Ein „privater“ Yen? Japanische Großunternehmen kündigen neues Zahlungssystem an

Anton Livshits

von Anton Livshits

Am · Lesezeit: 2 Minuten

Anton Livshits

Anton Livshits absolviert ein Masterstudium der Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig. Seine Beschäftigung mit Krypto-Themen ist das Resultat eines grundlegenden Interesses am Wechselspiel von technischer Innovation und gesellschaftlichem Wandel.

Eine zusammengerollte Yen-Note, im Hintergund weitere Geldscheine

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In Japan träumt nicht nur die Zentralbank von einer digitalen Währung. Namhafte Akteure aus der Privatwirtschaft haben sich ebenfalls für einen digitalen Yen zusammengeschlossen.

Die japanische Privatwirtschaft macht sich an die Entwicklung eines gemeinsamen digitalen Zahlungssystems. Dreißig der größten Unternehmen des Landes schlossen sich dafür zusammen. An der Entwicklung des digitalen Yen aus privater Hand beteiligen sich neben Japans drei größten Banken etwa namhafte Vertreter aus Telekommunikation und Einzelhandel.


Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, ging die Gruppe am 19. November mit ihren Plänen an die Öffentlichkeit. Das Projekt soll 2021 starten. Ziel sei eine Förderung der digitalen Infrastruktur des Landes, das bis lang dem Bargeld weitestgehend treu geblieben ist. Laut Reuters bestreiten Japaner nur jede fünfte Zahlung ohne Bargeld. In China beträgt dieser Anteil hingegen 70 Prozent und auch hierzulande belegen Umfragen, dass bargeldlose Zahlungen im Zuge der Corona-Pandemie zunehmend beliebter werden.

Ziel ist gemeinsame Plattform

Der Liebe zum Bargeld zum Trotz, entwickelten Japans Megabanken in den vergangenen Jahren eigenständige Bezahlsysteme auf Blockchain-Basis. Die Mitsubishi UFJ Financial Group, die größte Bank des Landes, versprach beispielsweise noch für 2020 einen eigenen Stable Coin. Er soll 1:1 an den Yen gekoppelt sein.

„Japan hat viele digitale Plattformen, von denen keine groß genug ist, um Barzahlungen zu schlagen,“ sagte dazu Hiromi Yamaoka, der Sprecher der Gruppe, die hinter den neuerlichen Plänen für einen gemeinsamen digitalen Yen steht. Yamaoka saß einst in der Chefetage der Japanischen Zentralbank. Er fügte hinzu:

Was wir wollen, ist die Schaffung eines Rahmens, der verschiedene Plattformen miteinander kompatibel machen kann.

Die Gruppe plant, Privatbanken zunächst mit der Herausgabe des digitalen Yen zu beauftragen. Zum technischen Unterbau des Projekts liegen keine näheren Information vor. Ob und welche Blockchain zum Einsatz kommt, ist somit unklar.

Japans Zentralbank hat CBDC-Pläne

Parallel zur Privatwirtschaft konkretisiert die Bank of Japan ebenfalls ihre eigenen Digitalwährungspläne. Befeuert durch die Konkurrenz aus China, nehmen die Pläne für einen staatlichen, digitalen Yen zunehmend Gestalt an. Die Japan Times berichtete im Oktober, dass erste Tests für das CBDC schon Anfang nächsten Jahres starten sollen.

Die Tests sollen in drei Stufen ablaufen. Japans Zentralbank plant zunächst die Einrichtung eines Online-Systems, um basale CBDC-Funktionen wie die Herausgabe und die Zirkulation zu erproben. Im Anschluss daran sind „fortgeschrittene Experimente“ geplant. In der letzten Phase sollen Endverbraucher und Unternehmen prüfen, ob die Digitale Zentralbankwährung in puncto Sicherheit und Durchführbarkeit mit Bargeld mithalten kann.

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