Cointelegraph, das größte Krypto-Medium der Welt, ist aus dem Google Index geflogen. Wer auf Google nach der Nachrichtenseite sucht, findet lediglich einen Verweis auf das Instagramprofil, jedoch keine Artikel, Analysen oder Interviews. Was steckt hinter dem plötzlichen Verschwinden?
Es kommt nicht häufig vor, dass Google ganze Domains aus dem eigenen Suchindex verbannt. Schon gar nicht, wenn es sich um eigentlich seriöse Webseiten handelt. Dennoch hat sich der Digitalkonzern im Fall von Cointelegraph zu diesem drastischen Schritt entschlossen. Doch was ist eigentlich passiert?
Tatsächlich scheint die Nachrichtenseite schon mindestens seit Oktober 2025 nicht mehr in den Suchergebnissen von Google aufzutauchen. Für ein Medienunternehmen, das von der Online-Reichweite seiner Beiträge betriebswirtschaftlich abhängig ist, gleicht das einem Todesurteil. Unabhängige Analysen auf YouTube, LinkedIn und im Netz sprechen von einem Rückgang von 90 bis 98 Prozent des sogenannten “Traffics”, also der Anzahl des Besucherstroms. Zum Vergleich: Das Analyse-Tool Sistrix schätzt, dass Cointelegraph im August in den USA noch einen Traffic von über vier Millionen Aufrufen erzielte. Ende Dezember waren es nur noch etwas mehr als 223.000.
Warum wurde Cointelegraph von Google abgestraft?
Die genauen Gründe für den plötzlichen Einbruch sowohl in den Traffic-Zahlen als auch im Sichtbarkeitsindex gibt es bislang nicht. Cointelegraph hatte sich zu dem Vorfall bislang nicht geäußert und auch Google gab noch keine Erklärung ab. BTC-ECHO hatte beide Unternehmen um Stellungnahme gebeten, zum Zeitpunkt des Schreibens aber noch keine Rückmeldung erhalten. Weitgehend Einigkeit herrscht bei Marktbeobachtern, dass es sich um einen gezielten Schritt Googles gehandelt haben muss. Offiziell bestätigt ist das allerdings nicht. Demnach machen die SEO-Experten verschiedene Praktiken Cointelegraphs für den massiven Traffic-Verlust verantwortlich.
So führt Pere Monguió Montells, Co-CEO des Finanzportals FXStreet, den drastischen Sichtbarkeitsverlust in einer Analyse auf LinkedIn auf einen klaren Verstoß gegen Googles sogenannte Site Reputation Abuse Policy zurück. Diese Richtlinie soll verhindern, dass Webseiten ihren über Jahre aufgebauten Ruf missbrauchen, um fremde oder primär werbliche Inhalte künstlich in den Google-Suchergebnissen nach oben zu drücken.
Nach Einschätzung von Montells habe Cointelegraph genau das getan, indem die Seite im Sommer 2025 umfangreiche Inhalte zu Online-Casinos und Krypto-Wetten veröffentlichte – ein Themenbereich, der eigentlich nicht zum journalistischen Kernprofil des Mediums passe. Diese Inhalte seien offenbar größtenteils von externen Partnern erstellt worden und hätten vor allem kommerziellen Zwecken gedient. Auch hierzu bat BTC-ECHO Cointelegraph um Stellungnahme.
Google-Update: der Anfang vom Ende
Wenig später launcht Google Ende August ein umfassendes Spam-Update, das genau solche Praktiken ins Fadenkreuz nimmt. Es richtet sich gegen Webseiten, die ihre Reichweite nutzen, um themenfremde oder überwiegend werbliche Inhalte besonders sichtbar zu machen. Im Fokus stehen unter anderem massenhaft produzierte Affiliate-Texte und Inhalte, die zwar auf etablierten Domains erscheinen, aber nicht zur eigentlichen redaktionellen Ausrichtung der Seite passen.
Für Cointelegraph hat das offenbar gravierende Folgen. Kurz nach Abschluss des Spam-Updates bricht die Sichtbarkeit der gesamten Domain in der Google-Suche zunächst schrittweise ein. Ende Oktober kommt der Traffic dann fast vollständig zum Erliegen. Ein Hinweis darauf, dass Google hier mit einer manuellen Strafe nachgeholfen haben könnte, meinen Beobachter.
Die Nachrichtenseite versucht noch gegenzusteuern. Kurz nach dem ersten Sichtbarkeitsverlust werden sämtliche Casino- und Wettinhalte von der Webseite entfernt. Das zeigen Screenshots auf Archivwebseiten. Branchenbeobachter werten dies als weiteres Indiz dafür, dass das Unternehmen selbst von einem Richtlinienverstoß ausgeht und nun die Voraussetzungen für eine erneute Aufnahme in Googles Suchergebnissen schaffen will. Vergeblich, denn der Bann scheint bis heute zu bestehen. Ob und wann sich die Sichtbarkeit von Cointelegraph erholt, bleibt offen.
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Quellen
- Trafficschätzung zu Cointelegraph von Sistrix
- Sichtbarkeitsindex Cointelegraph von Sistrix
- LinkedIn-Analyse Pere Monguió Montells

