Es ist die letzte Instanz, die Donald Trump noch nicht kontrolliert: die US-Notenbank Fed. Seit Monaten sucht der US-Präsident nach einem Nachfolger für den in Ungnade gefallenen Jerome Powell. Vier Kandidaten sind in der engeren Auswahl. BTC-ECHO zeigt, wo sie geldpolitisch stehen und welche Auswirkungen ihre Position auf den Bitcoin- und Kryptomarkt haben könnte.
Die lange Suche nach einem Nachfolger für den Vorsitz der Federal Reserve (Fed) steht wohl kurz vor dem Ende. “In der kommenden Woche könnte eine Entscheidung fallen”, hatte US-Finanzminister Scott Bessent kürzlich gegenüber CNBC verlauten lassen. Mit dem aktuellen Amtsinhaber Jerome Powell, der im Mai zurücktreten wird, geriet Präsident Donald Trump in den vergangenen Wochen zunehmend aneinander. Streitpunkt waren dabei immer wieder die Zinssätze der US-Notenbank, die nach Meinung des Weißen Hauses zu hoch seien.
Umso mehr erhofft sich Trump und dessen Beraterstab, dass sich der neue Kandidat hier kooperativer zeigen wird. Noch ist jedoch völlig offen, wer am Ende tatsächlich den Zuschlag erhalten wird. Auf dem beliebten Prognosemarkt Polymarket kristallisieren sich dennoch vier Anwärter heraus.
Kevin Hassett: Der Trump-Loyalist
Eine der größten Wendungen im Rennen um den Fed-Vorsitz erlebte Kevin Hassett. Der Direktor des National Economic Council galt vor dem Jahreswechsel noch als aussichtsreichster Kandidat auf den Posten. Zwischenzeitlich gingen 85 Prozent auf Polymarket davon aus, dass Trumps engster Wirtschaftsberater neuer Fed-Chef werden würde. Vor wenigen Tagen dann die Kehrtwende, als der US-Präsident vor laufenden Kameras sagte: “Kevin, ich will dich hier behalten, wenn ich ehrlich bin.” Wenig später fiel Hassetts Quote auf neun Prozent.
Als Trumps Chef-Ökonom befürwortet Hassett die rigorose Zollpolitik, die in der Vergangenheit immer wieder für kurzfristige Kurseinbrüche bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen sorgte. Gleichzeitig sprach er sich immer wieder für eine lockerere Geldpolitik aus, insbesondere in Bezug auf die Absenkung der Leitzinsen in den USA. In die Kritik geriet der Trump-Vertraute, als er Anfang August letzten Jahres schwache Wirtschaftsdaten des Bureau of Labor Statistics infrage stellte.
Sollte Hassett wider Erwarten doch ins Amt des Fed-Vorsitzenden einberufen werden, dürfte er der Notenbank einen dovishen Kurs vorgeben – mit potenziell positiven Folgen für Bitcoin und Co. Allerdings birgt eine zu drastische monetäre Kehrtwende auch Risiken. Marktteilnehmer könnten zu schnelle Zinssenkungen als Signal der Schwäche verstehen.
Christopher Waller: Der Fed-Insider
Als auf Polymarket die ersten Wetten erschienen, wer Jerome Powells Erbe antreten solle, war es Christopher Waller, der für viele Beobachter als logischer Nachfolger erschien. Immerhin hatte Trump den Ökonomen 2020 in das Board of Governors einberufen, das hohen Anteil an geldpolitischen Entscheidungen mitträgt. Dort war es Waller, der sich seit Juli für weitere Zinssenkungen eingesetzt hatte, im September seinen Willen bekam und letztlich für neue Kursexplosionen bei Bitcoin und Co. sorgte.
Ende Oktober bestätigte Finanzminister Scott Bessent, Waller sei im Kreis der engeren Kandidaten. Mittlerweile gilt er aber eher als Außenseiter. Zwar gab es vor einem Monat ein Gespräch mit Trump, nach dem der Präsident den Fed-Gouverneur als “großartig” bezeichnete. Beobachter rechnen ihm jedoch keine großen Chancen aus und führen das unter anderem auf einen Mangel an Beziehungen zurück. Auf Polymarket rangiert der Republikaner mittlerweile bei rund 13 Prozent.
Für Donald Trump könnte sich eine Nominierung dennoch lohnen, weil sie ihm zusätzlichen Einfluss auf das Board of Governors verschaffen würde. Sicher ist, dass im kommenden Jahr ein Gouverneurs-Posten regulär neu besetzt werden muss. Darüber hinaus hängt viel davon ab, wie es mit Jerome Powell weitergeht. Zwar könnte der Fed-Chef nach dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender theoretisch bis 2028 im Board verbleiben, doch politisch ist dieses Szenario keineswegs gesetzt.
Aktuell ist Trumps Rückhalt im siebenköpfigen Gremium ohnehin begrenzt – nicht zuletzt aufgrund des öffentlichen Schlagabtauschs mit Powell sowie der umstrittenen Entlassung der demokratischen Gouverneurin Lisa Cook, deren Rechtmäßigkeit derzeit vom Supreme Court geprüft wird. Sollte Powell im Board bleiben, könnte er gemeinsam mit den drei demokratischen Gouverneuren weiterhin eine Mehrheit gegen Trumps Forderungen nach niedrigeren Zinsen organisieren. Neue Nominierungen würden Trump zumindest die Möglichkeit eröffnen, diese Kräfteverhältnisse zu seinen Gunsten zu verschieben.
Rick Rieder: Der BlackRocker
Rick Rieders Prognosewerte auf Polymarket zogen zuletzt deutlich an, nachdem ein persönliches Gespräch mit Donald Trump positiv verlaufen sein soll. Als BlackRock-Topmanager ist er der einzige Kandidat aus der freien Wirtschaft – und einer, der in Washington als vergleichsweise konsensfähig gilt.
Dieser Umstand könnte im aktuellen politischen Umfeld entscheidend sein. Nach den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen dem Weißen Haus und der US-Notenbank haben mehrere Senatoren angekündigt, künftige Fed-Nominierungen besonders genau zu prüfen. Rieder gilt daher als Kandidat, der weniger Widerstand im Bestätigungsprozess auslösen würde als offen politische oder institutionell stark verankerte Bewerber. Das zumindest sagten Insider gegenüber Bloomberg.
Geldpolitisch steht Rieder für einen pragmatischen Ansatz. Zwar betont er regelmäßig die Bedeutung der Unabhängigkeit der Federal Reserve, zugleich aber sagte, die Notenbank könne “innovativer” mit ihrer Bilanz umgehen.
Kevin Warsh: Der Fed-Kritiker
Schaut man auf die Prognosewerte auf Polymarket, gibt es einen klaren Favoriten – und der heißt Kevin Warsh. 49 Prozent glauben derzeit, dass er die Nachfolge Jerome Powells antreten wird. Bereits in der ersten Amtszeit Donald Trumps hätte es für den heute 55-jährigen Warsh fast geklappt mit dem Fed-Vorsitz. Es kam bekanntlich anders.
Zwischen 2006 und 2011 war Warsh Mitglied im Board of Governors, der dabei häufig hawkishe Positionen vertrat und sich insbesondere auf Inflationsrisiken konzentrierte. Nicht unbedingt, was sich Donald Trump von seinem künftigen Fed-Chef wünschen würde.
Dabei ist es nicht unbedingt so, als stünde Warsh einer lockereren Geldpolitik grundsätzlich ablehnend gegenüber. Seine Kritik richtet sich vielmehr gegen die Instrumente der Fed: die starke Datenabhängigkeit, die umfangreichen Anleihekaufprogramme und die aufgeblähte Notenbankbilanz. Diese hätten zwar kurzfristig stabilisiert, langfristig jedoch die Preisbildung verzerrt und übermäßige Risiken begünstigt. Entsprechend fordert Warsh einen „Regime Change“ in der Geldpolitik.
Statt neuer Liquidität plädiert Warsh für einen konsequenten Bilanzabbau, der aus seiner Sicht auch niedrigere kurzfristige Zinsen ermöglichen könnte. Die Fed würde unter seiner Führung vermutlich weniger bereit sein, auf Marktverwerfungen mit Zinssenkungen oder neuen Stützungsmaßnahmen zu reagieren. Höhere Volatilität würde eher in Kauf genommen, um die Glaubwürdigkeit der Notenbank zu stärken. Für Investoren bedeutete das ein Umfeld mit strafferen finanziellen Bedingungen – und spürbaren Konsequenzen für Risikoanlagen wie Bitcoin und andere Kryptowährungen.
Quellen
- Scott Bessent Interview mit CNBC zur Fed-Frage (ab 9:04)
- Trump über Kevin Hassett
- Bloomberg Artiekl zu Rick Rieder
