Ein Jahr nach der Executive Order 

Bitcoin-Reserve gescheitert? Was Anleger für 2026 erwarten können

Der als “Krypto-Präsident” gefeierte Trump enttäuschte mit seiner Bitcoin-Reserve viele Hodler. Warum es bislang keine BTC-Käufe gab – und was nun für die Wende spricht.

Tobias Zander
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Donald Trump lächelt vor einer US-Flagge, neben ihm ist eine Bitcoin-Unze

Beitragsbild: picture alliance I Shutterstock

| Für den Wahlkampf setzte Donald Trump auf Bitcoin – doch was wurde aus den ehrgeizigen Plänen?

Die Euphorie war groß, als US-Präsident Donald Trump am 6. März 2025 die Executive Order zur Einrichtung einer strategischen Bitcoin-Reserve unterzeichnete – wie üblich mit einem dicken Filzstift. Sein Krypto-Zar David Sacks sprach von einem “digitalen Fort Knox für die Kryptowährung”, aus dessen Bestand man keinen einzigen BTC verkaufen werde. Da Trump nicht müde wurde, von den Vereinigten Staaten als zukünftiger “Bitcoin-Supermacht” und “Krypto-Hauptstadt der Welt” zu sprechen, schien es nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Milliardenkäufe erfolgen würden. Doch seitdem ging bereits ein Jahr ins Land. Weder hat das Weiße Haus bislang Bitcoin akkumuliert, noch steht überhaupt fest, wie viele BTC man eigentlich besitzt. Eine Bestandsaufnahme.

Budgetneutralität, oder: Woher eigentlich das Geld nehmen für die Bitcoin-Aufstockung?

Im Fact Sheet des Weißen Hauses zur strategischen Bitcoin-Reserve heißt es, dass Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick die Befugnis hätten, “budgetneutrale Strategien für den Erwerb zusätzlicher Bitcoin zu entwickeln, sofern diese Strategien keine zusätzlichen Kosten für die amerikanischen Steuerzahler verursachen”. Ideen zur Finanzierung von Bitcoin-Käufen gibt es genug, darunter an besonders prominenter Stelle der Vorschlag von Senatorin Cynthia Lummis, einen kleinen Teil der gewaltigen Goldreserve zugunsten von BTC zu verkaufen.

“Wir haben bereits die finanziellen Mittel in Form von Goldzertifikaten, um sie in Bitcoin umzuwandeln”, erklärte die Pro-Krypto-Politikerin schon vor Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump. Aktuell verfügt die US-Regierung über Assets im Gesamtwert von etwa 5,6 Billionen US-Dollar, darunter auch mehr als 8.100 Tonnen Gold. Noch wird die staatliche Goldreserve aber mit einem 1973 gesetzlich festgelegten Preis von 42,22 US-Dollar pro Unze bewertet, was sie erstaunlich klein wirken lässt. Würde heute eine Neubewertung zum Marktpreis von 5.180 US-Dollar stattfinden, müsste der US-Goldbestand mit über 1,35 Billionen US-Dollar in der Bilanz auftauchen.

Die Top 10 der staatlichen Goldbesitzer I Quelle: TradingEconomics, Grafik: BTC-ECHO

Das Problem: Einerseits würde eine Neubewertung zwar den bilanziellen Wert der US-Goldreserven drastisch erhöhen und der Trump-Regierung theoretisch zusätzlichen finanziellen Spielraum verschaffen. Andererseits würde sie aber die Rolle von Gold im Währungssystem verändern und Fragen zur Stabilität des US-Dollars aufwerfen, dessen Leitwährungsfunktion ohnehin angeschlagen ist. Rein rechnerisch wäre im Falle des Falles schon eine kleine Umschichtung beträchtlich, denn nur ein Prozent der US-Goldreserven entspräche derzeit rund 13,5 Milliarden US-Dollar und damit etwa 194.000 Bitcoin.

Das lange Warten auf Bitcoin-Neuigkeiten

In seiner Rolle als Leiter des Digital Assets Council im Weißen Haus wurde Bo Hines zu einem der bekanntesten Gesichter der Trumpschen Krypto-Agenda. Immer wieder nach konkreten Fortschritten bei der strategischen Bitcoin-Reserve befragt, blieb er klare Antworten jedoch meist schuldig. “Die Menschen werden sehr zufrieden sein mit dem, was wir ausarbeiten”, versprach der Ex-Footballspieler lediglich. Dennoch machte er der Branche Hoffnung, als er betonte, dass sich die Welt “in einem Wettlauf um Bitcoin” befinde, in dem die USA eine führende Rolle einnehmen müssten. Für viele Anleger klang das wie eine klare Ankündigung zeitnaher staatlicher Käufe.

Doch im August 2025 folgte eine unerwartete Wendung. Nach nur sieben Monaten verließ Hines das Weiße Haus und wechselte zum Stablecoin-Emittenten Tether, wo er nun als Berater für US-Strategie und digitale Assets arbeitet. Sein Nachfolger Patrick Witt schlug fortan nochmals vorsichtigere Töne an. Zwar halte die US-Regierung weiterhin an der Idee einer Bitcoin-Reserve fest. Allerdings verwies Witt auf äußerst “komplexe rechtliche und organisatorische Fragen”, die zunächst geklärt werden müssten.

Um die strategische Bitcoin-Reserve aufzubauen, fehlen dem Finanzministerium noch immer die nötigen Befugnisse, denn für spezielle Verwahrkonten und operative Strukturen wäre ein Gesetz des Kongresses erforderlich. Solange diese Grundlage fehlt, existiert die Reserve in erster Linie auf dem Papier. Selbst wenn die US-Regierung sofort Bitcoin kaufen wollte, fehlt die institutionelle Infrastruktur, über die diese Käufe abgewickelt und die Bestände im Anschluss verwaltet werden können. Hinzu kommt ein politisches Risiko: Eine Executive Order ist lediglich eine Anweisung des US-Präsidenten, die eine zukünftige demokratische Regierung jederzeit wieder aufheben könnte.

Bei den Zwischenwahlen im November könnte Trump eine bittere Niederlage erleiden I Quelle: Economist

So weit, so schlecht. Nun sollte zumindest der existierende staatliche Bitcoin-Bestand systematisch ermittelt werden. Donald Trump hatte immerhin angekündigt, man werde “genau prüfen”, wie viele BTC sich in Besitz der US-Regierung befinden. Doch eine offizielle Zahl blieb er bis heute schuldig. Vermutlich deshalb, weil beschlagnahmte Coins über verschiedenste Behörden verteilt sind, vom Justizministerium über das FBI bis zum US Marshals Service. Ein Jahr nach der Executive Order wächst in der Bitcoin-Community daher zunehmend die Frustration über das langsame Tempo des Weißen Hauses.

Warum die USA doch noch im laufenden Jahr Bitcoin kaufen könnten

Der realistischste Weg, um 2026 doch noch ein Gesetz für eine Bitcoin-Reserve zu verabschieden, wäre wohl der Umweg über ein größeres Gesetzespaket, etwa im Zuge der Verabschiedung des jährlichen Verteidigungshaushalts. Als unscheinbares Anhängsel könnte die Zustimmung aus beiden politischen Lagern leichter zu erreichen sein als bei einem eigenständigen Gesetz, steckt doch schon der Clarity Act zur Regulierung des Krypto-Marktes derzeit im politischen Prozess fest.

Da der Verteidigungshaushalt traditionell erst im Herbst beraten und meist im Dezember verabschiedet wird, könnte ein so beschlossenes Bitcoin-Reserve-Gesetz zeitlich eng mit den Midterms zusammenfallen und als sichtbarer Erfolg für Krypto-affine Wähler inszeniert werden. Selbst wenn kein Gold angerührt wird, gäbe es zudem alternative Möglichkeiten, um Bitcoin-Käufe zu finanzieren.

Denkbar wären etwa Einnahmen aus den Strafzöllen oder Zinsen auf staatliche Vermögenswerte. Ein attraktives Narrativ, das Trump nutzen könnte: Seine America-First-Handelspolitik kommt nicht nur der US-Industrie zugute, sondern macht zugleich einen “kostenlosen” Aufbau der nationalen Bitcoin-Reserve möglich, sodass der Rest der Welt indirekt zur Stärkung der Weltmacht Nr. 1 beiträgt.

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Um den Bitcoin-Kurs auf neue Höhen zu treiben, braucht es vermutlich ohnehin kein dreistelliges Milliardeninvestment der USA. Schon 10.000 BTC wären für die Trump-Regierung vergleichsweise leicht zu finanzieren und dennoch ein starkes Signal für den Markt. Frühere Wendepunkte wie Teslas Einstieg im Februar 2021 oder die Zulassung der Bitcoin Spot ETFs im Januar 2024 lösten jeweils Wellen der Begeisterung unter Anlegern aus. Darüber hinaus würde eine erste offizielle BTC-Akquisition der US-Regierung andere Staaten unter Druck setzen, ebenfalls über Bitcoin-Reserven nachzudenken. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

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