Single Point of Failure Technischer Totalausfall bei EZB zeigt Stärke von Bitcoin

Christopher Klee

von Christopher Klee

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Christopher Klee

Christopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

Vier Ketten, die durch ein zentrales Kettenglied verbunden sind.

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Das war knapp: Am 23. Oktober kam es zu einem schweren Zwischenfall bei der EZB. Zwischenzeitlich waren keine Zahlungen mehr möglich. Der Vorfall zeigt die Schwächen der Zentralisierung – und demonstriert gleichzeitig Bitcoins größte Stärke.

Am Freitag kam es bei allen Zentralbanken im Euroraum zu einem Totalausfall. Mitbekommen haben das hierzulande jedoch nur jene, die sich im Mail-Verteiler der Bundesbank befinden. Konkret geht es um einen Vorfall beim Target2-System, das europäische Banken und Zentralbanken verbindet. Es ermöglicht die schelle Abwicklung von Zahlungen im Interbankenverkehr – wenn es denn funktioniert. Das Finanznachrichten-Portal Finanz-Szene berichtete zuerst von dem Komplettausfall bei der Europäischen Zentralbank (EZB). 

EZB: Totalausfall der Zahlungssysteme nach internem Fehler

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Danach ist es am 23. Oktober gegen Nachmittag zu einer internen Störung bei Target2 gekommen. Dadurch waren ab 14:40 keine Abwicklungen mehr möglich. Auch sämtliche Backup-Systeme waren ausgefallen. 

Am 25. Oktober veröffentlichte die Europäische Zentralbank (EZB) eine Mitteilung zu dem Vorfall. Demnach waren sowohl TIPS das Settlement-System für Zahlungsdienstleister als auch auch T2S, die Wertpapier-Settlement-Plattform der EZB, Target2 Securities (T2S), betroffen.

Ein größerer Zwischenfall hatte Auswirkungen auf das TARGET2-System, seine Teilnehmer und T2S-Akteure. Aufgrund eines internen Problems, das die TARGET2-Infrastruktur betraf, waren alle Abwicklungsdienste ab etwa 14.40 Uhr MEZ nicht mehr verfügbar. Infolgedessen konnten mehrere Stunden lang keine Zahlungen, Nebensystem-Instruktionen oder Liquiditätstransfers von/nach TIPS und T2S abgewickelt werden.

In der Folge setzte die EZB das System in den Wartungs-Modus: 

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Das System schloss für das Werstellungsdatum 23.10.2020 um 3:30 MEZ am Samstag, 24.10.2020, nachdem alle ausstehenden Zahlungsanweisungen verarbeitet worden waren. Alle Teilnehmer erhielten daraufhin die Tagesendabrechnung mit allen Transaktionen, die zum Valutatag 23.10.2020 abgewickelt wurden. Die Teilnehmer werden gebeten, ihren Abgleich für das Valutadatum 23.10.2020 abzuschließen und jede Abweichung an ihre nationale Zentralbank zu melden. 

Auch das Information and Control Module (ICM), unter anderem Zuständig für die schnelle Verbreitung von Informationen habe nicht mehr funktioniert. Das ICM Modul wird unter anderem dafür eingesetzt, um wichtige Informationen schnell unter den Plattform-Teilnehmern zu verbreiten. 

Was genau zu dem Totalausfall bei der EZB geführt hat, ist bislang noch unklar. Die europäische Notenbank ist zur Stunde noch mit der Ursachenforschung beschäftigt. Einen Cyber-Angriff könne man allerdings bereits jetzt schon ausschließen:

Eine gründliche Analyse der Grundursache des Vorfalls wurde eingeleitet, auch um eine Wiederholung in der Zukunft zu vermeiden. Ein Vorfall im Zusammenhang mit dem Cyberspace kann bereits ausgeschlossen werden. Das Eurosystem [EZB+Zentralbanken der Euroländer, Anm. d. Red.] wird den Marktteilnehmern in Kürze weitere Einzelheiten zu dem Vorfall mitteilen.

Hausgemachte Probleme

Vor der Einführung von TARGET2 im Jahr 2007 verband TARGET 16 unterschiedliche nationale Settlement-Systeme. Mit TARGET2 wurde die Umstellung auf eine einzelne Plattform (Single Shared Plattform, SSP) durchgeführt. Dabei standen vor allem Erwägungen hinsichtlich einer höheren (Kosten-)Effizienz bei Zahlungsabwicklungen im Interbanken-System.

Für Peter Grosskopf, Geschäftsführer und CTO bei der Börse Stuttgart Digital Exchange GmbH, hat der Vorfall die Gefahren eines Finanzsystems, das auf zentralisierten Strukturen basiert, drastisch vor Augen geführt. Dagegen zeigten Bitcoin und Co, wie ein stabiles Zahlungssystemen auf dezentralen Beinen stehen kann:

Peter Grosskopf via LinkedIn (Screenshot)

[…] Zentralisierte Systeme wie in der traditionellen Bankeninfrastruktur sind einfach anfällig für regulatorisches Versagen, selbst wenn man endlos viel Geld und Mühe in Redundanz und Failover investiert. Erinnern Sie sich an das letzte Mal, als das Internet ausfiel? Das war es nie, weil es dezentralisiert ist. Es gibt eine Reihe von dezentralisierten Systemen wie Bitcoin, Ethereum, Stellar, Tezos, die uns Wege zeigen, wie wir auf robuste und stabile Weise Werte von A nach B transferieren können, während das Internet Nachrichten und Informationen überträgt. […] Das„ Internet of Value“, auch Blockchain genannt, wird in seine Fußstapfen treten und das Leben für alle nächsten Generationen verändern.

so Großkopf in einem Posting im Sozialen Netzwerk LinkedIn.

Der Vorfall hat Wasser auf die Mühlen der CBDC-Befürworter gegeben, die schon länger einen digitalen Euro fordern, der auf der Distributed-Ledger-Technologie basiert. Dafür gibt es jedoch nach wie vor noch keine konkreten Pläne seitens der EZB.

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