Lage am Mittwoch Die Bitcoin-Krise: Hat das Safe-Haven-Narrativ ausgedient?

Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Phillip Horch

Phillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er ist Diplom-Journalist und hat einen Master-Abschluss in Literatur-Kunst-Medien.

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Bitcoin (BTC) wurde bisweilen als Safe Haven in Zeiten der Krise gehandelt. Der letzte Crash ließ jedoch Zweifel an dieser Erzählung aufkommen.

Bitcoin (BTC) und der gesamte Krypto-Markt steckten zu Beginn der Woche in einer Krise. Die Kurse purzelten in den Keller, Verunsicherung machte sich in der Community breit. Sollte Bitcoin nicht eigentlich als sicherer Hafen in Zeiten der Krise dienen?

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Ist die Kryptowährung doch nur ein risikobehaftetes und unberechenbares Asset ohne Substanz?

Was ist ein Safe Haven?

Unter einem „Safe Haven“ versteht man eine Geldanlage, die sich „in unruhigen Marktphasen unkorreliert (schwacher sicherer Hafen) oder negativ korreliert (starker sicherer Hafen) zu einem anderen Vermögenswert oder Portfolio verhält“. Er soll Anlegern also bei Crashs an den Märkten dabei helfen, das eigene Vermögen zu sichern. Ist Bitcoin ein Safe Haven? Betrachtet man die Korrelation der vergangenen Tage zu den Aktienmärkten, muss man diese Frage zunächst verneinen. Doch es gibt Hoffnung,

Ein Safe Haven muss laut Definition von Avatrade folgende Eigenschaften haben:

  • Liquidität: Ein Safe Haven muss man zu jeder Zeit problemlos kaufen und verkaufen können. Der Markt muss eine schnelle Liquidation ermöglichen können.
  • Funktioneller Zweck: Der Safe Haven in spe muss über die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel hinausgehen. Zusätzliche Verwendungsmöglichkeiten begünstigen auch ein Kaufinteresse.
  • Zukünftige Nachfragesicherheit: Hier stellt sich die Frage, ob der Vermögenswert auch in der Zukunft noch genutzt werden wird: Wird es einen künftigen Markt geben?
  • Knappheit des Angebots: Dadurch werden Preissteigerungen möglich. Ist ein Gut knapp und steigt die Nachfrage, steigt auch der Preis.
  • Werthaltigkeit: Es besteht die Möglichkeit, dass sich der Nutzen eines Vermögenswerts mit der Zeit verschlechtert, was man einkalkulieren muss. Das kann vor allem bei Immobilien der Fall sein.

Bitcoin als Safe Haven? Diese Eigenschaften sprechen dagegen

Gerade im Bereich der Liquidität hat Bitcoin bisweilen Probleme damit, zu punkten. Nach wie vor treten immer wieder Komplikationen mit Krypto-Exchanges auf, so richtig flüssig ist die führende Kryptowährung nach Marktkapitalisierung noch nicht.

Auch der funktionelle Zweck der Kryptowährung ist bisweilen umstritten. Zwar wird seine Wertaufbewahrungsfunktion in der Community zumindest auf lange Sicht anerkannt. Als Zahlungsmittel konnte sich die Kryptowährung bisher nicht durchsetzen. Die hohen Kursschwankungen machen Bitcoin hier eher ungeeignet.

Bitcoin als Safe Haven? Diese Bedingungen erfüllt die Kryptowährung

Die Knappheit des Angebots ist in der Grundstruktur von Bitcoin festgelegt. Satoshi Nakamoto hat in seinem White Paper festgelegt, dass sich der Nachschub an neuen Bitcoin regelmäßig verknappt. Der Nachschub an neuen BTC-Einheiten wird rund alle vier Jahre halbiert, die maximale Menge ist auf 21 Millionen BTC begrenzt. Laut Stock-to-Flow-Ratio wird Bitcoin dadurch mit der Zeit sogar seltener als Gold. (Die nächste Verknappung steht übrigens im Mai an).

Auch beim Punkt der Werthaltigkeit sieht es gut aus. So ist – zumindest technisch gesehen – nicht davon auszugehen, dass sich die Kryptowährung abnutzt. Im Gegenteil: Es ist so gut wie unmöglich, die Blockchain abzuschalten.

Alles steht und fällt mit dem Nutzen

Gerade letzter Punkt und auch der der zukünftigen Nachfragesicherheit wird in Zukunft darüber entscheiden, ob sich Bitcoin als Safe Haven etablieren kann. Denn um eine künftige Nachfragesicherheit zu garantieren und damit auch die Werthaltigkeit aufrechtzuerhalten, muss Bitcoin mehr sein als nur Spekulationsobjekt.

Gerade seine ursprüngliche Funktion, die eines dezentralen Geldsystems, das unabhängig von Staaten und Institutionen ist, gilt es hier zu etablieren.

Und daran wird bereits gearbeitet. Spätestens seit es die neuen Richtlinien zur Kryptoverwahrung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gibt, haben Unternehmen hierzulande die Möglichkeit, sich an einem rechtlichen Rahmen entlang zu hangeln, um zum Bitcoin-Verwahrer zu werden. Damit können sie den Boden für eine breitere Akzeptanz der Kryptowährung bereiten. Auch die Integration von Bitcoin und anderen Kryptowährungen in Point-of-Sales-Lösungen geben hier Hoffnung. Dass sich Bitcoin auch trotz seiner Volatilität gegenüber Fiat-Währungen behaupten kann, zeigen außerdem wirtschaftliche Krisenregionen wie Venezuela oder Simbabwe. Dort ist die Inflation der Staatswährungen bisweilen so hoch, dass sich Menschen Kryptowährungen zuwenden. Hier dient Bitcoin im wahrsten Sinne des Wortes als sicherer Hafen.

Investoren brauchen Weitsicht

Das Potential zum Safe Haven ist definitiv vorhanden. Damit sich die Kryptowährung jedoch etablieren kann, bedarf es noch an Reife. Investoren brauchen nun vor allem Weitsicht und dürfen sich von kurzfristigen Einbrüchen nicht verunsichern lassen.

Im Gegenteil: Hält man sich an die Prinzipien des antizyklischen Investments, weiß man in solchen Momenten, was zu tun ist.

Eins ist zudem sicher: Der Angebotsnachschub wird sich weiter verknappen. Steigt die Nachfrage und verbreitet sich die Kryptowährung weiter, dann klappt’s auch mit dem Bitcoin-Kurs.

Diese Zeilen stellen keine Investmentberatung dar, sondern sind lediglich die meinungsbetonten Ausführungen des Autors.

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