als Plattform rechter Utopien

Trotzdem sorgt der steigende Druck seitens Facebook und Twitter dafür, dass sich neue soziale Netzwerke bilden, die sich anschicken, es besser zu machen. So auch Gab. Auf seiner Website wirbt das Netzwerk mit den Worten:

„Ein soziales Netzwerk, das sich für freie Meinungsäußerung, individuelle Freiheit und den freien Informationsfluss im Internet einsetzt. Alle sind willkommen.“


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Gab, man ahnt es, zieht rechte Trolle an. Bekannt wurde das erst zwei Jahre alte Netzwerk durch Postings des mutmaßlichen Pittsburgh-Attentäters Robert Bowers. Bowers wird vorgeworfen, im Oktober letzten Jahres in einer Synagoge elf Menschen getötet zu haben. Die antisemitische Tat war der verheerendste Anschlag auf eine jüdische Einrichtung in der Geschichte der USA.

Kurz vor der Tat setzt der mutmaßliche Täter von Pittsburgh dieses Posting auf Gab ab.

Obgleich Gabs CEO Andrew Torba versicherte, dass solcherlei Beiträge die Ausnahme seien, regte sich Kritik am Umgang mit ultra-rechten Postings. Zwar seien demnach strafbewehrte Posts und Inhalte, die Gewalt und Terrorismus propagieren auch auf Gab eine rote Linie. Die Plattform gilt aber nach wie vor als Sammelstelle für Nationalisten und die US-amerikanische Alt-Right-Bewegung.

Torba selbst fiel in der Vergangenheit immer wieder durch erzkonservative bis rechtsextreme Äußerungen auf. So unterstützte er 2016 offen die Kandidatur des Alt-Right-Aktivisten Paul Nehlen.

Republikaner Paul Ryan nennt Torba einen „soft-boy loser“.

Für Coinbase ist der Bogen überspannt

Jetzt scheint auch für Coinbase die Grenze des Ertragbaren erreicht worden zu sein: Nachdem die Krypto-Börse das Geschäftskonto von Gab bereits im Dezember letzten Jahres hat schließen lassen, folgte nun der private Account von Torba. Dies teilte Gab selbst via Twitter mit.

https://twitter.com/getongab/status/1081255271429681153

„Wie vorhergesagt: Die Börsen fangen an, nicht nur Unternehmen, sondern auch Einzelpersonen zu zensieren. @coinbase hat nun sowohl Gab’s Händler-Account als auch Andrew Torbas persönlichen Account gesperrt.“

Die Rechte wittert Zensur

Solcherlei Bestrebungen sind sodann typischerweise Wasser auf die Mühlen derjenigen, die schnell Zensur wittern. Dementsprechend aufgebracht reagierte die Gab-Community auf Twitter.

Dass bereits im letzten Jahr Zahlungsdienste wie PayPal und Stripe ihre Zusammenarbeit mit Gab beendeten, blieb unerwähnt.

„Wenn eine Website die Verewigung von Hass, Gewalt oder diskriminierender Intoleranz zulässt, ergreifen wir sofortige und entschlossene Maßnahmen“,

begründete ein PayPal-Sprecher damals den Schritt.

„Schändlich“ nannte Twitter-User @Crypto_Bitlord die Coinbase-Entscheidung.

Wahrscheinlich erregte der Schritt in der Bitcoin-Community deshalb so viel Ärger, weil die Kryptowährung als Vehikel wahrgenommen wird, mit dem sich libertäre Utopien verwirklichen lassen. In dieser Vorstellung sieht sich die libertäre Bitcoin-Szene durch Coinbase offenkundig verraten.

Antisemitismus und Hass haben mit „freier Meinungsäußerung“ allerdings nicht mehr viel zu tun. Dass Coinbase das genauso sieht, hat die Börse bewiesen.

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