Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte man mit der digitalen Schatzsuche nach neuen Bitcoin richtig viel Geld verdienen. Mittlerweile ist die Goldgräberstimmung jedoch verflogen. Große Branchenplayer haben inzwischen ein neues, lukrativeres Geschäftsfeld ins Visier gefasst: KI. Was aber bedeutet der Exodus für die Sicherheit von Bitcoin? BTC-ECHO hat bei den Experten von CoinShares und Bitwise nachgefragt.
Mehr Planbarkeit durch KI
Ein Anbieter nach dem anderen gab in den letzten Tagen und Wochen mehr oder weniger den Rückzug aus dem traditionellen Krypto-Mining bekannt. Hohe Kosten, geringe Gewinnmarge und ein knallharter Wettbewerb – nicht unbedingt optimale Voraussetzungen für ein Geschäftsmodell, das ohnehin nur selten durch eine hohe Planbarkeit glänzte.
Durch den Schwenk hin zur KI und dem sogenannten “High Performance Computing” (HPC) soll diese Planbarkeit jetzt wieder in die Bilanzen der Unternehmen zurückkehren. Alexandre Schmidt vom Krypto-Vermögensverwalter CoinShares fasst gegenüber BTC-ECHO die Dimensionen zusammen: “Unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen generiert Mining etwa 300.000 bis 400.000 US-Dollar pro Megawatt und Jahr.” Die KI- und HPC-Verträge brächten hingegen bis zu 1,4 Millionen US-Dollar im gleichen Zeitraum, so Schmidt weiter.
Dass sich dadurch die finanzielle Lage der Miner aber schlagartig verbessert, bezweifelt der Experte von CoinShares. KI-Rechenzentren erfordern andere Hardware als die Computer, die die Blockchain heute nach Bitcoin abgrasen. Entsprechend müssen Miner ihre Flotte umrüsten – und das ist teuer. “Die Investitionskosten pro Megawatt im KI-Bereich sind fünf- bis zehnmal höher als beim Mining”, so Schmidts Einschätzung.
Weil der Finanzierungsbedarf so hoch ist, schrecken die Miner mittlerweile auch nicht davor zurück, ihre Bitcoin-Bestände zu verkaufen und damit langjährige Strategien über Bord zu werfen.
So steht es um Bitcoins Sicherheit
Innerhalb der Szene lässt das die Alarmglocken schrillen. Dabei ist es weniger die Angst vor den Verkäufen selbst, welche vor allem in Bärenmärkten immer wieder vorkamen, sondern die Befürchtung, dass durch das Abwandern großer Mining-Betriebe die Sicherheit der wertvollsten Kryptowährung der Welt gefährdet werden könnte. Manche gehen sogar so weit und sagen: “KI hat Bitcoin für immer gekillt”. Aber sind diese Sorgen gerechtfertigt?
André Dragosch vom Vermögensverwalter Bitwise hält die Befürchtungen für unbegründet. Eine existenzielle Bedrohung für Bitcoins Sicherheit sei der KI-Schwenk der Miner nicht, erklärt er gegenüber BTC-ECHO. Der Bitwise-Analyst verweist auf die Hashrate, einen Indikator, der oft als Gradmesser für die Sicherheit des Netzwerks herangezogen wird: “Selbst nachdem einige Miner ihre Aktivitäten diversifiziert haben, liegt die Bitcoin-Hashrate weiterhin bei etwa 1.000 EH/s, unweit des Allzeithochs”. Für Dragosch bedeutet das, dass sich eine Attacke auf Bitcoin rein finanziell nicht lohne.
Auch langfristig dürfte sich an diesem Umstand wenig ändern, ergänzt Alexandre Schmidt. Das liege nicht zuletzt an den ökonomischen Anreizen, die durch die Abwanderung der großen Miner entstünden, so der CoinShares-Analyst. Er betont: “Das Bitcoin-Mining-Netzwerk ist so konzipiert, dass es sich selbst anpasst: Wenn zu viele Akteure gleichzeitig aus dem Markt ausscheiden, verbessern sich die ökonomischen Bedingungen, was wiederum neue Marktteilnehmer anzieht, die in diesen Bereich investieren.”
Bitcoin-Miner brauchen künftig “nahezu kostenlosen Strom”
Das Mining-Geschäft wird in Zukunft noch erbarmungsloser werden. Spätestens in zwei Jahren, wenn das nächste Halving ansteht und sich die Blockbelohnung von aktuell 3,125 BTC halbiert. Dann kommt es für neue Marktteilnehmer vor allem auf eines an: gnadenlose Effizienz, darin sind sich die Experten von CoinShares und Bitwise einig. Das betrifft nicht nur die Hardware, sondern vor allem den Zugang zu günstigen Stromquellen, sagt Alexandre Schmidt.
Seit jeher ist Bitcoin Mining so konzipiert, dass die Produktionskosten unter dem Marktwert eines Bitcoin liegen müssen. Alles andere wäre unwirtschaftlich. Daher siedeln sich Miner schon heute an Standorten an, wo Strom günstig ist. Um rentabel zu bleiben, müsse dieser Strom künftig aber “nahezu kostenlos” sein, so Schmidt. Ungenutzte Energiequellen seien der Schlüssel. Bitcoin quasi als hochflexibler Abnehmer überschüssigen Stroms. Für manche könnte die Kryptowährung damit sogar zu einem Hoffnungsträger für die Energiewende werden.
