B.Y.O.B. – Vor- & Nachteile der finanziellen Unabhängigkeit

In der Kryptowelt steht B.Y.O.B. nicht für “Bring Your Own Beer”, sondern für “Be Your Own Bank”. Unter dieser Betrachtung repräsentiert B.Y.O.B. die ursprüngliche Mantra hinter Bitcoin – die Vision Satoshi Nakamoto’s Unabhängigkeit gegenüber den staatlich geführten Währungen zu erhalten. Doch die Freiheit kommt nicht ohne Preis. 

Mit großer Macht kommt große Verantwortung.

– Onkel Ben

… ist der letzte Satz den Peter Parker, aka. Spiderman, von seinem Onkel Ben hört. Oft findet dieser Satz in den unterschiedlichsten Kontexten Anwendung – so auch im Universum von Bitcoin & Co.

Sei deine eigene Bank

Die Finanzkrise 2008/2009 verpasste dem Bankensystem einen tiefen Riss. Lehman Brothers Pleite war die größte der Weltgeschichte. Die US-Regierung verabschiedete 2008 ein “Rettungspaket” von 700 Milliarden US-Dollar. Außerdem startete die amerikanische Zentralbank, Federal Reserve Bank, die sogennante “Quantitative Lockerung” und druckte in Folge dessen rund 3,5 Billionen US-Dollar. Dieses Geld kommt letztendlich aus den Taschen der Steuerzahler. Dabei hat die Bevölkerung keine Wahl – das gesetzliche Zahlungsmittel muss verwendet werden (beispielsweise beim Begleichen der Steuerlast). Das Volk ist also Geisel eines wirtschaftlichen Experiments epischer Proportionen.

Da kommt Bitcoin wie gerufen. Dank Satoshi Nakamoto existiert nun ein alternatives Zahlungsmittel, das die Menschen nutzen können, wenn sie möchten. Bitcoin bietet jedem von uns eine Möglichkeit: Man kann selbst für sein Geld verantwortlich sein – die eigene Bank. Wo ist da der Haken?

Nicht für die Fehler anderer bezahlen

In Anbetracht der experimentellen Geldpolitk der Zentralbanken ist der Vorteil von Bitcoin offensichtlich. Die Geldmenge in Bitcoin ist durch den Quell-Code vorgegeben und kann nicht willkürlich verändert werden. In Bitcoin kann ein Staat sich nicht dazu entscheiden, mehrere Billionen zu drucken. Auch die Konfiszierung der Gelder der Bevölkerung gestaltet sich unmöglich. Insofern ist Bitcoin ein sicherer Hafen: die Regeln sind klar, keine zentrale Autorität kann sie verändern. Deswegen ist Bitcoin von staatlichen Geldsystemen unabhängig.

Unabhängig sind Bitcoin-Nutzer auch von Treuhändern. Abgesehen von einem fehlenden Herausgeber können Anwender ihr Geld auch selbst verwalten. Kurz: B.Y.O.B. So schützt man sich vor Eventualitäten wie der Lehman Brothers Pleite. Nicht zu vergessen, dass damals etliche Renter ihre Altersvorsorge verloren.

Also: Das eigene Halten des Geldes tilgt das gegenparteiische Risiko (englisch: counterparty risk). Das heißt, das Risiko, durch Misswirtschaft einer anderen Partei (bspw. der Bank), sein Geld zu verlieren. Darüberhinaus ist Bitcoin unabhängig von einem zentralen Herausgeber der Währung. Bitcoins werden automatisch und unparteiisch nach den Regeln des Computercode verteilt.

Allein der Kauf von Bitcoin bietet noch keine Unabhängigkeit. Verweilen die digitalen Münzen auf einer zentralisierten Exchange, ist nichts gewonnen. Finanzielle Freiheit hat nur, wer über die alleinige Kontrolle der Private Keys verfügt.

“Passwort vergessen?” ist im Wilden Krypto-Westen keine Option

Was für eine Macht! – die eigene Bank sein. Der “Nachteil” ist, dass man eben selbst Verantwortung trägt. Wer seine Private Key verliert, eine Transaktion an eine falsche Adresse schickt oder schlechte Sicherheitsvorkehrungen trifft, steht alleine da. Es gibt keine Verantwortlichen, die man um Hilfe bitten kann. Dieser Umstand erfordert, dass man sich ausreichend auskennt mit der Technologie, dass man das Risiko abschätzen kann und dass man sich mit Back-Ups entsprechend absichert.

Man ist also für sich selbst verantwortlich. Ein Nachteil für alle, die nicht wissen, wo oben und unten ist – ein Vorteil für alle die der Verantwortung gewachsen sind. BTC-ECHO hat es sich zur Aufgabe gesetzt, die Lücke weitest gehend zu schließen. Deswegen berichten wir täglich Neuigkeiten und ordnen diese in das Gesamtbild ein.

Ein letzter Punkt

Wer die essentielle Freiheit für ein wenig temporäre Sicherheit aufgibt, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.

Benjamin Franklin

Beim ersten Kontakt mit Kryptowährungen fühlt man sich leicht überfordert – so viel Information, so viele verschiedene Meinungen. Da möchte man die Hände in die Luft werfen: “Mach du das mal für mich“. Es ist allerdings voreilig, so auf die Innovation zu reagieren. Krypto ist Neuland, ja. Deshalb ist Erkunden umso wichtiger –  anstatt den Kopf in den Sand zu stecken.

Wer sich einmal durch die ersten Schritte geschlagen hat, wird feststellen, dass alles gar nicht so kompliziert ist. Hilfe von Gleichgesinnten gibt es online – nicht zuletzt auf dem BTC-ECHO eigenen Discord-Kanal.

Abschließend: Lasst uns nicht die Freiheit für vermeintliche Sicherheit opfern. Kryptowährungen sind eine Alternative zum staatlichen System. Lasst uns zusammen lernen, die Technologie zu meistern und verantwortungsvoll zu benutzen.

BTC-ECHO

Über Alexander Roos

Alexander RoosAlexander Roos absolvierte einen Bachelor of Science in "Management, Philosophy & Economics" an der Frankfurt School of Finance & Management. Seine Bachelorthese handelte von den "Anwendungsfelder und Adaption der Blockchain Technologie". Seit 2018 ist Alex Teil des BTC-ECHO-Teams. Alex begeistert sich vor allem für pure, dezentralisierte Kryptowährungen - in ihnen sieht er die Neuerfindung des Geldes durch den freien Markt. Sein Schwerpunkt sind Privacy-Coins.

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