Zwischen USA und China: Warum Europa Krypto-Unicorns braucht

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

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Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Eigentlich kennt die Blockchain-Technologie bzw. Krypto-Ökonomie keine nationalen Grenzen. Eigentlich. Schließlich hat sich um den staatenlosen Bitcoin ein ganzes Ökosystem an Dienstleistern und produzierenden Unternehmen gebildet. Egal, ob (zentrale) Börsen, Miner oder Hardware-Wallet-Hersteller: Sie alle unterliegen der nationalen Regulierung und sind genauso Teil der Volkswirtschaft wie ein mittelständischer Automobilzulieferer. 

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Mark Preuss

Folglich macht es also einen deutlichen Unterschied, ob die neu entstehenden Krypto-Unicorns in Europa oder anderen Regionen der Welt entstehen. Entsprechend stellt sich die Frage, wie sich die europäische Krypto-Industrie im Vergleich zu den USA und Asien schlägt. Leider zeichnet sich bei Krypto-Dienstleistern eine ähnliche Entwicklung wie bei der Plattformenökonomie des Web 2.0 ab. Die wirklich großen und nicht dezentral organisierten Unternehmen und Dienstleister sitzen in den USA und China. Egal, ob Bitmain aus China oder Coinbase und Ripple aus den USA – die meisten großen Player befinden sich nicht in Europa. Sie sind von den dortigen Standards und der Politik geprägt. Sie zahlen dort ihren Großteil der Steuern und haben ihr Know-how durch kluge Köpfe vor Ort gebündelt. Europa hat das Nachsehen.

Warum es unbedingt europäische Krypto-Unicorns braucht

Die Art, wie wir einkaufen (Amazon), die Art, wie wir über das Internet sozial interagieren (Facebook), die Art, wie wir uns im Internet bewegen (Google) und die Wahl unserer Urlaubsziele (Airbnb) wird von Unternehmen bestimmt, die nicht in Europa sitzen. Auch unsere Daten sitzen damit nicht in Europa bzw. deren Wertschöpfung findet nicht hier statt. Den besseren Zugang zu Informationen haben folglich auch nicht die europäischen Behörden, sondern die US-amerikanischen.


Entsprechend schwieriger gestaltet sich die Durchsetzung europäischer Interessen wie Verbraucherschutz und Datensicherheit. Die aktuellen Konsum- und Kommunikationsstandards werden also stark von den gegenwärtigen Web-2.0-Plattformen gestaltet. Wer diese Dienstleistungen nutzen möchte, muss die AGBs akzeptieren und seine wertvollen Daten kostenfrei herausgeben. Die volkswirtschaftlichen Wohlfahrtsgewinne kommen damit vor allem den USA und Asien zu Gute.

Genau wie mit dem Web 2.0 und den genannten bekannten Plattformen entsteht durch das noch nicht zu Ende definierte Web 3.0 eine neue Ökonomie. In dieser Ökonomie spielt neben künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge auch die Blockchain-Technologie eine wichtige Rolle. In den nächsten Jahren werden neue große Player entstehen und damit, neben dezentralen Projekten, auch zentralisierte Akteure mit großem Einfluss.

Diese und weitere Gründe sprechen dafür, warum es von Interesse sein kann, dass große und einflussreiche Unternehmen in der eigenen Jurisdiktion und nicht außerhalb entstehen.

Niederländisches Unternehmen Bitfury als Positivbeispiel

Erfreulich ist daher die Nachricht aus den Niederlanden, dass das Krypto-Unternehmen Bitfury vor Kurzem 80 Millionen US-Dollar an Kapital eingesammelt hat. Laut Unternehmensangaben würde die Bewertung damit die eine Milliarde-US-Dollar-Grenze knacken – ein europäisches Unicorn. Auch wenn Bitfury nur ein kleines Puzzleteil in der Krypto-Ökonomie darstellt, ist es ein positives Signal für den Standort Europa. Schließlich braucht es Know-how und kluge Köpfe, die nicht im Silicon Valley, sondern hier in Europa Krypto-Innovationen nach vorne treiben. Bei allen klassischen Dienstleistungen und Produkten im Krypto-Bereich kann eine starke europäische Krypto-Industrie dafür sorgen, dass die klugen Köpfe nicht Europa verlassen. Ganz im Gegenteil: Sie kann dafür sorgen, dass kluge Köpfe aus anderen Teilen der Welt nach Europa kommen wollen.

Dabei geht es um viel mehr als nur potentielle Steuereinnahmen und Arbeitsplätze. Es geht darum, die Standards von morgen zu setzen und die Krypto-Ökonomie aktiv mitzugestalten. Die Blockchain-Technologie kann nicht nur langfristig ein technologisches Konzept zur Gewährleistung der Datenautonomie bieten, sondern auch eine neue Chance für Europa bedeuten.

BTC-ECHO


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