Bitcoin Mining – Wie die Anreizstruktur im Netzwerk den Kurs bestimmt

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 4 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

Quelle: Shutterstock

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Der Zusammenhang von Bitcoin Mining und -Kurs wird gemeinhin unterschätzt. Welche Rolle spiel das Bitcoin Mining bei der Preisfindung? Wieso steigt in Erwartung einer anstehenden Halbierung des Block Reward der Bitcoin-Kurs historisch gesehen an? Und lohnt sich das Mining für den Einzelnen? Das sollten Anleger über das BTC Mining wissen.

Die Hash Rate steigt wieder. Derzeit beträgt die akkumulierte Rechenleistung im Bitcoin-Netzwerk 51,5 Millionen Terahashes pro Sekunde (Th/s). Verglichen mit dem mittelfristigen Tiefstand von etwa 35 Millionen Th/s im Dezember 2018 ist ein signifikanter Anstieg der Hash Rate in weniger als einem halben Jahr zu beobachten.


Bitcoin Hash Rate seit April 2018

Der Anstieg fällt indes in einen Zeitraum, in dem noch überhaupt nicht klar war, ob der Bitcoin-Kurs seinen Boden bereits gefunden hat. Wie ist es also zu erklären, dass Mining-Farmen den Betrieb wieder aufnehmen, ohne dass ein Kurssignal dies rechtfertigen würde?

Reward Halving löst Akkumulation aus

Des Rätsels Lösung liegt im Bitcoin Core Code. Dieser sieht nämlich vor, den sogenannten Coinbase Reward – also den größten Teil des Lohns für die Miner – alle vier Jahre zu halbieren. Die ökonomische Schockwirkung dieses sogenannten Coinbase Reward Halvings ist nicht zu unterschätzen. Man stelle sich vor, der zusätzliche Supply eines Assets wie Gold würde nicht konstant sein, sondern sich disinflationär von Jahr zu Jahr verringern. Die Kursreaktionen würden nicht auf sich warten lassen. Schließlich sorgt die Verknappung einer Wertanlage meist für dessen Kursanstieg. Das Verhältnis von bestehendem Supply („Stock“) und der jährlich hinzukommenden Menge („Flow“) nennt man „Stock-to-Flow“.

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Inflationsrate von Bitcoin. Derzeit sind bereits 84 Prozent aller BTC gemint. Bildquelle: BitcoinWiki

Wir haben bereits festgestellt, dass die Coinbase Rewards den größten Teil des Umsatzes der Bitcoin Miner ausmachen. Allerdings behauptet niemand, dass Miner frisch geschürfte BTC direkt auf den Markt werfen müssen.

Im Gegenteil: Eine übliche Strategie ist es, nur einen Teil der geminten BTC zu liquidieren, etwa um die laufenden Kosten zu decken. Das übrige BTC-Vermögen verbleibt in aller Regel im Cold Storage der Pools, bis hohe Kurse eine Liquidation rechtfertigen.

Mit dem Reward Halving wird es ab Mai 2020 doppelt so schwierig sein, Bitcoin zu akkumulieren. Wer bereits heute die Hash Rate hochfährt, kann davon ausgehen, bis Mai nächsten Jahres über ein komfortables Polster an BTC zu verfügen.

Mit der Halbierung des Coinbase Reward auf 6,25 BTC halbiert sich auch die Bitcoin-Inflationsrate von aktuell 3,8 Prozent auf etwa 1,8 Prozent. Bitcoin schreitet damit weiter auf den Pfaden eines sich zunehmend verknappenden Assets.

Übrigens: Der Umstand, dass geschürfte BTC häufig zunächst bei den Minern verbleiben, verknappt das Angebot zusätzlich – und treibt somit den Preis.

Für wen sich Mining lohnt

Das Mining soll die Netzwerkintegrität sichern und nicht einer kleinen Gruppe von Mining Pools zu Reichtum verhelfen. In den allermeisten Fällen ist Mining daher nicht profitabel. Dies gewährleistet der Bitcoin Core Code mit der dynamischen Anpassung der Mining Difficulty, also dem Schwierigkeitsgrad, einen neuen Hash zu finden. Laut Code soll alle zehn Minuten ein Block gefunden und damit der Coinbase Reward emittiert werden.

Geschieht dies aufgrund eines Überhangs an Hash Rate im Netzwerk schneller als durchschnittlich innerhalb von zehn Minuten, passt sich automatisch die Difficulty an.

Trotzdem ist es in Ausnahmefällen möglich, ein profitables Mining-Business aufzubauen. Dies, man ahnt es, hat mit den Strompreisen zu tun. Denn Mining Rigs verbrauchen immense Mengen an Energie.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel: Nehmen wir an, alle Miner arbeiten mit dem Antminer S9 von Bitmain. Nimmt man dessen Spezifikationen zur Grundlage, kann man davon ausgehen, dass Miner bei Stromkosten von 0,05 US-Dollar pro kWh profitabel schürfen können – solange der Bitcoin-Kurs 3.250 US-Dollar nicht unterschreitet.

Hier liegt die Krux: Stromkosten von 0,05 US-Dollar findet man nur an wenigen Standorten weltweit. Selbst in China liegt der Durchschnitt beim etwa 0,08 US-Dollar. Einzig während der Regenzeit können Mining-Farmen durch Pauschalverträge den Strompreis unter eine kritische Marke drücken und profitabel schürfen.

Mit etwa 0,35 US-Dollar pro kWh gehört Deutschland hierzulande übrigens zu den Rekordhaltern; ein profitables Bitcoin Mining ist damit nicht möglich.

Fazit

Das Sichern der Netzwerkintegrität von Bitcoin mit dem Proof-of-Work-Algorithmus ist genial. Schließlich setzt es in Verbindung mit den periodischen Reward Halvings genau die richtigen Anreize für alle Netzwerkteilnehmer. Sowohl Miner als auch Investoren akkumulieren im Wissen um den zyklischen Verlauf des Bitcoin-Kurses im Vorfeld einer Halbierung der BTC-Inflationsrate Coins. Dies treibt den Kurs nordwärts und spült sowohl neue Miner als auch Anleger in den Markt. Davon profitieren alle: Anleger und Miner erzielen Renditen und das Netzwerk wird größer – und damit auch sicherer.

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