Österreich: Der Fall Optioment und neue Regulierungsbestrebungen
Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Quelle: CONDOM, FRANCE, June 24, 2015 : The statue of d'Artagnan and three musketeers, from the Georgian sculptor Zurab Tsereteli, lies at the foot of the Cathedral via shutterstock

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Die österreichische Finanzmarktaufsicht macht sich für eine stärkere Regulierung von Kryptowährungen und ICOs stark. Helmut Ettl, Vorsitzender der Finanzmarktaufsicht, sprach unter anderem von betrügerischen Absichten im Krypto-Ökosystem, denen man zuvorkommen wolle. Ein Musterbeispiel solcher betrügerischen Absichten war der Fall Optioment.

Der Fall „Optioment“ beschäftigte seit Beginn des Jahres vor allem die österreichische Bitcoin-Szene. Mehr als 10.000 Menschen verloren dabei bis zu 12.000 Bitcoin – wir berichteten. Auf der Suche nach den Tätern ging man dahingehend soweit, Interpol einzuschalten und die Fahndung damit auf ganz Europa auszubreiten.


Die drei Optioment-Musketiere

Optioment versprach bis zu vier Prozent an wöchentlicher Rendite – dafür, dass man seine Bitcoins bei ihnen anlegte. Die Bitcoins waren nachher genauso verschwunden wie die mutmaßlichen Hintermänner, die bis heute nicht ausfindig gemacht werden konnten. Im Zuge dessen ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen insgesamt sieben Personen wegen geschäftsmäßigen Betrugs. Lediglich vier Personen, die den Vertrieb in Österreich leiteten, konnten identifiziert werden. Ein Niederösterreicher und zwei Brüder aus der Steiermark, genannt die „drei Optioment-Musketiere“, die sich regelmäßig mit einem Kontaktmann, seines Zeichens Tiroler, trafen. Dieser gilt als Schlüsselfigur. Als Kontaktmann soll er die (offenbar ahnungslosen) Optioment-Musketiere mit den „Drahtziehern“, dem Dänen Lucas M. und dem Letten Alex P. verbunden haben.

Die „lange Dienstreise“

Ob letztere jedoch existieren oder ob sie genauso wie die versprochenen Renditen ein Schwindel sind, ist bis jetzt nicht gesichert. Zuletzt meldete sich im April die Schlüsselfigur zu Wort: Er sei momentan auf einer „langen Dienstreise“, werde aber bald mit den Behörden sprechen. Ferner würde er selbst gerne wissen, wo sich jener Lucas M. befinde. Er habe schließlich auch Geld verloren.

Jener Tiroler ist Mitgründer von Cointed, die sich inzwischen jedoch von ihm distanzierten. So kam es auch, dass die Behörden die Räume von Cointed durchsuchten. Denn die Bitcoin-Automaten, die bei Veranstaltungen von Optioment aufgestellt waren und mit denen die Anleger um ihr Geld geprellt wurden, stammten von ebendiesem Unternehmen. So konnte man sein Bargeld direkt in den Automaten stecken und die Bitcoin in Optioment investieren. Dementsprechend wurden auch die Räume von Cointed durchsucht, jedoch fand man kein belastendes Material. Cointed versprach, mit den Behörden zusammenzuarbeiten und distanzierte sich von jenem Tiroler. Die Landespolizeidirektion Wien bezifferte den Schaden im Februar auf 100 Millionen Euro.

Aktuelle Regulierungsbestrebungen – eine verspätete Reaktion?

Es ist ein Fall, den eine österreichische Anwaltsfirma später als „einen der größten Kriminalfälle rund um Kryptowährungen“ bezeichnete. Nun ruft er offenbar – wenn auch etwas verspätet – die Regulierungsbehörden auf den Plan. Der Vorsitzende der österreichischen Finanzmarktaufsicht fordert eine strengere Regulierung von Kryptowährungen und ICOs. Unter anderem auch, um Betrugsfällen vorzubeugen:


„Wir haben im Vorjahr 50 Sachverhaltsdarstellungen an die Staatsanwaltschaft übermittelt. Etwa 30 davon behandelten Kryptowährungen und Initial Coin Offerings“,

so Helmut Ettl bei einer Pressekonferenz in Österreich.

Ferner forderte Ettl eine Einstufung von Kryptowährungen, die sich am Devisenhandel orientiert, um dort mehr Gleichheit zu schaffen: „Für den An- und Verkauf von Devisen braucht man eine Mini-Banklizenz“, so Ettl weiter, „das ist nicht verhältnismäßig.“

Schließlich fordere man bei ICOs ab dem Schwellenwert von voraussichtlich zwei Millionen Euro eine Wertpapier-Prospektpflicht. Außerdem sollte für Händler mit Kryptowährungen eine Konzessionspflicht bestehen.

Bis das durchgesetzt ist, meldet sich vielleicht auch jener Tiroler zu Wort und erzählt von seiner „langen Dienstreise“. Es bleibt spannend.

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