Begrabene Keys Gläubiger wollen verstorbenen CEO von QuadrigaCX exhumieren

Moritz Draht

von Moritz Draht

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Moritz Draht

Moritz Draht hat Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Konstanz studiert. Sein Krypto-Engagement widmet sich den Zusammenhängen zwischen soziokulturellen und technischen Entwicklungen.

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Die insolvente Krypto-Börse QuadrigaCX hinterließ tausende verprellte Kunden und viele offene Fragen. Eine dreht sich um das Ableben des ehemaligen CEOs Gerald Cotten. Die Anwaltskanzlei der Geschädigten fordert nun die Exhumierung Cottens, um letzte Zweifel am Tod zu beseitigen.

Pietätlos sagen die einen, im Namen der Gerechtigkeit die anderen. Gerald Cotten, ehemals CEO der mittlerweile insolventen Krypto-Börse QuadrigaCX, hat im Dezember 2018 seinen Frieden gefunden. Genau das bezweifeln jedoch einige Gläubiger und fordern nun eine Exhumierung des Leichnams.

QuadrigaCX: Eine unrühmliche Geschichte


QuadrigaCX war zu ihren Glanzzeiten die größte Bitcoin-Börse Kanadas. Dann folgte der Zusammenbruch: Nachdem CEO Gerry Cotten Ende 2018 überraschend verstarb, ist die Börse in kürzester Zeit implodiert und immer Details der dubiosen Unternehmensstrukturen sind ins Tageslicht gerückt.

Kurz nach dem Ableben Cottens kamen Gerüchte auf, laut derer der CEO die Private Keys der Cold Wallets mit ins Grab genommen haben soll. Mit der Beerdigung Cottens soll demnach auch unweigerlich der Zugang zu rund 115.000 Kundenkonten mit unter der Erde gelandet sein. Umgerechnet 170 Millionen Euro sollen so ihr Ende gefunden haben.

An dieser Geschichte nährten sich jedoch schnell Zweifel. So ist Jaipur in Indien, der Ort an dem Cotten verstarb, hinlänglich dafür bekannt, Todesurkunden für ein gewisses Handgeld auszustellen. Zudem hat Cotten nur zwölf Tage vor seinem Tod ein Testament ausgestellt, das sein Vermögen an seine Lebensgefährtin überträgt. Dass Cotten seiner ehemaligen Lebensgefährtin zudem Grundstücke und Immobilien aus der Kasse des Unternehmens gespendet haben soll, hinterlässt ebenfalls einen faden Nachgeschmack.

Außerdem scheint es auch merkwürdig, die gesamten Vermögenseinlagen eines Unternehmens in die Obhut einer einzigen Person zu geben. Somit kam schnell der Verdacht auf, dass Gerry Cotten seinen Tod vorgetäuscht haben könnte, um sich mit den Einlagen der Kunden ins Ausland abzusetzen.

Wie sich im Laufe der gerichtlichen Aufarbeitung des Falls ebenfalls herausstellte, soll es sich bei QuadrigaCX um ein groß angelegtes Schneeballsystem gehandelt haben. Kundeneinlagen sollen an andere Börsen ausgelagert worden sein.

Die Exchange soll letztlich über keine Rücklagen verfügt und nur von aktueller Liquidität gelebt haben. Kunden wurden mit den Geldern neuer Kunden ausgezahlt. Nach dem Ableben Cottens ist QuadrigaCX schlussendlich in sich zusammengebrochen und musste kurze Zeit später Insolvenz anmelden. Zurückblieben tausende verprellte Kunden, die bis heute auf die Auszahlung ihrer Vermögen warten.

Anwälte fordern Ausgrabung

Der Anwalt Miller Thomson hat sich in einem Schreiben an den kanadischen Minister für öffentliche Sicherheit, Bill Blair, gewandt. Blair unterliegt die für den Quadriga-Fall zuständige Polizeibehörde „Royal Canadian Mounted Police“. In dem Schreiben fordert der Anwalt die Ausgrabung und Obduktion der Leiche.

Das Dokument ermutigt zudem die Geschädigten, sich direkt per E-Mail an den Minister zu wenden. Das könnte den Druck erhöhen. Ob es aber tatsächlich zur baldigen Ausgrabung kommt, ist bislang noch unklar.

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