"It’s reality" 

Die Ripple-Verschwörung: XRP, “Great Reset” – und die Zahl 589

Ripple und XRP sind Teil einer Weltverschwörung: Warum sich dieses Gerücht bis heute hält und was die Zahl 589 damit zu tun hat.

Moritz Draht
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Verschiedene Personen sitzen an erinem Tisch

Beitragsbild: picture alliance

| Ist Ripple-CEO Brad Garlinghouse (in der Mitte) Teil einer weltweiten Verschwörung?

Um kein Krypto-Projekt ranken sich so viele Verschwörungsmythen wie um Ripple – Bitcoin einmal ausgenommen. Seit Jahren werden über soziale Medien, mal ernsthaft, mal scherzhaft, Gerüchte verbreitet, XRP sei Teil eines “Great Reset”, die Kryptowährung Werkzeug eines geheimen Plans mächtiger Eliten. Vor diesem Hintergrund hält sich auch eine andere Erzählung bis heute hartnäckig: der 589-Dollar-Mythos. Woher stammen die Gerüchte – und was ist an ihnen dran?

Der “Banken-Coin”

Gerüchte um XRP sind so alt wie XRP selbst. Die Nähe zur Finanzindustrie, Kontrolle über große Teile des XRP-Angebots und eine Blockchain, die mit Dezentralität relativ wenig zu tun hat: All das brachte früh den Ruf als “Banken-Coin” ein. Ein Image, das Ripple nie loswurde und Nährboden für allerlei Verschwörungserzählungen ist.

Laut einer 2024 im Journal Politics in Central Europe veröffentlichten Studie wird XRP in entsprechenden Narrativen auf sozialen Plattformen häufig als künftige Weltwährung oder als Instrument eines globalen Überwachungsapparats genannt. “Aufgrund der Partnerschaften mit Banken wird XRP in manchen Theorien als speziell für Finanzinstitutionen geschaffene Währung interpretiert”, heißt es. Daraus abgeleitet verbreite sich die Vorstellung von “XRP als Instrument, das eine umfassende Kontrolle über finanzielle Transaktionen ermöglichen könnte”.

Der Diskurs hat sich dabei über die Jahre weiter verschoben. Im Zuge der Corona-Pandemie taucht XRP zunehmend im Zusammenhang mit der Verschwörungstheorie des “Great Reset” auf: der Vorstellung, globale Eliten würden ein totalitäres Herrschaftssystem errichten. Ripple werde darin oftmals als “Schlüsselakteur” dargestellt, so die Studie. Als zentrale Infrastruktur eines Finanzsystems, das die Geldflüsse der Welt kontrolliert.

“Bizarre Retail-These”

Mit der Realität haben solche Behauptungen wenig zu tun. Dennoch werden sie, teils ernst gemeint, teils als Meme, vielfach auf Telegram und Twitter verbreitet. Das hat nicht selten etwas von Bauernfängerei: Mit kruden Verschwörungstheorien lassen sich eben auch krude Investmentthesen verknüpfen.

So hat sich um den Banken-Coin eine Erzählung etabliert, die der X-Nutzer Zach Rynes als “bizarre Retail-These” bezeichnet: XRP solle zur globalen Reservewährung werden, gegen die alles gehandelt wird. Klar, dass das die Kursphantasien beflügelt, “befeuert durch diverse Verschwörungstheorien über geheime Bankenkartelle, die angeblich den XRP-Standard vorantreiben, sowie durch irreführende Aussagen von Influencern über falsche oder übertriebene Partnerschaften”, so Rynes.

589 – die magische Zahl

In diesem Zusammenhang taucht immer wieder die Zahl 589 auf. 2018 veröffentlicht der YouTube-Account “Bearableguy123” mehrere rätselhafte Videos über XRP mit der mysteriösen Zahl. Einige wollten in den Symbolen und Anspielungen Hinweise auf einen geheimen XRP-Masterplan sehen. Und so entwickelte sich 589 über Reddit rasch zum Meme.

Verbindungen zu der Zahl wurden aus allem Möglichen herausinterpretiert: Wallet-Adressen, Code-Schnipsel, Ripple-Partnerschaften. Spekulationen, Bearableguy123 sei der ehemalige Ripple-CTO David Schwartz, ließen sich nie belegen.

Für die “XRP Army” ist 589 heute mehr als ein utopisches Kursziel, es ist zum Code für den unausweichlichen Erfolg von Ripple geworden. “589 Dollar pro XRP ist keine Verschwörungstheorie, sondern Realität”, meint etwa X-User “JackTheRippler”. Die Zahl ging spätestens 2022 viral, dank eines Simpsons-Screenshots, in dem Bart “XRP to hit 589” an die Tafel kritzelt. Es handelte sich um einen Fake.

So absurd das Ripple-Rabbit-Hole ist: Wer den Kursversprechen verfällt, kann schnell zu Fehlentscheidungen verleitet werden. Ungeachtet dessen, dass Wunsch und Realität kaum weiter auseinanderliegen könnten. Denn XRP hat es nie auf vier Dollar geschafft. Doch manche würden wohl sagen, dass das Teil des Plans ist. Die SEC-Klage gegen Ripple sei orchestriert worden, um den Kurs zu drücken und institutionellen Investoren einen günstigen Einstieg zu ermöglichen: Auch das erzählt man sich in einschlägigen Foren.

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