Chinas erste Mining Conference – größere Blöcke?

People running at Huangpu River riverside with Shanghai, China

Diese Aussage war nicht nur scherzhaft gemeint – Ein Redner bei der ersten chinesischen Miner Conference sagte, dass wenn alle Anwesenden eine 51% Attacke auf das Netzwerk ausführen würden, dann wären sie damit wahrscheinlich erfolgreich.

Über das eher neblige Wochenende versammelten sich rund 250 Menschen (welche hauptsächlich aus Chengdu kommen) in einer geräumigen Konferenzhalle. Das Event trug den Titel “China’s Miners’ Conference” und war größtenteils ein Promotion-Event des großen Miners Bitmain. Doch trotz Promotion kamen die meisten Menschen nicht nur wegen des scharfen Essens.

Seit neustem hat Sichuan den Ruf des Zentrums des Bitcoin Minings bekommen. Die dortigen Wasserkraftanlagen (welchen eine gehörige Überversorgung droht) haben Heerscharen von Minern angezogen. Dort niedergelassen bauen sie riesige Mining Farmen mit der Größe von ganzen Datenzentren.

Miner waren aber wohl nicht die einzigen die an diesem Event teilgenommen haben. Einige werden ihre Visitenkarten ausgetauscht haben. Wahrscheinlich gab es Angebote für günstige Energie oder Hilfe für den Bau kosten-effizienter Mining Farmen – alles um am Profit der Miner teilzuhaben.

Andere werden wahrscheinlich keine Produkte verkauft haben. Sie werden eher, wie Huang Shilian – ein bekannter Bitcoin Autor – mit der Idee dort gewesen sein, den Umsatz für die Miner zu verbessern.

Auf der Bühne macht Huang gerne außerordentliche Behauptungen. Seine Kommentare zur Skalierungsdebatte der Blockchain, einen für die meisten ausländischen Zuhörer wahrscheinlich eigenartig klingen, beachtet man die neuen technischen Lösungen die der Westen in dieser Debatte vorgeschlagen hat.

In seiner Rede sprach Huang viel über seinen Weg der ihm zum Bitcoin geführt hat. Aber er kam zu dem einen springenden Punkt zurück – Profit.

“Im Jahr 2014 habe ich viele Bitcoin gekauft – damals sagten diese alten Hasen mir das ein Bitcoin in zehn Jahren rund 10.000 US Dollar wert sein wird. Ich dachte mir sollte das stimmen, dann würde ich reich werden”, sagte er.

Er schien auch Erfahrung damit zu haben eine Menge anzustimmen.

“Heute habe ich eine Frage mitgebracht. Wie lange wollt ihr schürfen?” sagte Huang.

Aus der Menge tönte es: “Für immer! – Ein Leben lang!”

“Meine Antwort ist acht Jahre”, sagte er und ließ diese Aussage mit einer Pause sacken.

Es scheint fast so, als gebe es keinen besseren Weg mit einer Menge Minern zu sprechen als sie zu fragen, wie lange sie in ihrem Geschäft bleiben wollen.

Volle Blöcke

Huangs wichtigste Kommentare widmeten sich dem Problem der Skalierung, oder wie die Bitcoin Blockchain für zukünftige Transaktionen verbessert werden soll.

Statt den Fokus auf schrittweise Lösungen zu setzen (wie dem Segregated Witness, welcher im letzten Bitcoin Software Upgrade hinzugefügt wurde), nahm er einen anderen Weg. Seine Rede widmete sich den aggressiven on-chain Lösungen für die Skalierung, welche bereits eine beschauliche Minderheit von Enthusiasten um sich gescharrt haben.

Als Huang das Thema aufgriff stellte er fest, dass die Miner “mehr oder weniger festlegen” wie das Bitcoin Netzwerk skaliert wird. Dann widmete er sich der Leinwand, auf der verschiedene Diagramme mit Bitcoin Daten von Blockchain.info zu sehen waren.

“Dieses Diagramm zeigt das Transaktionsvolumen der letzten zwei Jahre – es zeichnete sich ein Aufwärtstrend ab, bis eine feste Grenze erreicht wurde und seitdem hat es kein weiteres Wachstum für ein halbes Jahr gegeben. Warum kein Wachstum? Weil die Blöcke voll sind. Schauen Sie sich dieses Diagramm an, es zeigt dass alle Blöcke in den letzten 90 Tagen voll waren”, sagte er.

Huang erwähnte, dass diese technische Begrenzung aus einer ökonomischen Perspektive gesehen werden sollte. Begrenzter Speicher Platz, so sagte er, wurde zu höheren Gebühren führen und das könnte potentielle Bitcoin Nutzer abschrecken.

“Viele Leute sprechen sich dafür aus. Erhöht die Gebühren, schließt jene aus die sich weigern zu zahlen. Kann man das umsetzen? Ziemlich schwer. Je höher die Gebühr, desto weniger Nutzer, weniger Transaktionen, weniger Gebühren insgesamt – es gibt keinen Grund dafür, dass die Leute Bitcoin nutzen müssen”, sagte er.

Huang sagte, dass andere Kryptowährungen wie Litecoin oder Ethereum durch eine solche Situation besser Fuß fassen könnten.

Anreiz für Profit

Im Bezug darauf erklärte Huang was die Änderung der jetzigen Transaktionsgrenze von 1MB pro Block auf 2MB, 8MB oder “mehr” bringen würde.

Er argumentierte damit, dass größere Blöcke besser für Miner wären, und damit lukrativer.

“Meine Argumentation – falls die Blockgröße angehoben wird, wie beeinflusst das die Miner? Angenommen die Blockgröße wird in acht Jahren ach Gigabits erreichen – das ist jetzt rein theoretisch, dann würden die täglichen Transaktionsgebühren mehr als das tausendfache der heutigen (59 BTC) sein, also 59.000 BTC. Sollten sie bis dahin immer noch 1/100 der gesamten Hashrate besitzen, werden sie 500 BTC verdienen können, das ist eine riesige Summe – Das ist der mathematische Beweis dafür, dass größere Blöcke mehr Transaktionsgebühren einfahren”, sagte er.

Huan führte diesen Gedanken weiter und argumentierte damit das größere Blöcke der Mining Hardware eher Langlebigkeit verleihen würden. Dies ist natürlich eine Angelegenheit die den Minern nah an ihre Brieftasche geht.

“Wenn wir ein Gesetz verabschieden würden das die weltweite Stahlproduktion auf drei Tonnen begrenzen würde, dann würde ganz offensichtlich die neueste Technik die alte ersetzen” sagte Huang.

Später erhielt er die Anwesenden dazu an sich ein Internet vorzustellen, welches begrenzt wäre.

Nach weiterer Ausführung erklärte er seine Lösung – größere Blöcke.

Huang sagte:

“Das mag ziemlich kontrovers sein und vielleicht auch ein bisschen extrem, aber ich will es dennoch sagen – setzt eure Hashrate für die Pools ein, in die Skalierung unterstützen.”

Kontroverse Wissenschaft

Es ist nebenbei zu erwähnen, dass seine Bemerkungen repräsentativ für die Debatte in China sprechen, aber seither von den Bitcoinentwicklern kritisiert worden sind.

Im Anschluss an diese Rede wurden Studien zitiert, die zeigen dass die Aussagen von Huang irreführend sein könnten. Der Wert des Bitcoin würde vielmehr durch die breite Masse seiner Nutzer festgelegt werden.

Die Bitcoin Core Entwickler zitierten die Arbeit einiger Princeton Wissenschaftler wonach Bitcoin ohne eine wertvolle Block-Unterstützung instabil werden könnte. Diese Erkenntnis mag entgegen der Annahme stehen, dass ein Gebührenmarkt allein Bitcoin tragen könnte.

Weiterhin stellten die Entwickler fest, dass die Miner nicht einfach zu einer neuen Blockchain durch einen Hard Fork wechseln können, da sie die Zustimmung der Full Nodes und der Nutzer haben müssen. Diese nutzen die Blockchain auch für kommerzielle Zwecke nutzen.

Dies beinhaltet das Risiko, dass die Blockchain sich in zwei Blockchain aufteilt und damit den Wert Währung insgesamt verringert.

Es bleibt aber dennoch abzusehen ob technische Argumente dabei helfen die Miner für eine schrittweise alternative Lösung des Problems zu motivieren. Dies wäre die Skalierung des Protokolls durch den Soft Fork.

Miner können nun ihre Unterstützung für SegWit aussprechen. Das technische Upgrade benötigt aber 95% der Miner als Unterstützung. Erst dann kann es nach zwei Wochen aktiviert werden.

BTC-Echo

Englische Originalfassung von Eric Mu via coindesk

Über Danny de Boer

Danny de BoerDanny de Boer arbeitet als Social-Media-Redakteur für BTC-ECHO und ist dabei insbesondere auf die Produktion von Videos und Videoreportagen spezialisiert. Er studiert Medien- und Kommunikationsinformatik an der Hochschule Kamp-Lintfort. Seit Jahren ist Danny großer Verfechter des revolutionären Potentials von Kryptowährungen und konzentriert sich entsprechend auch in seinem Studium auf die Bereiche IT-Sicherheit und Kryptographie.

Bildquellen

  • People running at Huangpu River riverside with Shanghai, China: © ake1150 - Fotolia.com
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