Krypto-Börse Verbrennt Binance willkürlich BNB?

Moritz Draht

von Moritz Draht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Moritz Draht

Moritz Draht hat Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Konstanz studiert. Sein Krypto-Engagement widmet sich den Zusammenhängen zwischen soziokulturellen und technischen Entwicklungen.

Quelle: Shutterstock

Krypto-Börse Binance hat im vergangenen Jahr Korrekturen am White Paper vorgenommen und verbrennt seitdem BNB Coins. Die Zahlen aus dem letzten Quartal 2019 werfen jedoch einige Fragen auf.

Klammheimlich könnte man den Vorgang bezeichnen, als die Krypto-Börse Binance im April vergangenen Jahres Hand am White Paper anlegte und wesentliche Eingriffe am „Coin burn“ vornahm. Anstatt 20 Prozent des Gewinns in den Rückkauf der Token zu investieren, koppelt Binance den „Buy back“ seitdem an das Handelsvolumen der Börse. Dabei zeigten sich jüngst einige Ungereimtheiten an der Menge verbrannter BNB-Token und dem Handelsvolumen.

Coin Burn

In der älteren Version des White Papers erklärte Binance, dass sie in jedem Quartal BNBs mit 20 Prozent ihrer Gewinne zurückkaufen und anschließend vernichten wolle, bis die Börse 50 Prozent aller 200 Millionen BNB zurückgekauft habe. Die überarbeitete Version hat den Abschnitt „Rückkaufplan“ jedoch durch den Abschnitt „Verbrennung“ ersetzt. In diesem wird nun erklärt, dass die Börse in jedem Quartal basierend auf dem Handelsvolumen BNBs vernichten würde, bis letztlich 50 Prozent aller BNB zerstört sind. Beide Versionen kommen zumindest darin überein,  dass die Börse schließlich 100 Millionen BNB begräbt.

Nun haben sich aber einige Unstimmigkeiten gezeigt, wie Larry Cermak, Director of Research bei The Block, feststellte. Der US-Dollar-Betrag der Verbrennung im 4. Quartal war der zweithöchste Wert nach Q4 2017, wie aus nachfolgender Grafik hervorgeht:


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Der Anstieg ist insofern interessant, als er nicht im Einklang mit dem gleichzeitigen Rückgang des Handelsvolumens übereinstimmt. Im zweiten Quartal 2019 beispielsweise verbrannte Binance 23,84 Millionen US-Dollar, während das Handelsvolumen 151,70 Milliarden US-Dollar betrug.

Im 4. Quartal ging das Volumen der Börse schließlich um 47 Prozent zurück. Die Verbrennung nahm aber merkwürdigerweise um mehr als 60 Prozent zu, so Cermak. Dies zeigt sich am Verhältnis zwischen Verbrennung und Handelsvolumen:

Binance hat demnach scheinbar mehr BNBs verbrannt, als es das Handelsvolumen eigentlich zuließ, woraus sich entsprechende Kursmanipulationen ergeben haben könnten. Zudem hat sich Binance zwar im rechtssicheren Rahmen bewegt, als sie das White Paper geändert haben. Da sie die Korrekturen jedoch stillschweigend vorgenommen haben und den Buy-back-Mechanismus in Abhängigkeit zum Handelsvolumen schleierhaft aufgeweicht haben, muss sich die Krypto-Börse den Vorwürfen der Intransparenz stellen.

Binance-Charity made by Ausbeuterin

Die Geschäftspraktiken von Binance stehen nicht zum ersten Mal in der Kritik. Aufsehen erregte die Ernennung von Helen Hai als Schirmherrin der Wohltätigkeitsorganisation „Binance Charity Organisation“. Mit der Besetzung hat sich die größte Krypto-Börse der Welt jedoch nicht mit Ruhm bekleckert.

Zynischerweise hat besagte(r) Hai in ihrer Funktion für den chinesischen Schuhhersteller Huajian eine Schuhfabrik in Äthiopien betrieben, in der die Arbeiter*innen unter fragwürdigen Bedingungen Schuhe am Fließband produziert haben. Bei 15 Stunden täglicher Arbeit haben die Arbeiter*innen einen Monatslohn von knapp 50 US-Dollar erhalten. Dieser liegt weit unter dem Mindestlohn.

In einem Interview erwiderte Hai auf den Vorwurf, dass der Lohn gerade einmal für zwei Wochen Existenzsicherung reiche, dass dies auf mangelnde Disziplin der Arbeitnehmer zurückzuführen sei. Dass zudem menschenunwürdige Arbeitsbedingungen vorherrschten, ohne Schutzkleidung inklusive verdreckten Trinkwasser, rundet das fragliche Menschenbild der Charity-Lady ab.

Von Büros, die keine Büros sind

Und dann wäre da noch der Disput zwischen Changpeng Zhao (CZ), CEO von Binance, und der Nachrichtenseite The Block. Letztere hatten im November 2019 behauptet, dass Bürogebäude von Binance im Zuge groß angelegter Razzien in Shanghai von der lokalen Polizei durchsucht worden sein sollen. Angesichts Chinas restriktiver Krypto-Politik und dem Umstand, dass zeitgleich mehrere Büros von Krypto-Unternehmen durchsucht wurden, erschien die Meldung zunächst nicht ungewöhnlich.

Aber CZ behauptete, dass Binance überhaupt keine Büros in Shanghai besessen habe. Chinesische Medien bestätigten jedoch die Adressen vermeintlich nie da gewesener Bürogebäude. Etwas später ruderte der CEO dann zurück. Per Twitter erklärte er, dass man zwar über die Definition eines Büros streiten könne, es aber dennoch keine Razzien gab.

Es zeigt sich wiedereinmal: Bei Binance lohnt es sich, genauer hinzusehen.

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