Die Folgen für BTC 

Nvidia entfacht einen Goldrausch bei Bitcoin Minern

Mining-Aktien schlagen Bitcoin trotz schwacher Fundamentaldaten. Der Grund liegt im KI-Boom. Doch der neue Bull Case birgt einen entscheidenden Haken.

Johannes Macswayed
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Nvidia-Chef Jensen Huang vor einer Krypto-Mining-Anlage

Beitragsbild: Shutterstock / picture alliiance / Yonhap / KI-Bearbeitung durch die Redaktion

| Nvidias KI-Offensive könnte Bitcoin-Minern neue Einnahmequellen eröffnen

Nvidia-Chef Jensen Huang könnte mit seiner jüngsten Ankündigung nicht nur die nächste Stufe des KI-Booms eingeläutet, sondern nebenbei dem Bitcoin-Mining-Sektor einen erheblichen Schub verpasst haben. “KI-Fabriken”, so seine These, sind nicht einfach teures CAPEX. Sie produzieren Rechenleistung und damit Cashflows, die sich mit institutionellem Kapital von BlackRock, Apollo und Co. finanzieren lassen. Fließen dadurch weitere Milliarden in den KI-Ausbau, werden nicht nur Chips zum begehrten Gut. Noch gefragter könnten Standorte, Strom und die passende Infrastruktur sein. Und davon besitzen ausgerechnet Bitcoin Miner eine ganze Menge.

Mining-Branche im Wandel

Nach klassischen Onchain-Maßstäben müssten die Miner eigentlich tief in der Kapitulation stecken. Einnahmen und Rechenleistung sinken. Die Hashrate verzeichnet derzeit sogar ihren längsten Rückgang in der Geschichte Bitcoins.

Historisch korrelierten die Kurse der Miner stark mit einem Einbruch der Mining-Fundamentals und einem schwachen Bitcoin-Kurs. Dieses Jahr sieht es anders aus. Ein Großteil der börsennotierten Miner schlägt Bitcoin deutlich.

Der Grund ist der Schwenk in Richtung KI. Die Investmentthese dahinter ist simpel: Bereits erschlossene Stromkapazitäten werden für KI-Kunden eingesetzt, die in einem ausgebuchten Markt deutlich höhere Preise zahlen. Huangs Finanzierungsvorstoß könnte diesen Trend noch beschleunigen.

Fließen tatsächlich Hunderte Milliarden US-Dollar in neue KI-Infrastruktur, dürfte der ohnehin enorme Hunger nach Strom und Rechenzentren die Miner in einen regelrechten Goldrausch versetzen. Doch das Narrativ hat entscheidende Nuancen.

Der neue Krypto-Bull-Case?

Denn aus einer Mining-Farm wird aber über Nacht nicht einfach ein KI-Rechenzentrum. ASICs sind für KI praktisch nutzlos. HPC-Rechenzentren stellen zudem deutlich höhere Anforderungen an Kühlung, Netzwerkanbindung und Ausfallsicherheit.

Der eigentliche Trumpf der Miner steckt unter den Rechnern. Sie kontrollieren bereits Grundstücke, Umspannwerke, Genehmigungen und vor allem Netzanschlüsse. Das sind jene Teile eines Rechenzentrums, deren Aufbau besonders viel Zeit kostet.

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Ist das der neue Krypto-Bull-Case?

Laut VanEck verändert das bereits die Bewertung der Branche. Zunächst honorierte der Markt lediglich, dass Miner ihre Standorte überhaupt für KI nutzen können. Danach zählten unterschriebene Verträge. Inzwischen wird genauer hingeschaut. Wer ist der Kunde? Wie schnell wird gebaut? Und wie viel der versprochenen Kapazität geht tatsächlich ans Netz?

Ein Vertrag allein produziert noch keinen Umsatz. Branchenweit wurde laut VanEck bislang nur rund ein Viertel der bereits vermieteten Kapazität tatsächlich bereitgestellt. Miner können den aktuellen Stromengpass der KI-Branche überbrücken. Dauerhaft wertvoll werden aber nur die besten Standorte.

Der Umbau kostet Milliarden

Ironischerweise stehen die Miner trotz ihres Startvorteils vor einem ähnlichen Problem wie der Rest der KI-Branche. Der Ausbau verschlingt gewaltige Summen. VanEck schätzt die kurzfristige Finanzierungslücke der untersuchten Unternehmen auf rund 50 Milliarden US-Dollar.

Und hier wird es für Bitcoin-Anleger interessant. Denn einen Teil dieses Umbaus finanzieren die Miner ausgerechnet mit ihren BTC-Beständen.

MARA etwa hat begonnen, seine Bitcoin-Treasury aktiv als Finanzierungsinstrument einzusetzen. BTC werden verkauft oder als Sicherheit für Kredite hinterlegt, um den Ausbau neuer Rechenzentren zu bezahlen. Aus dem einstigen HODL-Asset wird Betriebskapital.

Der KI-Boom kann damit gleichzeitig gut für Mining-Aktien und kurzfristig schlecht für Bitcoin sein. Kapital und Strom wandern in das lukrativere Geschäft, während zusätzliche BTC auf den Markt gelangen.

Zurück zu Bitcoin?

Von reinen Krypto-Unternehmen kann bei einigen Minern ohnehin kaum noch die Rede sein. Sie entwickeln sich zu anwendungsagnostischen Betreibern von Rechenzentren. Nach Berechnungen von VanEck lässt sich mit KI derzeit pro eingesetzter Stromeinheit ungefähr zehnmal mehr Wert generieren als mit Bitcoin-Mining. Erst wenn sich dieses Verhältnis nachhaltig ändert, dürfte die Produktion von BTC wieder in den Vordergrund rücken.

Für Bitcoin selbst ist das zunächst kein existenzielles Problem. Verlassen ineffiziente Miner das Netzwerk, passt sich die Mining Difficulty an. Die verbleibenden Betreiber werden wieder profitabler.

Auf der anderen Seite könnte es sich für die Unternehmen lohnen sich die Optionalität zu wahren. Denn wer seine Stromkapazitäten langfristig an KI-Unternehmen vermietet, kann sie bei einer Bitcoin-Rally nicht einfach zurückholen. Miner, die stärker am klassischen Geschäft festhalten, behalten dagegen ihren Hebel auf steigende BTC-Kurse.

Die Branche könnte sich damit zunehmend in zwei Lager teilen: KI-Infrastrukturunternehmen mit langfristig planbaren Cashflows und klassische Miner mit stärkerem Bitcoin-Beta. Was früher eine ziemlich homogene Aktienwette auf den BTC-Kurs war, wird damit zu zwei grundverschiedenen Investment-Cases.

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